Das Interesse an der "Fernsehsprechstunde" von Kremlchef Putin ist gewaltig. Mehr als drei Millionen Fragen hatten die Russen eingesendet. Mit der Ukraine-Krise und der Wirtschaftslage schienen die drängendsten Punkte klar. Putin hatte sich darauf akribisch vorbereitet. Die Frage-Antwort-Runde in der Ticker-Nachlese.

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+++ Wladimir Putin betont: keine russische Truppen in der Ukraine +++

+++ Kremlchef bezeichnet Ermordung des Oppositionspolitikers Boris Nemzow als "tragisch" +++

+++ Westliche Sanktionen gegen Russland schadeten Wirtschaft nicht wie befürchtet +++

Zum 13. Mal stellte sich Russlands Präsident Wladimir Putin am Donnerstag im Fernsehen den Fragen von Bürgern. Themen der live ausgestrahlten Traditionssendung "Direkter Draht" waren die Ukraine-Krise und die gespannten Beziehungen zum Westen.

14:32 Uhr: Die Redaktion verabschiedet sich an dieser Stelle von Ihnen.

14:20 Uhr: Eine Frau bittet Putin, ihr zu helfen. Ihr Sohn brauche dringend Medikamente. Aber die Apotheken hätten nichts vorrätig. Putin sagt, er wolle die Kontaktdaten der Frau haben. "Sie haben das Recht, diese Medikamente zu bekommen." Das Gesundheitsministerium habe mehr Geld erhalten, aber es hätte die zusätzliche Finanzspritze nicht gebraucht. "Wenn die Menschen keinen Zugang erhalten, dann ist das ein Verbrechen", sagt Putin.

14:18 Uhr: Ein vier Jahre alter Junge aus dem Nordkaukasus fragt, wie viele Stunden Putin denn so schläft, weil er auch Präsident werden möchte. "Es ist okay, dass Du viel schläfst. Das heißt, Du wirst ein gesunder Präsident", antwortet Putin.

14:07 Uhr: Eine Mitarbeiterin aus dem Call-Center sagt, dass es inzwischen mehr als drei Millionen Anfragen an den Präsidenten gebe.

14:00 Uhr: Putin spricht nun mit Arbeitern des im Bau befindlichen Weltraumbahnhofs Wostotschny. Sie haben seit vier Monaten keinen Lohn bekommen. "Wir sind verzweifelt", sagt ein Arbeiter. "Wir brauchen Ihre Hilfe." Putin erkundigt sich nach dessen Namen. "Okay, Anton Iwanowitsch. Wir beide werden zusammenarbeiten." Es müsse geprüft werden, weshalb die Firma keinen Lohn zahlt, denn schließlich seien staatliche Gelder zum Bau des Weltraumbahnhofes geflossen.

13:45 Uhr: Der Kremlchef weist mit Nachdruck Vorwürfe des Westens zurück, dass Russland nach dem Zerfall der Sowjetunion einen neuen Großmachtstatus anstrebe. "Ich will betonen: Wir haben keine Ziele einer Wiedergeburt des Imperiums, bei uns gibt es keine imperialen Ambitionen." Allerdings sei eine Zusammenarbeit im postsowjetischen Raum nötig, damit sich der Lebensstandard der Menschen verbessere.

13:36 Uhr: Ein Student befragt Putin zu der Bedrohung durch die Terrormiliz Islamischer Staat, woraufhin der Kremlchef den Fokus auf die USA legt: "Lassen Sie mich darauf hinweisen, dass es im Irak zwar ein undemokratisches System gab, aber keinen Terrorismus. Erst nachdem die USA Saddam Hussein getötet hatten und das Land zerstörten, hatten manche keine Möglichkeit mehr zu überleben. Sie schlossen sich extremistischen Gruppierungen an und gründeten den IS."

