Nach dem TV-Duell zwischen Angela Merkel (CDU) und Martin Schulz (SPD) zur Bundestagswahl 2017 lässt die ARD die Spitzenkandidaten von Grünen, FDP, Die Linke, AfD und mit Joachim Herrmann einen Vertreter der CSU gegeneinander antreten. Das Format geht jedoch völlig daneben, was auch an den Moderatoren liegt.

Eine Kritik
von Patrick Mayer

Es war nach dem vermeintlich großen TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem Herausforderer Martin Schulz (SPD) die kleine Runde: Christian Lindner von der FDP, Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir, Sahra Wagenknecht (Die Linke), Alice Weidel (AfD) und Joachim Herrmann als Vertreter der CSU traten in der Sendung "Der Fünfkampf" gegeneinander an.

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Wilde und wirre Sendung

Die ARD hatte sich wohl vorgenommen, dass dieses Mal wirklich miteinander gerungen werden sollte, anders als im zähen TV-Duell tags zuvor. Doch es wurde eine wilde, teils wirre Sendung, weil sich Das Erste für ein falsches Format entschieden und die Moderatoren keinen guten Abend hatten.

Sonja Mikich aus der WDR-Chefredaktion und Tagesthemen-Chef Christian Nietsche wollten chancengleich mit den Kandidaten über Themen zur Bundestagswahl 2017 wie Digitalisierung, Einwanderung und innere Sicherheit sprechen.

FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner im Exklusiv-Interview.

Doch sie unterbrachen die Kandidaten reihenweise unkoordiniert, ließen - nicht nachvollziehbar - den einen zu einem Thema etwas sagen, den anderen oder die andere nicht. Sie sorgten letztlich für reichlich Verwirrung.

Christian Lindner: "GroKo wie ein ausgehungertes Raubtier"

Und die ist nicht Zweck einer Moderation. Nach nicht einmal einer halben Stunde nahm die Konfusion ihren Lauf.

Lindner hatte der Großen Koalition gerade vorgeworfen, "über die Rentenkasse hergefallen" zu sein wie "ein ausgehungertes Raubtier". Herrmann verteidigte den Anstieg des Rentenalters auf 67.

Wagenknecht meinte, dass das Mobilfunknetz "in manchen afrikanischen Staaten dichter ist als in Deutschland". Und Özdemir beschwerte sich über einen "anti-europäischen Populismus, ob von rechts oder links".

Da hoffte der Zuschauer auf eine spannende politische Debatte - doch es folgte Verwirrung.

ARD-Moderatoren waren überfordert

"Ich darf nichts sagen zum Thema Wohnen und Euro?", fragte Lindner Mikich und Nietsche irritiert. Özdemir grinste: "Ich durfte auch nichts zum Thema Rente sagen."

Noch nicht einmal die Hälfte des Formats war vorüber, da erklärten die Kandidaten indirekt, dass sie nichts von dessen Ablauf hielten. Gerade Mikich aber spielte sich regelrecht oberlehrerhaft auf, hinterließ dabei vielmehr einen teils überforderten Eindruck.

Leblos, enttäuschend, ohne Führung - Medienexperten kritisieren TV-Duell.

"Es ist jetzt nicht das Spiel, jeder darf zu allem was sagen und dann auch noch den anderen kommentieren. Sonst kommen wir mit 75 Minuten nicht durch, Herr Lindner. Deswegen schaffen wir das so, wie wir uns das jetzt ausgedacht haben", sagte die WDR-Journalistin eigenwillig.

Doch zu diesem Zeitpunkt fielen sich die Moderatoren bereits gegenseitig und nicht nur den Gästen ins Wort.

Ein unverständliches Format

Die Folge: Die Sendung wurde immer wirrer und unverständlicher. Richtig wild war es, als die Politiker sich gegenseitig Fragen stellen sollten. "Bitte jetzt keine Monologe", meinte Mikich barsch.

Es folgten: Monologe. "Keine Gegenfrage jetzt, keine Monologe", sagte sie irgendwann beinahe gestresst. Es folgten: Gegenfragen und Monologe. Der Zuschauer blieb gelangweilt zurück.

Dabei hatten die Gäste einiges zu bieten - hätten sie mehr ausreden dürfen. Weidel forderte etwa polarisierend, dass "Soldaten auch Bahnhöfe absichern. Es ist ja offensichtlich nötig".

Lindner wetterte, wie er mit sogenannten Gefährdern umgehen wolle.

FDP-Chef Lindner fordert Fußfesseln

"Ich war einer der ersten in Deutschland, der gefordert hat, dass Gefährder in Deutschland per Gesetz mit der Fußfessel ausgestattet werden. Dann sieht man, wo die sind", meinte der FDP-Chef.

Und Wagenknecht beschwerte sich bei Özdemir empört, die Linke mit der AfD "europapolitisch in einen Topf zu werfen".

Doch immer, wenn die Sendung Fahrt aufzunehmen versprach, waren da die Moderatoren.

Am Ende blieb die Erkenntnis, dass die Wahl des Formats eine schlechte war - und die Sendung inhaltlich wohl nur wenig zur Meinungsbildung der Bürger beigetragen haben dürfte.