Joe Biden und seine Vorgänger: Kuriose Vereidigungen von US-Präsidenten

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Ein betrunkener Vizepräsident lallt den Amtseid, ein anderer will einfach nicht Jacke und Hut anziehen - und stirbt. Die außergewöhnlichsten Amtseinführungen der US-Präsidenten im Überblick.

Die erste Amtseinführung eines US-Präsidenten fand 1789 statt. George Washington wurde der oberste Mann der USA. Auch damals fand die Zeremonie in der US-Hauptstadt statt - diese war zu der Zeit aber New York City und nicht Washington, D. C.
George Washington war nicht nur der erste US-Präsident, er war auch der mit der kürzesten Antrittsrede. Sparsame 135 Worte war der Monolog lang. Die Rede könnte man heute in drei Twitter-Tweets à 280 Zeichen verpacken.
Der neunte US-Präsident brauchte etwas länger als George Washington. Die Antrittsrede von William Henry Harrison im Jahr 1841 dauerte zwei Stunden und ging als längste Inaugurationsrede in die Geschichte der USA ein.
Ganz folgenlos blieb Harrisons verbale Ausschweifung nicht. Die Mammutrede fand bei eisiger Kälte und strömendem Regen statt. Warm einpacken kam für ihn aber nicht infrage. Einen Monat später starb er an einer Lungenentzündung.
Regen gab es bei Ronald Reagans Vereidigung 1981 nicht. Im Gegenteil: Die Amtseinführung des Republikaners fand bei milden 13 Grad Celsius statt. Es war die wärmste Inauguration in der Geschichte der USA.
Vier Jahre später hatte Reagan kein Glück mit dem Wetter. Bei seiner zweiten Amtseinführung waren es frostige minus 14 Grad. Die Zeremonie musste kurzerhand in die Rotunde des Kapitols verlegt werden.
Proteste gehören zur Inauguration des US-Präsidenten dazu. Die bis dato größten Demonstrationen gab es 2001 bei George W. Bushs Vereidigung - 20.000 Menschen gingen gegen ihn auf die Straße.
Die meisten Teilnehmer bei einer Präsidentenvereidigung hatte Barack Obama 2009. Der Demokrat konnte fast zwei Millionen Menschen mobilisieren.
Proteste gab es auch bei Donalds Trumps Amtseinführung im Januar 2017. Am Tag nach seiner Inauguration fand der Women's March on Washington mit etwa 500.000 Teilnehmer*innen statt.
Trumps Amtseinführung bleibt auch aufgrund einer Kuriosität im kollektiven Gedächtnis: dem Streit um die Teilnehmer- und Zuschauerzahlen. Medien hatten übereinstimmend berichtet, dass deutlich weniger Zuschauer an Trumps Inauguration teilgenommen hätten, als das bei Barack Obama der Fall war.
Sean Spicer, Trumps damaliger Pressesprecher, behauptete jedoch: "Das war das größte Publikum, das jemals bei einer Vereidigung dabei war, sowohl vor Ort als auch weltweit. Punkt." Trumps Beraterin Kellyanne Conway prägte dafür den Begriff "alternative Fakten".
Nach dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 warnt die US-Bundespolizei FBI vor potenziellen Gewaltakten rund um die Vereidigung des künftigen Präsidenten Joe Biden am 20. Januar. Daher werden Sicherheitsmaßnahmen in noch höherem Maße als sonst schon veranlasst.
Am 20. Januar wird Joe Biden trotz aller Widrigkeiten vereidigt werden. Es wird eine ganz besondere Inauguration, aber damit kennen sich die Amerikaner ja tatsächlich aus.