Die Wahltagsbefragung macht deutlich, welche Bevölkerungsgruppen welche Partei favorisiert haben. Wer brachte Sebastian Kurz den Sieg?

Frauen wählen traditionell eher links, Männer eher rechts, höher Gebildete eher SPÖ und Grüne, Menschen mit Pflichtschulabschluss eher FPÖ: Die grundsätzlichen Tendenzen sind bekannt.

Gerade beim Erfolg der ÖVP bei der Nationalratswahl lohnt sich jedoch ein genauer Blick auf die Ergebnisse: Eine Wahltagsbefragung des Sora-Instituts für den ORF (Download als PDF) zeigt, dass die ÖVP quer durch alle Bevölkerungsschichten gut abgeschnitten hat.

Wahlergebnisse nach Geschlecht

Bei Männern schnitt von den drei größten Parteien die SPÖ am schlechtesten ab: 25 Prozent machten ihr Kreuzerl bei den Roten. 29 Prozent wählten die FPÖ, während sich die Mehrheit - 33 Prozent - für die ÖVP entschied.

Auch bei den Frauen liegt Sebastian Kurz' ÖVP auf Platz eins - mit 30 Prozent. Das ist das beste Ergebnis der Schwarzen bei der weiblichen Bevölkerung seit 2006. Dahinter folgt mit 29 Prozent die SPÖ. Die FPÖ haben nur 22 Prozent der Frauen gewählt.

(Anmerkung: Der Rest auf 100 Prozent verteilt sich jeweils auf die restlichen Parteien)

Wahlergebnisse nach Altersgruppe

Vergleichsweise am miesesten schnitt die SPÖ bei der Altersgruppe der bis 29-Jährigen ab: Nur 17 Prozent stimmten für die Sozialdemokraten. 28 Prozent gaben ihre Stimme der ÖVP. Wahlsieger bei den Jungen war allerdings die FPÖ mit 30 Prozent.

In der Altersgrupe der 30- bis 59-Jährigen tauschen ÖVP (31 Prozent) und FPÖ (28 Prozent) Plätze. Die SPÖ bleibt auf Rang drei mit 27 Prozent.

Bei den Wählern ab 60 Jahren fährt die SPÖ ihr bestes Ergebnis ein: Platz zwei mit 34 Prozent der Stimmen. Die ÖVP belegt auch hier Platz eins mit dem höchsten Wert aller Altersgruppen: 36 Prozent. Die FPÖ bekommt 19 Prozent.

Wahlergebnisse nach höchstem Abschluss

Sieht man sich das Wahlverhalten auf Basis der formalen Bildung an, schnitt die ÖVP bei den Pflichtschulabsolventen von den drei großen Parteien am schlechtesten ab (25 Prozent). SPÖ und FPÖ liegen gleichauf mit 33 Prozent.

Wer eine Lehre absolviert hat, stimmte mehrheitlich für die FPÖ (37 Prozent). 28 Prozent gaben ihre Stimme der ÖVP, 25 Prozent der SPÖ.

Österreicherinnen und Österreicher mit einem mittleren Schulabschluss favorisierten haushoch die ÖVP: 42 Prozent der Befragten machten hier ihr Kreuzerl. SPÖ und FPÖ liegen gleichauf mit 21 Prozent.

Noch besser schnitt Kurz bei Maturanten ab: 42 Prozent gaben ihm ihre Stimme. Zweitstärkste Kraft ist hier die SPÖ mit 25 Prozent, dahinter die FPÖ mit 10 Prozent. Die Liste Pilz wählten 8 Prozent der Maturanten, ebenso wie die NEOS.

(Anmerkung: Grüne, NEOS und die Liste Pilz wurden von Sora in der Analyse ausgeklammert, wenn die Schwankungsbreite den angegebenen Stimmenanteil in der Untergruppe überschritt.)

Die FPÖ schnitt am schlechtesten bei Menschen mit Universitätsabschluss ab: In dieser Bevölkerungsgruppe kam sie auf 7 Prozent, die Liste Pilz und NEOS auf je 9 Prozent, die Grünen auf 10 Prozent. An der Spitze liegt die ÖVP mit 32 Prozent knapp vor der SPÖ mit 31 Prozent.

Wahlergebnisse nach Erwerbsstatus

Die FPÖ hat die SPÖ als Arbeiterpartei völlig abgelöst: In dieser Bevölkerungsgruppe stimmten 59 Prozent für die Freiheitlichen - der höchste Wert in der gesamten Auswertung. 19 Prozent wählten die SPÖ, 15 Prozent die ÖVP.

Bei Angestellten belegt hingegen wieder die ÖVP Platz eins (31 Prozent). Dahinter liegen FPÖ und SPÖ gleichauf mit 26 Prozent.

Öffentlich Bedienstete und Wähler, die bereits in Pension sind, stimmten sehr ähnlich: Die SPÖ landete in beiden Gruppen ganz vorn mit 41 und 39 Prozent. Dahinter die ÖVP mit 27 und 33 Prozent. Abgeschlagen auf Platz drei liegt die FPÖ mit 12 Prozent bei Angestellten im öffentlichen Dienst und 16 Prozent bei Pensionisten.

Selbständige wählten am häufigsten ÖVP (41 Prozent). 23 Prozent entschieden sich für die FPÖ, 14 Prozent für die SPÖ. (ank)

Zur Methode:
Durchgeführt wurde die Wahltagsbefragung von Sora/ISA im Auftrag des ORF. Sie erfolgte telefonisch unmittelbar vor der Wahl im Zeitraum von Mittwochnachmittag bis Sonntagmittag.
Die Zufallsstichprobe (1.219 Menschen) wurde vorab nach Gemeindegröße geschichtet sowie soziodemokratisch gewichtet. Die endgültige Gewichtung erfolgte mit der Hochrechnung am Wahltag, um das Ergebnis so genau wie möglich abzubilden.
Die Schwankungsbreite der Ergebnisse liegt bei +/- 2,8 Punkten, bei der Auswertung von Untergruppen wird sie jedoch höher - bei 150 Personen z.B. bei maximal acht Prozentpunkten. Gewichtet wurden die Daten nach Geschlecht, Alter, Bildung und Erwerb.