Wahlsieger Sebastian Kurz will mit der FPÖ verhandeln: Der ÖVP-Chef lädt Heinz-Christian Strache zu Gesprächen ein. Bei der SPÖ habe er "relativ wenig Interesse an einer türkis-roten Zusammenarbeit" geortet.

Sebastian Kurz hat sich entschieden: Er lädt die FPÖ zu Koalitionsverhandlungen ein. Er hoffe, dass Parteichef Heinz-Christian Strache die Einladung annehme, sagte der ÖVP-Chef auf einer Pressekonferenz. Die Gespräche sollen zügig starten - "im Idealfall" schon am Mittwoch.

Ziel sei es, bis Weihnachten "eine stabile Regierung" zu bilden, betonte Kurz. "Ich glaube, dass sich Österreich eine rasche und schnelle Regierungsbildung verdient hat."

Zwar gebe es zwischen der Volkspartei und der FPÖ inhaltlich einiges, das verbinde, "aber auch einiges, das trennt". In den Sondierungsgespächen mit FPÖ-Chef Strache habe er jedoch einen "großen Gestaltungswillen" ausgemacht - und den Wunsch, Österreich gemeinsam zu verändern.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen sei selbstverständlich über den Schritt informiert, betonte Kurz. Er werde auch weiter in engem Kontakt mit dem Staatsoberhaupt stehen.

Kurz nennt Voraussetzungen für eine Regierung

Kurz stellte zudem drei Grundvoraussetzungen vor, "damit eine österreichische Regierung erfolgreich sein kann": Zunächst brauche es einen "neuen Stil, einen anderen Umgang miteinander". Die Regierung müsse an einem Strang ziehen, sagte der 31-Jährige. Er hoffe, dass sich auch im Parlament ein respektvoller Umgang etablieren werde.

Zum Zweiten brauche eine Bundesregierung "den Willen und die Kraft, Veränderungen einzuleiten" und Strukturen aufzubrechen - etwa, um eine Steuersenkung zu ermöglichen.

Als dritten Punkt machte Kurz eine "klar pro-europäische Ausrichtung" aus. Österreich könne nur stark sein, wenn es nicht nur Mitglied der EU sei, sondern aktiv daran mitarbeite, die Union voranzubringen - insbesondere im Hinblick auf Österreichs Ratsvorsitz im zweiten Halbjahr 2018.

Noch keine inhaltlichen oder personellen Details

Welche Themen mit der FPÖ zu besprechen sein werden und wer welches Amt bekleiden soll, darüber schwieg sich der ÖVP-Chef aus. Auch ob die FPÖ-Bedingung für eine Regierungsbeteiligung - das Innenministerium - erfüllt wird, ist noch offen.

Bundespräsident Van der Bellen hatte zuletzt laut "Standard" in kleinem Kreis geäußert, er habe große Vorbehalte gegen einen Innenminister aus den Reihen der FPÖ. Auch das Außenministerium wolle er nicht den Blauen überlassen.

Kurz ortet bei SPÖ "kein Interesse"

Auch die Gespräche mit SPÖ-Chef Christian Kern seien konstruktiv und gut verlaufen, sagte Kurz. Zunächst habe man versucht auszuräumen, "was im Wahlkampf vorgefallen ist" - das habe man auch zustande gebracht: "Für mich ist das hiermit auch erledigt."

Er habe mit Kern auch über die Zukunft gesprochen - und dabei den Eindruck gewonnen, "dass es bei der SPÖ ein Interesse an einer rot-blauen Zusammenarbeit gäbe, aber relativ wenig Interesse an einer türkis-roten Zusammenarbeit" mit einem Vizekanzler Kern. (ank)