13:12 Uhr: Eine Frau wird zugeschaltet, die aufgrund eines Feuers in ihrer Heimatregion Khakassia den Präsidenten um Hilfe bittet. Sie bricht in Tränen aus - und Putin verspricht Hilfe: "Alle durch das Feuer zerstörte Häuser werden bis zum 1. September wieder aufgebaut."

13:00 Uhr: Ein Kind wird über die Situation in Lugansk befragt. "Ich bin vier Jahre alt ... Lugansk wurde bombardiert." Ein Mann aus dem Donbass fragt nun, wie es jetzt in der Ukraine weitergehen wird. Wie wahrscheinlich es sei, dass der Osten abgespalten wird von Kiew?

Putin gibt dazu bekannt: Zunächst müsse man dafür sorgen, dass die Menschen wieder zu einem normalen Leben zurückfänden. Darüber zu befinden (die Abspaltung von Kiew; Anm. d. Red.) sei das Recht des Volkes vom Donbass. Es werde davon abhängen, wie flexibel und weise die ukrainische Führung sei. Ein Anstieg des Nationalismus sei nicht akzeptabel.

12:59 Uhr: Putin über das Verhältnis zur Ukraine: "Es gab keine Entfremdung. Es ist ein souveränes Land und man muss das respektieren."

12:51 Uhr: Ob es russische Truppen in der Ukraine gebe. Darauf Putin: "Ich kann sehr klar sagen, es sind keine russischen Truppen in der Ukraine."

12:46 Uhr: Die nächste Frage betrifft den Mord an Oppositionspolitiker Boris Nemzow. Ob Nawalny jetzt fliehen muss, fragt die Oppositionelle Irina Khakamada. Putin merkt dazu an, dass die Ermittler einen Tag nach dem Mord die Namen der Täter kannten. Ob man die Hintermänner finden werde, wisse er nicht. Er habe ein "sehr enges Verhältnis" zu Nemzow gehabt. Sein politischer Gegner habe ihn oft kritisiert. Seine Ermordung sei "tragisch". Danach geht das Gespräch schnell wieder auf den Ukraine-Konflikt zurück.

12:35 Uhr: Der Donbass sei unter einer Blockade. Ob die Menschen, die dort zu den Waffen gegriffen haben, richtig oder falsch lägen - darüber habe Putin seine eigene Meinung. Wie er mit Kiew arbeiten könnte, wenn er der Regierung nicht vertraue? Dazu Putin: "Man kann sich seine Partner nicht aussuchen."

12:33 Uhr: Nun wird es interessant. Eine Frage bezieht sich auf die Ost-Ukraine: Ob Poroschenko die Wahrheit sagt, dass sich Russland den Donbass nehmen könnte? (In der englischen Übersetzung: Is it true Poroshenko said Putin could "take Donbas?") "Nein, das ist nicht passiert", sagt Putin. "Man kann sagen, dass die ukrainische Regierung den Donbass mit ihren eigenen Händen abschneidet." Die Regierung zahle weiter keine Sozialleistungen an die Bewohner im Donbass. "Ob Finanzen oder Bankensystem - Kiew hat viel versprochen, aber nichts gehalten", unterstreicht der Kremlchef.

12:26 Uhr: Eine Mitarbeiterin von Rossiya-24 sagt, dass mehr als 2,8 Millionen Fragen an Putin eingegangen sind.

12:25 Uhr: Auch über das Telefon werden nun Fragen zugelassen. Eine Frage bezieht sich auf die Infrastruktur. Ein Anrufer spricht die schlechte Anbindung ländlicher Regionen an Städte an. Wie können junge Menschen in den Dörfern leben, wenn es keine Züge gibt? Putin gesteht, das dies absolut inakzeptabel ist. Aber das Pendlergeschäft sei verlustreich. Zwar sei die Infrastruktur ausgebaut worden, aber Regionen seien nicht in der Lage, zu bezahlen. Putin sei über diese Situation wütend.

