Politisches Beben in Bayern: Die CSU hat bei der Landtagswahl am Sonntag die absolute Mehrheit verloren. Statt derzeit vier werden künftig fünf oder sechs Parteien dem bayerischen Parlament angehören.

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Das Wichtigste im Überblick

  • Laut aktueller Hochrechnung verliert die CSU die absolute Mehrheit. Die Grünen fahren ein Rekordergebnis ein. Das SPD-Ergebnis ist einstellig, Freie Wähler und AfD schlagen sie.

22.30 Uhr: Fünf Lehren aus dem Bayern-Beben

Wie hat die Bundespolitik die Landtagswahl in Bayern beeinflusst und was bedeutet ihr Ergebnis für die Parteien, im Freistaat wie im Bund? Das hat unser Autor Christian Bartlau den Politikwissenschaftler Sebastian Jäckle von der Universität Freiburg

gefragt. Die Analyse lesen Sie hier. Damit schließen wir den Ticker.

22.12 Uhr: Söder holt Direktmandat

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat erneut das Direktmandat in seinem Stimmkreis gewonnen. Nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis gaben am Sonntag 38,1 Prozent der Wähler in Nürnberg-Ost ihre Erststimme für Söder ab. Bei der Landtagswahl 2013 war Söder noch im Stimmkreis Nürnberg-West angetreten. Damals hatte er 43,2 Prozent der Erststimmen auf sich vereint.

22.00 Uhr: Riexinger sieht Ergebnis der Linken positiv

Obwohl die Linke es laut Hochrechnungen nicht ins Parlament schafft, sieht Bundespartei-Chef Bernd Riexinger das Ergebnis positiv. "Wir haben ein Plus von 1,4 Prozent, wir sind eine der wenigen Parteien, wo die Balken nach oben weisen", sagte er in der ARD. Die Linke sei in Bayern eine junge, wachsende Partei, "aber eben in der ganzen Fläche noch nicht überall präsent". Laut Hochrechnungen kam die Linke am Sonntag auf 3,2 bis 3,3 Prozent. Bei der vorherigen Landtagswahl 2013 hatte sie nur 2,1 Prozent erreicht.

21.39 Uhr: Mehrheit der AfD-Wähler sind Protestwähler

Wie der Politik- und Kommunikationsberater Johannes Hillje auf Twitter schreibt, ist nur rund ein Drittel der Menschen, die ihre Stimme der AfD gegeben haben, auch wirklich von deren politischen Programm überzeugt. Die Mehrheit der AfD-Wähler hat die Rechtspopulisten aus Protest gegen andere Parteien gewählt.

21.21 Uhr: "Warnschuss an GroKo"

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hat das Wahlergebnis in Bayern einen "Warnschuss an die GroKo in Berlin" genannt. Die Regierung müsse "die Schaukämpfe auf offener Bühne endlich einstellen und zu einer überzeugenden Sacharbeit zurückfinden".

20.58 Uhr: AKK fordert Konzentration auf Hessen

Nach dem schlechten Abschneiden der Schwesterpartei CSU bei der bayerischen Landtagswahl will die CDU nun alles auf Hessen konzentrieren. Man wolle in den nächsten beiden Wochen die ganze Energie in die Unterstützung der Parteifreunde in dem Bundesland legen, sagte CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer in der ARD-Sendung "Berliner Runde". In Hessen wird am 28. Oktober gewählt.

20.29 Uhr: Erwin Huber legt Seehofer Rücktritt nahe

Ex-CSU-Chef Erwin Huber hat Horst Seehofer indirekt nahegelegt, das Amt als Parteivorsitzender abzugeben. Er selbst habe nach der Landtagswahl 2008 die Verantwortung übernommen und sei zurückgetreten, sagte Huber in München. "Und das hat zum Erfolg geführt." Die Aussagen Seehofers nach den herben Verlusten der CSU bezeichnete Huber als "zu beschönigend".

20.13 Uhr: CSU legt in neuer Hochrechnung leicht zu - Groko möglich

Die CSU schneidet nach neuen Hochrechnungen etwas besser ab, als zunächst gedacht. Demnach kommt die Partei von Ministerpräsident Markus Söder auf 37,3 bis 37,4 Prozent. Zunächst hatten ARD und ZDF ihr am Sonntagabend 35,3 bis 35,4 Prozent vorhergesagt. Demnach hätte auch eine schwarz-rote Koalition eine Mehrheit im Landtag.

20.05 Uhr: Baerbock sorgt mit Versprecher für Lacher

Grünen-Parteichefin Annalena Baerbock hat bei ihrem Auftritt in der Bundeszentrale der Grünen für einen Lacher gesorgt. Sie gratulierte den bayerischen Spitzenkandidaten "Katharina Schulze und Ludwig Erhard" zum Wahlerfolg - bemerkte aber gleich, dass sie versehentlich den CDU-Politiker und "Vater des Wirtschaftswunders" erwischt hatte. "Katha Schulze und Ludwig Hartmann" rief sie in den Applaus und das Gelächter hinein.

