Martin Schulz oder Sigmar Gabriel? Wer soll die SPD aus Angela Merkels Schatten führen? Die Sozialdemokraten müssen sich bald entscheiden. Doch beide potenzielle Bewerber lavieren.

Drei Politiker haben die Chance auf die Kanzler-Kandidatur für die SPD.

Der scheidende EU-Parlamentspräsident Martin Schulz sieht seinen Konkurrenten Sigmar Gabriel für die Bekanntgabe der SPD-Kanzlerkandidatur in der Pflicht. "Am Ende wird der Parteivorsitzende, Sigmar Gabriel, im Januar einen Vorschlag unterbreiten", sagte Schulz zur Frage, ob er als Bewerber zur Verfügung steht in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin". Schulz und Gabriel seien "enge Freunde", die Entscheidung der SPD falle aber im Team. Es bleibe bei diesem verabredeten Zeitplan.

Der von Brüssel nach Berlin wechselnde Schulz ist in Umfragen wesentlich beliebter als Gabriel. Im jüngsten ARD-Deutschlandtrend lag Schulz in der Beliebtheit mit 57 Prozent (+7 Punkte) gleichauf mit Kanzlerin Merkel (+5). Gabriel kam auf 43 Prozent (+6).

Schulz freue die positive Resonanz für seine Arbeit - diese wolle er aber im Team in den Dienst der SPD stellen, sagte der 60-Jährige. Die SPD müsse das Ziel haben, die nächste Bundesregierung anzuführen, auch wenn dies momentan etwas verwegen klinge.

Gabriel: "Popularität ist nicht das Einzige"

Parteichef Sigmar Gabriel will sich von Schulz' Beliebtheit nicht unter Druck setzen lassen. "Popularität ist wichtig, aber nicht das Einzige, was Wählerinnen und Wähler interessiert", sagte Gabriel bereits am Samstag der "Passauer Neuen Presse". Der Wirtschaftsminister erinnerte an die Wahlkämpfe 2009 und 2013, als die jeweiligen SPD-Spitzenkandidaten untergingen. "Die Beliebtheitswerte von Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück waren die höchsten - und trotzdem haben sie verloren."

In der SPD mahnen einige, man könne Schulz' Popularität nicht außer Acht lassen. Auch Gabriel hat in der Partei einflussreiche Fürsprecher, etwa die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Gabriel selbst hatte vor wenigen Tagen zudem Hamburgs ersten Bürgermeister Olaf Scholz ins Rennen gebracht - womöglich auch, um von seiner Konkurrenz zu Schulz abzulenken.

Was die Wahlchancen der SPD insgesamt angeht, zeigte sich Arbeitsministerin Andrea Nahles am Wochenende derweil kämpferisch. "Ich rieche ihre Schwäche", sagte sie über Kanzlerin Angela Merkel bei einem Landesparteitag der bayerischen Sozialdemokraten. Es sei eine Zeit der Veränderungen angebrochen, die vermeintlich sichere Größen unter Druck bringe. Die SPD brauche nur abzuwarten, wie sich die CDU zerlege. Auch CSU-Chef Horst Seehofer schwärmte am Wochenende überraschend von Nahles.

Wie eine Bundesregierung mit der SPD an der Spitze überhaupt aussehen könnte, ist derweil weiter offen. Erneut trafen sich Abgeordnete von SPD, Linkspartei und Grünen in Berlin, um Gemeinsamkeiten auszuloten. SPD-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel betonte, seine Partei arbeite für eine Mehrheit jenseits der Union. Auch der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann nahm laut Nachrichtenagentur dpa an dem Gespräch teil.© SPIEGEL ONLINE

Der scheidende EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) hat in Deutschland kräftig an Beliebtheit zugelegt - und ist nun gleichauf mit Kanzlerin Angela Merkel.