Kurz nachdem AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel wütend das TV-Studio der ZDF-Wahlsendung "Wie geht's, Deutschland?" verlassen hat, gibt sie eine Stellungnahme ab. In dieser attackiert sie Moderatorin Marietta Slomka scharf. Das ZDF weist die Kritik Weidels zurück - Justizminister Heiko Maas wittert gar eine "peinliche Inszenierung" der AfD-Frau.

Alice Weidel, Spitzenkandidaten der AfD für die Bundestagswahl, hat nach dem Eklat am Dienstagabend in der ZDF-Wahlsendung "Wie geht's, Deutschland?", die sie aufgrund eines Streits vorzeitig verließ, eine Stellungnahme abgegeben.


In dieser attackiert sie Moderatorin Marietta Slomka scharf. Diese habe sich "als parteiisch und vollkommen unprofessionell geoutet", heißt es in einer am späten Dienstagabend verbreiteten Pressemitteilung, die Weidel auch auf Twitter postete.

Scharfe Attacke auf Marietta Slomka

Slomka habe "sich mit der frechen Intoleranz und der plumpen Argumentation von SPD und Grünen gemein gemacht. Das ist eines öffentlich-rechtlichen Senders nicht würdig."

Weidel fügte hinzu: "Frau Slomka sollte ihre persönlichen Animositäten nicht in den eigenen Sendungen ausleben. Ein weiterer Grund, die Zahlung des Rundfunkbeitrages zu verweigern."

ZDF weist Kritik von Alice Weidel zurück

Die scharfe Kritik Weidels an der ZDF-Moderatorin Marietta Slomka weist der Sender zurück.

"Marietta Slomka hat die Runde mit sieben Politiken und sechs Bürgern fair und gelassen moderiert", teilte ZDF-Chefredakteur Peter Frey mit. "Ich hoffe, dass bei künftigen Wahlformaten nicht Inszenierungen, sondern der politische Streit im Mittelpunkt steht."

Diese Meinung lässt AfD-Kandidatin nicht auf sich sitzen.


Medienwissenschaftler: Abgang war reine Wahlkampftaktik

Aus Sicht des Medienwissenschaftlers Jo Groebel war Weidels abrupter Abgang reine Wahlkampftaktik.

Der Eklat sei im Wahlkampf ein "naheliegendes Mittel, Aufmerksamkeit, Schlagzeilen, Emotionen und gegebenenfalls auch die Bestätigung von Opferrolle und 'Ausgrenzung' durch die 'Etablierten' zu bekommen", sagte Groebel der "Heilbronner Stimme".

"Das polarisiert und festigt die eigenen Reihen und Anhänger", analysierte der Experte.

Heiko Maas: "Peinliche Inszenierung"

Der ebenfalls als Gast der Talkshow eingeladene Justizminister Heiko Maas (SPD) wertet den Abgang Weidels als von Beginn an einkalkuliert. "Wir sollten uns hüten, auf diese geplante, peinliche Inszenierung hereinzufallen“, sagte Maas der "Bild"-Zeitung.

AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel bezieht im Exklusiv-Interview Stellung.


"Es ist ein billiger Trick von Rechtspopulisten, sich als Opfer darzustellen. In Wirklichkeit sind es geistigste Brandstifter. Demokraten debattieren, aber daran hat die AfD keinerlei Interesse. Sie spaltet, hetzt, radikalisiert und duldet Neonazis in den eigenen Reihen. Nicht alle Wähler der AfD sind Rechtsradikale, aber die Partei versucht offensichtlich, das Erbe der NPD anzutreten", so Maas.

Auch die Vorsitzende der Linken, Katja Kipping, spricht in der "Bild" von einer Inszenierung und ergänzt: "Frau Weidel und die AfD sind offenbar nicht dazu bereit am demokratischen Diskurs teilzunehmen. Alle anderen Parteien sprechen sie damit ab, ihre Meinung zu sagen und auch Kritik an der AfD zu üben."

Hitziges Wortgefecht zwischen Weidel und Scheuer

Konkreter Auslöser des Streits in der Wahlsendung war die Forderung von CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer an Weidel, sich vom Co-Spitzenkandidaten Alexander Gauland und dem Thüringer AfD-Landesvorsitzenden und Rechtsausleger Björn Höcke zu distanzieren.

Gauland habe Höcke als Seele der AfD bezeichnet, sagt Scheuer. "Für mich ist er einfach ein Rechtsradikaler."

Weidel verließ daraufhin wortlos ihren Platz am Stehpult der Gesprächsrunde mit insgesamt sieben Politikern - unter Beifall und Johlen des Publikums. "Gehen Sie jetzt?", fragte Moderatorin Slomka und erntete ein Nicken.


Die Erregungskurve war allerdings bereits in der unmittelbar vorausgehenden Diskussion zur Flüchtlingspolitik stark gestiegen. Scheuer hatte gesagt: "Es ist für mich gelingende Integration, wenn Sprache und Eigen-Engagement passen."

Weidel hielt ihm darauf hin vor: "Also soll illegale Einwanderung legalisiert werden." Scheuer reagierte mit dem Konter auf Gauland und Höcke. Weidel ist allerdings seit langem für einen Parteiausschluss Höckes.

Weitere Gäste der Sendung waren Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Justizminister Heiko Maas (SPD), Linken-Chefin Katja Kipping, FDP-Vize Katja Suding (FDP) und der Grünen-Politiker Jürgen Trittin. (dpa/tfr/ank/szu)