Drei von vier Bürgern wollen einer aktuellen Umfrage zufolge, dass Sigmar Gabriel im Fall des Zustandekommens einer neuen großen Koalition Außenminister bleibt. Der SPD-Politiker will sich aber nicht an das Amt klammern.

Fast drei Viertel der Wahlberechtigten in Deutschland wünschen sich, dass der frühere SPD-Chef Sigmar Gabriel auch in einer neuen Bundesregierung Außenminister bleibt. 17 Prozent der Befragten bevorzugen dagegen einen anderen Außenminister, wenn die Koalition aus Union und SPD zustande kommt, wie der neue "Deutschlandtrend" von Infratest dimap für das ARD-"Morgenmagazin" zeigt.

Welcher SPD-Politiker im Fall des Zustandekommens einer neuen großen Koalition Außenminister werden soll, ist offen. Zuweilen wird Bundesfamilienministerin Katarina Barley für den Posten genannt. Auf die Frage, ob sie daran Interesse habe, sagte sie am Mittwoch in der ARD-Sendung "Maischberger": "Ich übernehme gerne Verantwortung - egal in welcher Funktion."

"Leben in Zeiten des großen Verdachts"

Dass Sigmar Gabriel gerne Außenminister bleiben würde, ist indes ein offenes Geheimnis. Jüngst hat der SPD-Politiker aber auch betont, dass er seiner politischen Zukunft gelassen entgegensehe.

Er halte nichts davon, "um Ämter 'zu kämpfen' und sich daran zu klammern", sagte er der "Braunschweiger Zeitung".

Natürlich wisse er, dass alles, was er jetzt tue, so aussehe. "So als hätte ich mich um die Freilassung von Deniz Yücel bemüht, um Außenminister zu bleiben. Oder als ob ich eine gute Rede auf der Münchener Sicherheitskonferenz sozusagen als Bewerbungsrede gemeint hätte. Welch ein Unsinn", sagte Gabriel.

"Aber so sind die Zeiten: Wenig wird als das genommen, was es ist. Hinter allem steckt angeblich immer ein geheimer Plan, eine Taktik. Wir leben in Zeiten des großen Verdachts. Ich hoffe, das ändert sich irgendwann wieder." Er beteilige sich nicht an Personalspekulationen um Regierungsämter, sagte Gabriel. "Wie gesagt: Das findet sich schon."

Auf den Hinweis, Deutschland brauche einen erfahrenen Außenminister, antwortete er: "Den wird es geben. Der muss aber nicht Sigmar Gabriel heißen."

Gabriel werden nur noch geringe Chancen auf das Außenamt eingeräumt, nachdem er seinem Unmut über Martin Schulz' Ansprüche auf den Posten allzu deutlich Luft gemacht hatte.

Sigmar Gabriel zeigt sich selbstkritisch

Dieser Unmut sei bis heute nicht verflogen, sagte Gabriel der "Braunschweiger Zeitung", gestand aber auch ein: "Meine Reaktion war auch nicht besonders schlau". Weiter sagte Gabriel: "Aber das ist alles ausgeräumt und nebensächlich."

Sämtliche Personaldebatten wären umsonst gewesen, wenn sich die Mehrheit der SPD-Basis beim derzeit laufenden Mitgliederentscheid gegen die Bildung einer großen Koalition ausspricht.

Spannende Wochen für Union und SPD also, die in der Gunst der Wähler zuletzt immerhin leicht zugelegt haben:

Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die Union laut der Umfrage von Infratest dimap auf 34 Prozent der Wählerstimmen, die SPD auf 17 Prozent. Das ist für beide ein Prozentpunkt mehr als in der Vorwoche.

Für die AfD würden sich 14 Prozent entscheiden (minus 1), für die Grünen zwölf (-1), die Linke zehn (-1) und die FDP neun Prozent (unverändert).  © dpa