Die SPD-Spitze macht einen Ausflug nach Düsseldorf, um über die Strategie für die NRW- und die Bundestagswahl zu reden. Auch über die K-Frage? Natürlich nicht, verkündet Parteichef Gabriel. Lange kann er nicht mehr schweigen.

Ein Sigmar Gabriel lässt sich ungern treiben. Das gilt für interne Kritiker in der SPD, ganz besonders aber für die Medien.

Insofern dürfte die "Bild"-Zeitung mit ihrer Festlegung, der Goslarer werde Kanzlerkandidat, zumindest erreicht haben, dass der Vorsitzende jetzt erst recht dicht und sich an den verabredeten Zeitplan hält. Die SPD will bei der K-Frage erst am 29. Januar den Schleier lüften.

Und genauso beginnt der Dienstag in Düsseldorf. Dort wollte sich am frühen Abend in einem Hotel in Flughafennähe die engere SPD-Führung zu einer vertraulichen Runde versammeln. Am Morgen erscheint Gabriel im am Rhein gelegenen Landtag, wo er mit den NRW-SPD-Abgeordneten über die im Mai anstehende Wahl redet.

Nicht nur für Landesmutter Hannelore Kraft (Gabriel lobt sie als "Seele des Landes"), auch für Gabriel und die im Bund bei 20 bis 22 Prozent dümpelnde SPD ist das schon eine Schicksalswahl. Würde Kraft ihr Amt an die CDU verlieren, bekämen die Genossen noch mehr Gegenwind. Ein Sieg in Düsseldorf wäre umgekehrt ein Mutmacher, dass im Herbst auch im Bund doch noch etwas gegen Angela Merkel gehen könnte.

Hat Sigmar Gabriel überhaupt eine Chance?

Aber wer fordert die wegen des Dauerstreits mit der CSU und nach dem für sie unerfreulich verlaufenen CDU-Parteitag angeschlagen wirkende Kanzlerin heraus? Ringt sich Gabriel durch, weil er nach 2013 (als er Peer Steinbrück vorschickte) nicht noch einmal kneifen kann und dann sein Vorsitz wackeln könnte? Tritt der Parteichef wirklich selbst an, obwohl Meinungsforscher der SPD sagen, dass er sein mieses öffentliches Image nicht mehr drehen kann?

Viele in der Partei, vor allem in der noch sehr großen Bundestagsfraktion, haben Angst, dass die SPD mit Gabriel bei der Wahl im September unter die 20-Prozent-Marke fallen könnte.

Alles Fragen, auf deren Beantwortung mancher Spitzengenosse am Abend beim Ausflug nach Düsseldorf eigentlich gehofft hatte. Doch auf die Runde angesprochen, macht Gabriel auf dem Landtagsflur eine klare Ansage. "Wir reden über die Inhalte des Wahlkampfs. Ich weiß gar nicht, wer überhaupt auf die Idee gekommen ist, dass wir über Personal reden." Mehr lässt sich der 57-Jährige nicht entlocken.

Tatsächlich würde bei der K-Frage jede Aussage von Gabriel, egal in welche Richtung, wohl kaum länger als ein paar Stunden geheim bleiben.

Gegen eine breitere Aussprache im kleinen Düsseldorfer Kreis - zu dem neben Gabriel, Kraft auch der Reserve-Kandidat aus Hamburg, Olaf Scholz, Bundestagsfraktionschef Thomas Oppermann und einige Parteivizes erwartet wurden - sprach auch, dass einer nicht dabei sein sollte, auf den sehr viele schauen: Martin Schulz.

Oder macht es doch der "Weltbürger aus Würselen"?

Der scheidende EU-Parlamentspräsident flog nach Lissabon zur Trauerfeier für den gestorbenen Ex-Präsidenten Soares. Mit Schulz (61) als Frontmann im Wahlkampf hätte die SPD die Chance, zu Beginn des Wahljahres eine neue Erzählung zu stricken.

Der "Weltbürger aus Würselen" ist unbelastet von Groko-Absprachen. Umgekehrt erlebte die Partei, dass Umfrage-Könige wie Frank-Walter Steinmeier und Steinbrück kurz nach Antritt verglühten. Macht es Gabriel selbst, würde Schulz "nur" Außenminister.

Nachdem in der Weihnachtszeit die Gabriel-Unterstützer mobil machten, melden sich nun auch wieder kritische Stimmen zu Wort, jedoch nicht aus der ersten Reihe.

So sagt Johanna Uekermann, die Juso-Chefin, die mit Gabriel länger im Clinch liegt, am Dienstag über den Chef: "Ich glaube, dass die Stimmung nach wie vor sehr kritisch ist. Nicht nur bei den Jusos, sondern auch an der Parteibasis ihm gegenüber." Jeder Kanzlerkandidat aber braucht die Jusos. Der Parteinachwuchs putzt im Wahlkampf Klinken und klebt Plakate.

Und da ist auch noch "Susi" Neumann, aus Funk und Fernsehen bekannte Ex-Putzfrau und vor ein paar Monaten in die SPD eingetreten. Damals holte Gabriel die Ruhrpott-Frau mit der großen Klappe für eine Veranstaltung auf die Bühne in der Berliner Parteizentrale. Neumann wusch dem Goslarer ordentlich den Kopf.

Der launige Schlagabtausch zeigte aber auch, dass kaum jemand dem Volk so aufs Maul schauen kann wie Gabriel. Aus Sicht von "Susi" Neumann reicht das jedoch nicht. Im ARD-"Morgenmagazin" meint sie zur K-Frage: "Wenn es eine neue Richtung geben soll und die SPD wirklich wieder eine Arbeitnehmerpartei werden soll, wäre es, glaube ich, der falsche Zug, wenn er kandidieren würde."© dpa