Am 24. September wählt Deutschland bei der Bundestagswahl den Bundestag der kommenden Legislaturperiode. Welche Rolle die Landeslisten und Kanzlerkandidaten dabei spielen, erfahren Sie in unserer Übersicht.

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Normalerweise wählen die Deutschen alle vier Jahre den Bundestag. Sie entscheiden bei der Bundestagswahl in Deutschland darüber, welche Parteien in welcher Stärke im Parlament vertreten sind.

Den Bundeskanzler wählen sie hingegen nicht, auch wenn sich im Bundestagswahlkampf vieles um die Kanzlerkandidaten dreht. Ihn zu wählen, ist Aufgabe der Bundestagsabgeordneten.

Wie funktioniert die Briefwahl und wie kann ich meine Unterlagen beantragen? Hier finden Sie alle Informationen zum Antrag, dem Wahltag und ihrer Briefwahlunterlage für die Bundestagswahl am 24. September.

Wer kandidiert überhaupt bei der Bundestagswahl?

Die Parteien bestimmen, welche Kandidaten sie für die Bundestagswahl aufstellen. Entscheidend sind dabei ihre Landeslisten. Die Zusammensetzung der Landeslisten und die Reihenfolge der vertretenen Kandidaten bestimmen die jeweiligen Landesverbände der Parteien.

Entsprechend der erhaltenen Zweitstimmen ziehen die Mitglieder der Landesliste in den Bundestag ein. Wer weiter vorne platziert ist, hat entsprechend bessere Chancen, einen der 598 Plätze im Bundestag zu bekommen.


Erfahren Sie hier, wie die Fünf-Prozent-Hürde funktioniert.

Das Wahlsystem in Deutschland bedingt, dass nach der Wahl mehr als 598 Abgeordnete im Bundestag sitzen. Bei den zusätzlichen Bundestagsmitgliedern handelt es sich um die sogenannten Überhangmandate.

Sie kommen zustande, wenn eine Partei über die Erststimme mehr Direktmandate in einzelnen Wahlkreisen gewonnen hat, als ihr durch die Zweitstimme eigentlich zustehen.

Die Rolle der Kanzlerkandidaten bei Bundestagswahlen

Am meisten Aufmerksamkeit im Vorfeld der Wahlen zum Bundestag erhalten die Kanzlerkandidaten der beiden größten Parteien CDU/CSU und SPD.

Kanzlerkandidat zu sein bedeutet zunächst nur, dass die gewählten Bundestagsabgeordneten einer Partei diesen Bundestagskandidaten zum Bundeskanzler wählen – gesetzt den Fall, sie bekommen eine Mehrheit im Parlament.

Auf den Stimmzetteln zur Bundestagswahl vieler Wähler tauchen die Namen der Kanzlerkandidaten gar nicht auf. Denn auch diese bekommen wie andere Kandidaten einen Platz auf einer Landesliste.

Das heißt, dass ein hessischer Wähler den Namen „Angela Merkel“ nicht auf seinem Stimmzettel lesen kann. Sie tritt seit 1990 im Rahmen der CDU-Landesliste für Mecklenburg-Vorpommern im Landkreis Nordvorpommern zur Bundestagswahl an.

Grundsätzlich kann jede Partei vor der Wahl einen eigenen Kanzlerkandidaten küren. In der Praxis ist dies aber wenig sinnvoll, weil außer CDU/CSU und SPD bisher keine andere Partei realistische Chancen auf den Wahlsieg besaß.

Deswegen schicken Parteien wie Bündnis 90/Die Grünen, FDP oder Die Linke in der Regel nur Spitzenkandidaten ins Rennen. Einzig die FDP schickte zur Bundestagswahl 2002 Guido Westerwelle als dritten Kandidaten neben Gerhard Schröder und Edmund Stoiber ins Rennen.


Nicht jeder deutsche Staatsbürger ist wahlberechtigt.

Was passiert nach der Bundestagswahl 2017?

