Die SPD hat Martin Schulz erneut zum Parteivorsitzenden gewählt. Der 61-Jährige erhielt am Donnerstagabend in Berlin 81,9 Prozent der Stimmen, nachdem der Parteitag kurz vorher mit großer Mehrheit Gesprächen mit der Union über eine Regierungsbildung zugestimmt hatte.

Mehr Informationen zu einer möglichen erneuten "GroKo"

Zehn Wochen nach der historischen Schlappe bei der Bundestagswahl hat die SPD Martin Schulz als Parteichef wiedergewählt.

Allerdings erhielt er beim SPD-Parteitag kurz vor Beginn der Gespräche mit der Union über eine Regierungsbildung nur 81,9 Prozent der Stimmen - das sechstschlechteste Ergebnis eines SPD-Vorsitzenden.

Kurz zuvor hatten die Delegierten mit großer Mehrheit den Gesprächen mit CDU und CSU zugestimmt.

Als Schulz im März den Parteivorsitz übernommen hatte, war er mit 100 Prozent der Stimmen gewählt worden.

Nach diesem Ergebnis habe er schwere Zeiten erlebt, sagte Schulz am Donnerstagabend nach der Abstimmung mit Blick auf den Absturz bei der Bundestagswahl auf 20,5 Prozent. "Ich wünsche mir, dass auf der Grundlage dieses Ergebnisses bessere Zeiten kommen."

Der Wiederwahl des Parteichefs war eine rund fünfstündige kontroverse Debatte über die Zukunft der SPD vorausgegangen.

Schulz über "GroKo"-Gespräche: "Gibt keinen Automatismus für irgendetwas"

Der Parteivorstand setzte sich mit seinem Vorschlag durch, ergebnisoffene Gespräche mit der Union über eine Regierungsbildung zu führen.

Drei Ergebnisse sind möglich: Neuauflage der großen Koalition, Tolerierung einer Minderheitsregierung und Neuwahlen. "Es gibt keinen Automatismus für irgendetwas", versprach Schulz. Die Jusos hätten eine weitere große Koalition mit der Union gern ausgeschlossen.

Schulz hatte vor der Abstimmung eindringlich für Gespräche mit der Union geworben. "Wir müssen nicht um jeden Preis regieren. Aber wir dürfen auch nicht um jeden Preis nicht regieren wollen", sagte der 61-Jährige in seiner mehr als einstündigen Rede.

Darin übernahm er auch die Verantwortung für das historisch schlechte Wahlergebnis und bat Partei und Wähler um Entschuldigung.

Bereits in der kommenden Woche will Schulz nun mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und CSU-Chef Horst Seehofer sprechen.

Die CDU begrüßte den Beschluss der SPD und bekräftigte das Ziel, "eine verlässliche und stabile Regierung für unser Land zu bilden". Die CSU erwartet "harte Verhandlungen".

Bildergalerie starten

Karikaturen

Nachrichten aus der Politik sind langweilig und dröge? Unsere aktuellen Karikaturen beweisen das Gegenteil - jeden Tag aufs Neue.

Teaserbild: © picture alliance / ZUMAPRESS.com