12:23 Uhr: Eine Frage betrifft Beamte und Bürokraten. Putin sagt, dass es nicht genügend Fachkräfte gibt. Die Regierung versuche, wettbewerbsfähige Löhne zu bieten.

12:19 Uhr: Der Moderator merkt an, dass es für Menschen mit Hypothekendarlehen in anderer Währung gerade eine schwere Zeit sei. Putin meint dazu, Darlehen in fremder Währung aufzunehmen, sei das Risiko der Menschen selbst.

12:16 Uhr: Nun geht es auch um Fragen zur internationalen Politik. Ein Besucher sagt, dass Sanktionen gegen Iran im Zuge der internationalen Verhandlungen aufgehoben wurden. Da sei nicht positiv bewertet worden. Die Anlage "gefährdet Israel absolut nicht", sagt der Kremlchef. Putin verweist darauf, dass die Verträge schon vor längerem gemacht worden seien. Er verweist auf Medwedew, der einen Deal 2010 ausgesetzt habe, der bereits 2006 vereinbart wurde. Die Sanktionen beinhalten zudem keine militärischen Waffen wie die S-300. Die Aussetzung der Lieferungen sei eine Geste des Guten Willens gewesen. "Der Iran demonstriert (im Atomstreit) eine große Flexibilität und den offenen Wunsch zum Kompromiss", meint Putin. Der Konflikt sei bis auf "einige technische Fragen" beigelegt. Deswegen sehe er keinen Grund, das vor Jahren für 900 Millionen US-Dollar (rund 850 Millionen Euro) bestellte Raketensystem nicht an den Iran zu verkaufen.

12:01 Uhr: Nun werden wieder Landwirte von außerhalb im Studio zugeschaltet. Es geht um den Absatz der Produkte. Ein Bauer möchte seine Milch direkt an Schulen und soziale Einrichtungen verkaufen. Der Milchpreis sei viel zu niedrig. Die Zwischenhändler würden vor allem daran verdienen. Putin bestätigt, dass die Unterstützung offenbar nicht ausreichend sei.

12:00 Uhr: "Die Landwirtschaft ist momentan prioritär für uns. Was die Statistik betrifft, möchte ich ihr eher glauben", sagt Putin.

11:54 Uhr: Ein anderer Landwirt beklagt nun, dass die Produktionskosten für die Herstellung von Milch viel zu hoch sind. Die Banken gäben keine Darlehen. Er könne seinen Betrieb nicht weiterentwickeln. Ob Putin die Statistiken prüfe, die man ihm vorlege? Putin darauf: Ich verlasse mich auf die Zahlen. Putin fragt zurück: Wenn alles so schlimm wäre, hätten sie es doch sicher schon lange aufgegeben?

11:48 Uhr: Ein Farmer richtet nun seine Frage an Putin. Seine Sorge: Die großen Firmen seien immer die Gewinner. Nachsehen hätten die kleinen Bauern. Putin antwortet, es werde Unterstützung geben, steuerliche. Und günstige Kredite. Dafür stünden etwa 15 Milliarden Rubel bereit.

11:40 Uhr: Nun geht es wieder über die wirtschaftliche Entwicklung: Prognosen zeigten, dass Russland in der Entwicklung langfristig hinterherhinken werde. Wie könne man die Entwicklung vorantreiben. Die Frage kommt von Aleksei Kudrin, der an dem Entwicklungsprogramm mitgewirkt habe. "Ein Teil des Problems ist also Ihr Problem", sagt Putin. Russland brauche allerdings vielfältig Fortschritte, stimmt Putin zu. In der Geldpolitik, in der Produktion und in der Sozialpolitik.

11:30 Uhr: Ein Zuschauer darf nun eine Frage stellen. Ein junger Mann sagt, man wisse nicht, wie man Russland voranbringen könne. Man sei doch bereit, Erfahrungen zu teilen. darauf entgegnet Putin: Putin: Produktionsprozesse würden komplizierter. Dafür brauche es Spezialisten.