Sobald das Wahlergebnis feststeht, beginnen die im Bundestag vertretenen Parteien mit der Suche nach möglichen Koalitionspartnern.

In der Geschichte der Bundesrepublik haben bisher nur die Unionsparteien (CDU/CSU) im Jahr 1957 aus eigener Kraft die absolute Mehrheit erreicht. Diese ist notwendig, um eine Regierung zu bilden.

Auch für die Bundestagswahl 2017 ist davon auszugehen, dass keine Partei die absolute Mehrheit der Stimmen erhalten wird.

Koalitionsverhandlungen können unterschiedlich lange dauern, je nachdem, wie schnell sich die Parteien einig werden. Das Grundgesetz schreibt nur vor, dass spätestens 30 Tage nach der Wahl die erste Sitzung des neuen Bundestags stattfinden muss.

Die Wahl des Bundeskanzlers muss zu diesem Zeitpunkt noch nicht stattgefunden haben.

Ein Abgeordneter im Bundestag hat ein freies Mandat erhalten. Das heißt, er ist nicht dazu verpflichtet, wie die Mehrheit seiner Parteikollegen zu stimmen.

So können beispielsweise CDU-Abgeordnete gegen ihren eigenen Kandidaten stimmen und einen SPD-Kanzler wählen, wenngleich dies in der Praxis als sehr unwahrscheinlich gilt.

Warum wählen wir? Die Aufgaben des Bundestags

  • Sobald sich die Koalitionspartner geeinigt haben, wählt der Bundestag einen neuen Bundeskanzler. Die Minister der Regierung werden vom Kanzler ernannt, sie müssen nicht zwangsläufig Mitglieder des Bundestags sein.
  • Die Abgeordneten beraten über Bundesgesetze und verabschieden diese. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit findet in themenspezifischen Bundestagsausschüssen statt.
  • Der Bundestag ist das wichtigste Debatten- und Diskussionsforum der Bundesrepublik. In Fragestunden, aktuellen Stunden und Aussprachen tritt er zu Debatten zusammen.
  • Der Bundestag im Allgemeinen und die Parlamentsopposition im Besonderen kontrollieren die Arbeit der Regierung. Dafür stehen ihr verschiedene Mittel zur Verfügung: Die Abgeordneten können einen Untersuchungseinschuss einsetzen, schriftliche Anfragen an die Regierung stellen und in den Ausschüssen die Arbeit an Gesetzen überprüfen. Zudem darf die Regierung nur dann Steuergelder ausgeben, wenn der Bundestag dem Bundeshaushalt zugestimmt hat.

Wie oft finden Bundestagswahlen statt?

Das Grundgesetz sieht vor, dass die Wahl zum Bundestag alle vier Jahre stattfindet.

Seine Verfasser gingen davon aus, dass diese Zeitspanne ausreicht, damit sich eine Regierung einarbeiten, Gesetze auf den Weg bringen und sich auf die nächste Wahl vorbereiten kann.

Liegen bestimmte Umstände vor, kann es allerdings passieren, dass die vierjährige Legislaturperiode vorzeitig endet.

  • Die Mitglieder eines neuen Bundestags wählen auch im dritten Wahlgang nicht mit absoluter Mehrheit einen Bundeskanzler. Das kann beispielsweise passieren, wenn in einer Koalition aus mehreren Parteien zu viele Abgeordnete gegen den Koalitionskandidaten stimmen oder keine Koalition zustande kommt. In solchen Situationen ernennt der Bundespräsident entweder den Kandidaten mit der relativen Mehrheit zum Kanzler oder er setzt Neuwahlen an.
  • Der Bundeskanzler kann dem Parlament die sogenannte Vertrauensfrage stellen. Stimmt dann die Mehrheit der Bundestagsabgeordneten gegen den Kanzler, kann der Bundespräsident auf Vorschlag des Kanzlers den Bundestag auflösen. Dann kommt es jedoch nicht zwangsläufig zur Neuwahl des Bundestages. Denn der Bundestag hat das Recht, unmittelbar danach einen neuen Kanzler zu wählen.

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