Deutschland könnte auch in den kommenden Jahren von einer großen Koalition reagiert werden - doch ausgerechnet die Jusos wehren sich dagegen. Juso-Chef Kevin Kühnert macht gegen eine erneute GroKo nun sogar mobil.

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Die Jusos wollen nach Abschluss der Sondierungen von Union und SPD Widerstand gegen eine Neuauflage der großen Koalition mobilisieren.

Juso-Chef Kevin Kühnert will dafür unter anderem durch mehrere SPD-Landesverbände touren. "Ich werde ab Samstag, bis zum Parteitag mehrere Delegiertenversammlungen besuchen, unter anderem in Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Berlin", sagte er am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

"Wir Jusos werden in den nächsten Tagen alle Gelegenheiten nutzen, um mit möglichst vielen SPD-Mitgliedern und Parteitagsdelegierten zu reden - bei Veranstaltungen, in Telefonaten, in den sozialen Medien."

Kühnert: Wahlergebnis war Absage an große Koalition

Die Parteispitze werde nach dem Abschluss der Sondierungen auch an der Basis für ihren Kurs werben. Nötig sei ein Wettstreit der Argumente. "Das Bundestagswahlergebnis steht nach wie vor, und das war eine klare Absage an eine große Koalition. Das gilt weiter."

Union und SPD wollten am Donnerstag oder in der Nacht zu Freitag ihre Sondierungen abschließen.

Am Freitag sollen die SPD-Gremien entscheiden, ob sie angesichts der Sondierungsergebnisse den Einstieg in Koalitionsverhandlungen mit der Union empfehlen. Entscheiden soll darüber dann am 21. Januar ein Bundesparteitag in Bonn.

"Die SPD führt gerade eine extrem vielschichtige Debatte mit Blick auf die Regierungsbildung", sagte Kühnert. "Es wäre falsch, den Eindruck zu vermitteln, es gebe in der Frage eine einheitliche Haltung. Es ist viel ehrlicher und überhaupt nicht anrüchig, die Vielschichtigkeit der Positionen zu zeigen."

Das gelte auch für die Abstimmung im Parteivorstand. "Die sollte die Stimmung realistisch widerspiegeln."  © dpa