11:22 Uhr: Der Moderator ist mutig und geht weiter auf negative Folgen der Sanktionen ein. Er spricht vor allem den niedrigen Ölpreis an. "Das ist eine viel zu kritische Bewertung der Arbeit der Regierung", entgegnet Putin. Es dürfe keine Zeit verloren werden, die Wirtschaft zu stabilisieren. Es seien die richtigen Schritte eingeleitet worden; die Zentralbank habe gegen die Inflation viele Schritte unternommen. Putin über die Steuersenkung: "Sie können nicht sagen, nichts sei gemacht worden. Das ist nicht fair." Es gebe hohe Erwartungen, es habe insgesamt nur eine leichte Preissteigerung gegeben.

11:21 Uhr: Es gehe nicht darum, jetzt etwas zu erdulden. Man müsse diese Zeit (der Sanktionen; Anm. der Red.) für Russland nutzen.

11:20 Uhr: In spätestens zwei Jahren soll es mit der Wirtschaft wieder aufwärts gehen.

11:16 Uhr: "Wie lange müsse Russland die Sanktionen dulden?", fragt der Moderator. Die Situation sei nicht mit dem Iran zu vergleichen, so Putin. Man müsse bestimmte Importe ersetzen, so Putin. Das könne allerdings positiv sein. Vor allem hinsichtlich der Landwirtschaft sei das zu beobachten. Die Sanktionen zurückzunehmen, sei eventuell nicht so gut, sagten Landwirte. Man habe gedacht, dass durch die Sanktionen die Wirtschaft viel stärker zurückgehe. das sei nicht passiert.

11:14 Uhr: Die Sanktionen seien politischer Natur. Sie würden weiter aufrecht erhalten. Entscheidend sei es, dass man innerhalb das Landes besser zu managen.

11:12 Uhr: Wladimir Putin zeichnet ein recht positives Bild. Doch nun muss er sich Fragen zu den Sanktionen stellen. Auch dem Vorwurf, dass er offenbar ein zu rosiges Bild von der Wirtschaft zeichne und es Ängste in der Bevölkerung gebe. Putin greift den Moderator an. Er habe wohl nicht richtig zugehört.

11:11 Uhr: Der russische Präsident erklärt, dass das Haushaltsdefizit nicht wirklich gestiegen ist.

11:10 Uhr: Putin erwähnt, dass die Verbraucherpreise angestiegen sind.

11:08 Uhr: Natürlich gebe es auch Probleme am Kapitalmarkt. Aber im Immobilienmarkt habe man ein Rekordergebnis. "Noch nie sind solche Ergebnisse erzielt worden". 81 Millionen Quadratmeter Wohnungen seien gebaut worden. Die Arbeitslosenquote sei im Griff gehalten worden. 5,8. Die Inflation ist im März gesunken. Gehälter seien gestiegen. Renten seien erhöht worden. Die wirtschaftliche Ungewissheit habe aber zu einem Abfluss des Kapital geführt. Aber es geben nichts Katastrophales.

11:06 Uhr: Als positiv bewertet Putin die WM in Sotschi. Der Rubel würde wieder stabiler werden. Das Bruttoinlandsprodukt sei gestiegen. Man habe ein Rekord bei der Ölgewinnung. Auch die Landwirtschaft sei gewachsen: "Es ist einer der reichsten Ernten von Weizen."

11:05 Uhr: Putin äußert sich zu seiner politischen Bilanz. Er ist gut vorbereitet, er hat einen Text dabei.

11:04 Uhr: Der Präsident wird auf das letzte Jahr angesprochen.

11:00 Uhr: Die TV-Sendung hat begonnen.

10:52 Uhr: Per Internet, Telefon und SMS sind mehr als 1,5 Millionen Fragen eingegangen.

(far)