Die Union bleibt zwar stärkste Partei, klarer Sieger der EU-Wahlen in Deutschland sind aber die Grünen. Woher bekamen sie ihre Stimmen? Wer ist von wo nach wo abgewandert? Eine Übersicht.

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Offene Münder, wohin man blickte. Die Grünen konnten den Erfolg selbst kaum glauben. 20,5 Prozent der Wähler machten ihr Kreuz bei der Partei der Spitzenkandidaten Ska Keller und Sven Giegold. Damit haben die Grünen ihr Wahlergebnis von 2014 fast verdoppelt.

Doch woher kamen die ganzen Stimmen? Laut einer Analyse der Wählerwanderungen von Infratest dimap in der ARD haben vor allem junge Wähler der Ökopartei ihre Stimmen gegeben. Hintergrund sei, dass die jungen Leute der Partei in Sachen Klima- und Umweltschutz am meisten zutrauten.

Unter den 18- bis 24-Jährigen hätten 34 Prozent die Grünen gewählt. Bei den 25- bis 34-Jährigen votierten 27 Prozent für die Grünen, hieß es in der ARD.

Millionen wechseln von CDU und SPD zu den Grünen

Das allein erklärt noch nicht den Erfolg. Den Grünen ist es darüber hinaus gelungen, jeweils mehr als eine Million Wähler von den ehemaligen Volksparteien abzuwerben. Laut Infratest dimap luchsten die Grünen im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 der SPD 1,29 Millionen und der CDU 1,11 Millionen Wähler ab.

Auch von den "kleineren" Konkurrenten warben die Grünen erfolgreich Stimmen ab: rund 600.000 von der Linken, eine halbe Million von der FDP. Die AfD verlor 70.000 Wähler an die Grünen.

Dazu kommen noch 100.000 "Nichtwähler", also Menschen, die 2017 gar keine Stimme abgegeben haben. Im Gegenzug wandten sich 240.000 Grünen-Wähler von 2017 bei der EU-Wahl anderen Parteien zu.

CDU verliert 2,4 Millionen an Gruppe der Nichtwähler

Die Union schmierte bei der EU-Wahl über 6 Prozentpunkte ab gegenüber 2014. Neben den bereits erwähnten über eine Million zu den Grünen abgewanderten Stimmen verlor die CDU über 2,4 Millionen an die Nichtwähler. 230.000 Bürger machten ihr Kreuz lieber bei der AfD als bei der CDU und knapp 600.000 Wähler wandten sich den anderen Parteien zu. Zugewinne gab es nur aus dem FDP-Lager: 210.000 wechselten von den Liberalen zur CDU.

Linke: 20.000 Stimmen von ehemals Union-Wählern

Der große Wahlverlierer SPD - 15,8 Prozent bedeuten das schlechteste EU-Abschneiden in der Geschichte der Genossen - gab Stimmen im großen Stil wie erwähnt vor allem an die Grünen ab.

Gut zwei Millionen SPD-Unterstützer von 2017 entschieden sich dieses Mal, lieber gar nicht zu wählen. 360.000 wanderten zu den anderen Parteien ab, immerhin kamen 100.000 Stimmen von der Linken.

Die Linke schrumpfte um knapp zwei Punkte auf noch 5,5 Prozent, auch weil sich knapp eine Million Bürger entschied, lieber nicht als links zu wählen. 570.000 wanderten zu den anderen Parteien, immerhin 20.000 Stimmen konnte die Linke der Union abluchsen.

AfD luchst der Union Stimmen ab

11 Prozent war zwar nicht das erhoffte Ergebnis für die AfD, trotzdem verdoppelten die Rechtspopulisten fast ihren Anteil gegenüber 2014. Dabei konnte die Partei vor allem Wähler von Union (230.000), FDP (110.000), Linke (70.000) und SPD (20.000) für sich gewinnen. Knapp zwei Millionen Stimmen gingen allerdings an die Nichtwähler verloren.

Die FDP konnte ihr Wahlergebnis steigern, von 3,4 auf 5,4 Prozent. Neben den Grünen wandten sich Bürger, die 2017 bei der Bundestagswahl ihr Kreuz bei den Liberalen gemacht hatten, vor allem den Nichtwählern (1,6 Millionen), der Union (210.000), der AfD (110.000) sowie den anderen Parteien (420.000) zu.

Verwendete Quellen:

  • Internetangebot der Tagesschau: "Wählerwanderungen"
  • Webseite des "Spiegel": "Grüne holen Millionen Stimmen von SPD und Union"
  • Agenturmaterial der dpa
Teaserbild: © imago images / Mike Schmidt