19.42 Uhr: Seehofer denkt nicht an Rücktritt

CSU-Chef und Bundesinnenminister Horst Seehofer will trotz der schweren Niederlage seiner Partei bei der Landtagswahl in Bayern in allen Ämtern bleiben. "Ich werde natürlich meine Verantwortung weiterhin wahrnehmen", antwortete er am Sonntagabend auf die Frage, was das Wahlergebnis für ihn persönlich bedeute. Gleichzeit ahnt Seehofer offenbar, dass eine Diskussion um seine Person nicht ausbleiben wird. "Natürlich habe ich als Parteivorsitzender auch Mitverantwortung für dieses Wahlergebnis."

19.26 Uhr: Lindner hofft auf Regierungsbeteiligung der FDP

Noch ist nicht klar, ob der FDP überhaupt der Einzug in den Landtag gelingt - doch Parteichef Christian Lindner spricht schon von einer Regierungsbeteiligung. Er "fiebere mit München" sagte er, und betonte, dass die bayerische FDP für eine "Koalition der bürgerlichen Mitte zur Verfügung steht". Gemeint ist ein Bündnis von CSU, FW und FDP.

19.20 Uhr: Weidel fordert Neuwahlen im Bund

Die AfD-Fraktionschefin im Bundestag, Alice Weidel, hat das Ergebnis der Bayernwahl mit der Bundespolitik verknüpft. Wer in Bayern AfD gewählt habe, sage auch: "Merkel muss weg." Rund 33 Prozent für die CSU und für die SPD rund zehn Prozent, das sei keine große Koalition in Berlin mehr. Daher sollten die Koalitionsparteien im Bund den Weg frei machen für Neuwahlen.

19.04 Uhr: Grüne in München stärkste Kraft

Wie die Grüne Jugend München auf Twitter schreibt, ist die Ökopartei in der Landeshauptstadt stärkste Kraft geworden.

18.56 Uhr: Unionsstreit maßgeblich für CSU-Debakel verantwortlich

Die Schlappe der CSU führen Wahlforscher maßgeblich auf den Streit innerhalb der Union zurück. 81 Prozent der Wähler seien der Meinung, der Konflikt der letzten Monate vor allem um die Asylpolitik habe der Partei von Ministerpräsident Markus Söder geschadet, geht aus einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen vom Sonntag hervor. Die Daten basieren auf Befragungen von zufällig ausgewählten Wahlberechtigten in Bayern.

18.39 Uhr: Kohnen sieht "harten Weg" für SPD

Die Spitzenkandidatin der SPD, Natascha Kohnen sagte bei ihrem Statement im Landtag, vor ihrer Partei liege "ein langer, harter Weg". Diesen gelte es zu gehen, um den Menschen die in den vergangenen Jahren gewachsene "Skepsis gegenüber Sozialdemokratie" wieder zu nehmen. "Das geht nur mit ganz klarer Haltung zu unseren Werten."

18.32 Uhr: SPD laut erster Hochrechnung nur einstellig

Laut der ersten Hochrechnung von ARD und ZDF hat die SPD im vergleich zur Landtagswahl 2013 deutlich verloren und liegt bei 9,6 bis 9,9 Prozent. Entsprechend lang sind die Gesichter der Anhänger, die zur Wahlparty gekommen sind.

18.27 Uhr: Freie Wähler fordern CSU zu Koalitionsverhandlungen auf

Der Spitzenkandidat der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, hat die CSU zu Koalitionsverhandlungen mit seiner Partei aufgerufen. "Die sollen sich bei uns melden."

18.24 Uhr: Söder nennt Ergebnis "nicht gut"

Ministerpräsident Markus Söder hat eingestanden, dass der Wahltag für die CSU "kein gutes Ergebnis" gebracht hat. Er nehme das Ergebnis mit Demut an, so Söder. Gleichzeitig betonte er: "Die CSU ist nicht nur stärkste Partei, sondern hat auch einen klaren Regierungsauftrag erhalten."

18.21 Uhr: Claudia Roth hochzufrieden

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete und langjährige Parteivorsitzende Claudia Roth hat sich zufrieden über den Ausgang der Wahl in Bayern gezeigt. Man habe alle drei Wahlziele erreicht: ein zweistellige Ergebnis zu erlangen, zweitstärkste Kraft zu werden und die absolute Mehrheit der CSU zu verhindern, sagte Roth am Sonntagabend nach der Prognose in der ARD. Die Bayern hätten für einen Politikwechsel gestimmt.

18.15 Uhr: Hohe Wahlbeteiligung

Laut erster Prognose lag die Wahlbeteiligung bei 72,5 Prozent. Vor fünf Jahren waren es nur 63,6 Prozent. Das schöne Wetter dürfte seinen Teil dazu beigetragen haben.

