Das FBI sieht auch nach der Analyse von neu aufgetauchten E-Mails der US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton keinen Grund für eine Anklage gegen die Demokratin. Clintons republikanischer Rivale Donald Trump reagiert mit wütenden Gegenangriffen und wittert eine Verschwörung.

Noch im Sommer hatte das FBI das Verhalten von Hillary Clinton in der Affäre um die Nutzung eines privates Servers für dienstliche Aufgaben zwar kritisiert, sich jedoch gegen eine Anklage ausgesprochen.

Hillary Clinton wegen E-Mail-Affäre im Fokus

Elf Tage vor der Präsidentschaftswahl in den USA hatte FBI-Chef James Comey für Aufregung gesorgt, als er den Fund und geplante neue Ermittlungen in einem Brief an Kongressmitglieder publik gemacht hatte.

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Es ging dabei um E-Mails von Clintons Beraterin Huma Abedin, die auf dem Computer des Ex-Abgeordneten Anthony Weiner entdeckt wurden. Gegen Weiner wird wegen des Versendens sexuell anstößiger SMS an eine Minderjährige ermittelt.

Er ist Abedins Ehemann, sie hat sich nach mehreren Skandalen allerdings inzwischen von ihm getrennt.

Ob die neuen Enthüllungen direkt mit Clinton in Verbindung gebracht werden konnten, war zunächst nicht klar. Allerdings hatten sie sich unmittelbar in Umfragen negativ auf Clintons Gunst bei Wählern ausgewirkt. Dass das FBI die Demokratin nun erneut entlastet und keine Hinweise auf ein kriminelles Verhalten erkennt, bringt Clintons Rivale Donald Trump auf die Palme.

Während einer Wahlkampfveranstaltung in Minnesota deutete Trump eine Verschwörung gegen seine Kandidatur zugunsten Clintons an: "Das System ist manipuliert, sie wird protegiert." Clinton solle sich nicht in Sicherheit vor der Strafverfolgung wähnen, so Trump. Gegen sie werde noch "lange Zeit ermittelt werden, wegen ihrer vielen Verbrechen gegen unsere Nation, unser Volk und unsere Demokratie".

Donald Trump: "Hillary Clinton ist schuldig"

Wenig später sprach Trump vor Anhängern im Bundesstaat Michigan und legte dabei gegen Clinton nach: "Hillary Clinton ist schuldig. Sie weiß es. Das FBI weiß es. Die Bevölkerung weiß es."

Kallyanne Conway, die für Trump den Wahlkampf organisiert, erklärte gegenüber dem TV-Sender Fox News, das FBI würde Clinton schützen. Für die Demokratin würden andere Maßstäbe gelten als "für uns, die kleinen Leute".

Aus dem engen republikanischen Unterstützer-Kreis Trumps hagelte es ebenfalls scharfe Kritik an der Entscheidung des FBI. Newt Gingrich, ehemaliger republikanischer Parlamentspräsident, mutmaßte, FBI-Chef Comey sei unter dem "enormen politischen Druck" eingebrochen.

Mike Pence, Trumps Kandidat für das Amt des Vize-Präsidenten, forderte die Wähler bei einer Rede in North Carolina dazu auf, Clintons Einzug ins Weiße Haus zu verhindern: "Es endet hier, es endet jetzt." Und Trumps Kommunikationsberater Jason Miller erneuerte bei CNN den Vorwurf, Clinton habe sich kriminellen Verhaltens schuldig gemacht.

Hillary Clinton selbst hielt sich bislang bedeckt und ging nicht persönlich auf die Thematik ein. Ein Sprecher erklärte in einer ersten Reaktion, die neueste Stellungnahme des FBI bestätige die bisherigen Ermittlungsergebnisse, dass sich Clinton nicht kriminell verhalten habe.

FBI zu Clinton: Verantwortungslos, aber nicht kriminell

Im Sommer hatte Comey als Ergebnis der Nachforschungen zwar erklärt, Clinton habe einen extrem verantwortungslosen Umgang mit den E-Mails gepflegt und dabei möglicherweise gegen das Gesetz verstoßen. Allerdings seien keine Hinweise darauf gefunden worden, dass sie dies bewusst vorsätzlich getan habe.

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Das Justizministerium hatte auf Basis der Empfehlung auf eine Anklage verzichtet. Clinton hat sich für die Umgehung der amtlichen Server entschuldigt.

Umfragen am Sonntag - vor der FBI-Mitteilung - zeigten Clinton landesweit mit einem Vorsprung von bis zu fünf Prozentpunkten vor Trump. Sie deuten auch auf eine solide Führung für die Demokratin bei den Stimmen im Wahlmännergremium hin, das am Ende den Präsidenten entsprechend den Ergebnissen in den einzelnen Bundesstaaten bestimmt.

Rückenwind für Hillary Clinton?

An den internationalen Finanzmärkten wird die FBI-Erklärung positiv aufgenommen, da man sich von ihr Rückenwind für Clinton verspricht. So startet der deutsche Leitindex DAX positiv in die neue Woche. Auch der Dollar und der mexikanische Peso legten zu.

Anleger reagierten erleichtert darauf, dass die Bundespolizei FBI in Clintons E-Mail-Affäre keine Anhaltspunkte für eine Anklage fand. "Wenn sie nicht noch für einen anderen unerwarteten Skandal sorgt, wird sie wahrscheinlich das Rennen machen", mutmaßt Anlagestratege Norihiro Fujito nach Börsenstart. (miwo/dpa/Reuters)