SPD-Chef Martin Schulz will einem Bericht zufolge bei einem erfolgreichen Abschluss von Koalitionsverhandlungen mit der Union das wichtige Finanzministerium für seine Partei beanspruchen. Des Weiteren gibt sich Schulz besorgt über die neue Regierung Österreichs.

"Das Bundesfinanzministerium ist das Ziel", sagte Schulz nach Informationen des "Handelsblatts" vergangene Woche in einer internen Runde mit SPD-Bundestagsabgeordneten.

Der Deutschen Presse-Agentur wurde dies aus SPD-Kreisen am Montag in Berlin bestätigt. Aus dem Willy-Brandt-Haus hieß es dazu: "Fragen wie die Ressortverteilung stehen jetzt nicht auf der Tagesordnung."

Am Freitag hatte sich der Vorstand einstimmig, bei einer Enthaltung, für ergebnisoffene Sondierungen mit CDU/CSU von Kanzlerin Angela Merkel ausgesprochen.

Finanzministerium als bedeutendste Bundesministerium

Der bisherige Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) war nach der Bundestagswahl zum Bundestagspräsidenten gewählt worden. Seit 2009 hat die CDU dieses Schlüsselressort inne, derzeit wird es interimsweise von Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) geführt.

In der großen Koalition von 2005 bis 2009 hatte die SPD sowohl das Auswärtige Amt (Frank-Walter Steinmeier) als auch das Finanzressort (Peer Steinbrück).

Im Zuge der Banken- und Finanzkrise wurde Steinbrück einer der wichtigsten Minister. Mit der Aufstellung des Bundeshaushalts und viel Einfluss in der Europapolitik gilt das Finanzministerium heute als das bedeutendste aller Bundesministerien.

Dem "Handelsblatt"-Bericht zufolge kritisierte Schulz "Heckenschützen in der Partei" und "Durchstechereien" aus vertraulichen Sitzungen.

Er hatte zuletzt in Vorstand und Bundestagsfraktion mit Nachdruck um ein defensiveres Kommunikationsverhalten gebeten - aus der SPD gab es in den letzten Tagen und Wochen viele Wortmeldungen mit Vorschlägen zu roten Linien in den Gesprächen über eine Regierungsbildung und zu Modellen jenseits einer festen großen Koalition mit CDU/CSU.

SPD-Chef Schulz besorgt über "Rechtsruck" in Österreich

Des Weiteren gibt sich Schulz besorgt in Bezug auf die neue Regierung im Nachbarland Österreich. "Die Regierungsbildung in Wien ist keine rein innenpolitische Angelegenheit", sagte er am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

"In etlichen EU-Staaten erleben wir derzeit einen Rechtsruck", meinte Schulz, bis vergangenes Jahr Präsident des Europäischen Parlaments.

Es gelte die eigene Idee von einem menschenfreundlichen Europa zu verteidigen. "Auch wenn die Gegner dieser Idee in immer mehr Regierungen sitzen."

In Wien koaliert der mit 31 Jahren jüngste Regierungschef in Europa, Sebastian Kurz von der konservativen ÖVP, mit der rechten FPÖ unter Führung von Heinz-Christian Strache.

Die SPD will "mehr Europa" und ein Aufgreifen der entsprechenden Vorschläge des französischen Präsidenten Emmanuel Macron auch zum Schwerpunktthema bei den Gesprächen über eine Regierungsbildung mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) machen. Als Ziel hatte Schulz jüngst die Schaffung der "Vereinigten Staaten von Europa" bis 2025 genannt.

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