Monatelang hat Putin sich bedeckt gehalten, jetzt redet er Klartext. Er will Chef im Kreml bleiben. Wer sind seine Gegner, und wie sind ihre Aussichten?

Kremlchef Wladimir Putin hat nach monatelangem Schweigen seine Kandidatur für eine vierte Amtszeit als russischer Präsident angekündigt.

Er wolle bei der Wahl im März 2018 antreten, sagte Putin am Mittwoch in der Stadt Nischni Nowgorod an der Wolga.

Er machte die von vielen erwartete Ankündigung bei einem Besuch des Autokonzerns GAZ. "Ja, ich werde für den Posten des Präsidenten von Russland kandidieren", sagte der 65-Jährige.

Vom Präsident zum Regierungschef und zurück

Wenige Stunden vorher hatte er sich bei einer Jugendveranstaltung noch ausweichend geäußert. Trotzdem galt seine Bewerbung für die russische Öffentlichkeit seit langem als sicher. Putin war schon von 2000 bis 2008 Präsident Russlands gewesen.

Nach einer Wahlperiode als Regierungschef unter Präsident Dmitri Medwedew ließ er sich 2012 wieder in das höchste Staatsamt wählen und tauschte dabei mit Medwedew den Posten.

Absehbare Gegenkandidaten sind wie bei den vorherigen Wahlen der Rechtspopulist Wladimir Schirinowski, der Kommunistenführer Gennadi Sjuganow und der Liberale Grigori Jawlinski von der Partei Jabloko.

Im Oktober hatte auch die regierungskritische Journalistin Xenia Sobtschak ihre Kandidatur angekündigt; sie machte am Mittwoch ebenfalls in Nischni Nowgorod Wahlkampf.

Sämtlich Gegenkandidaten sind chancenlos

Die 36-Jährige sagt, sie stehe für einen echten politischen Wettbewerb und sei die "Kandidatin gegen alle".

Putin-Kritiker vermuten in ihrer Bewerbung einen Schachzug der Kreml-Strategen. Sie solle eine Alternative zum Oppositionellen Alexej Nawalny sein, der wegen einer Bewährungsstrafe in einem Betrugsfall nicht kandidieren darf.

Alle Gegenkandidaten gelten aber als chancenlos. In Umfragen ist Putin mit Abstand der beliebteste Politiker. Seine Beliebtheitswerte liegen konstant über 80 Prozent.

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Lewada-Zentrum zeichnet sich allerdings eine geringe Wahlbeteiligung ab. Weniger als 60 Prozent der Befragten gaben an, wählen gehen zu wollen. Von ihnen wollten 67 Prozent Putin ihre Stimme geben.

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© dpa