18.00 Uhr: Erste Prognose - CSU verliert absolute Mehrheit

Die CSU hat nach Prognosen von ARD und ZDF die absolute Mehrheit verloren. Die Partei von Ministerpräsident Markus Söder bleibt trotz großer Verluste stärkste Kraft, auch die SPD muss schwere Einbußen hinnehmen. Die Grünen kommen mit einem historisch starken Ergebnis auf Platz zwei, die Freien Wähler auf Rang drei. Die AfD schafft klar den Sprung in den Landtag. Für die Linke reicht es wohl nicht. Die FDP muss zittern.

17.31 Uhr: Letzte halbe Stunde angebrochen

Wer seine Stimme bis jetzt nicht abgegeben hat, muss sich sputen. Es bleibt weniger als eine halbe Stunde, bis die Wahllokale schließen. Für die Wahlentscheidung auf den letzten Drücker: Hier der Wahl-O-Mat zur Bayernwahl.

17.26 Uhr: Das erste Mal

Unter den rund 9,5 Millionen Bürgern, die zur Landtagswahl in Bayern aufgerufen sind, sind rund 600.000 Erstwähler. Auch für diese Twitter-Nutzerin war es das erste Mal - und sie weiß die Möglichkeit mitzubestimmen sehr zu schätzen:

17.08 Uhr: Die etwas andere Prognose

Mit der Ankündigung eines 700 Millionen schweren Raumfahrtprogramms hat die CSU im Wahlkampf für Aufsehen gesorgt. Das Logo von "Bavaria One" mit dem Konterfei Markus Söders kam jedoch bei vielen nicht gut an. Unser Karikaturist hat daraus folgende Prognose abgeleitet:

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Karikaturen

Nachrichten aus der Politik sind langweilig und dröge? Unsere aktuellen Karikaturen beweisen das Gegenteil - jeden Tag aufs Neue.

16.41 Uhr: Vorbereitungen im Landtag

Kurz nach 18 Uhr treten im Landtag die Spitzenkandidaten aller großen Parteien vor die Presse. Viele Journalisten sind längst da, wie der Landtagskorrespondent des Müncher Merkur via Twitter zeigt:

16.33 Uhr: Panne in Augsburg

Wie die Augsburger Allgemeine berichtet, sind im Wahllokal in der Rudolf-Steiner-Schule am Mittag die Stimmzettel ausgegangen. Vorübergehend konnten die Anwesenden nicht wählen. Dann kam Nachschub.

16.30 Uhr: Die Ausgangslage der Parteien

CSU: Allen Umfragen zufolge müssen die Christsozialen mit einem Absturz rechnen: Die 47,7 Prozent von vor fünf Jahren sind außer Reichweite. Fraglich ist nur noch, ob es nach den historisch schlechten 38,8 Prozent bei der Bundestagswahl im Herbst 2017 weiter abwärts geht - und wie weit. In jedem Fall dürfte die CSU zum zweiten Mal nach 2008 ihre absolute Mehrheit verlieren.

GRÜNE: Die Grünen stehen vor einem historischen Erfolg in Bayern: Noch nie zuvor haben sie bei einer Landtagswahl im Freistaat ein zweistelliges Ergebnis erzielt. Am Sonntag könnten sie nicht nur das schaffen, sondern sogar zweitstärkste Kraft hinter der CSU werden.

SPD: Die SPD ist in Bayern traditionell leidgeprüft. Sie muss sich nun aber auf das schlechteste Landtagswahlergebnis seit dem Zweiten Weltkrieg einstellen. In Umfragen lag die SPD zuletzt nur bei 10 bis 13 Prozent. Spitzenkandidatin Natascha Kohnen, erst seit Mai 2017 Landeschefin, muss möglicherweise um ihren Job bangen.

FREIE WÄHLER: Die Freien Wähler hoffen am Sonntag nicht nur auf ein zweistelliges Ergebnis, sondern wollen künftig erstmals auf der Regierungsbank sitzen. Und zwar am liebsten nur zusammen mit der CSU, notfalls, wenn das nicht reicht, in einem Dreierbündnis mit CSU und FDP.

AFD: Die AfD kann fest mit einem Einzug in den Landtag rechnen - die Frage ist eigentlich nur noch, mit wie vielen Abgeordneten. Umfragen sehen die Rechtspopulisten seit Anfang 2017 im zweistelligen Bereich, zuletzt waren es zwischen 10 und 14 Prozent.

FDP: Für die FDP waren die vergangenen Jahrzehnte ein Wechselspiel: Mal schaffte sie den Einzug in den Landtag, mal nicht. Auch diesmal dürfte es wieder knapp werden: Umfragen sehen die Partei bei 5 bis 6 Prozent.

LINKE: Die Linke war noch nie im bayerischen Landtag. Auch heute heißt es wieder Hoffen und Zittern: In einer Umfrage im September lag die Linke tatsächlich bei 5 Prozent, sonst meist knapp darunter.

Mit Material der dpa