Der Fall Deniz Yücel: eine Chronologie in Zitaten

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Die Verhaftung von Deniz Yücel hat die Beziehung zwischen der Türkei und Deutschland schwer belastet. Doch auch über zwei Jahre nach seiner Entlassung ist der Fall noch nicht beendet. Nun hat ein Gericht den Journalisten schuldig gesprochen. Ein Rückblick in Zitaten (Mit Material der dpa)

Yücel wird vorgeworfen, Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK gehabt zu haben. Dazu sagt Erdogan am 13. April 2017 im Sender TGRT: "Natürlich, auf jeden Fall. Uns liegt Bildmaterial und das alles vor. Das war ein richtiger Agent und Terrorist:"
Angela Merkel kritisiert am 27. Februar 2017, kurz nachdem Untersuchungshaft gegen Deniz Yücel verhängt wurde: "Diese Maßnahme ist unverhältnismäßig hart, zumal Deniz Yücel sich der türkischen Justiz freiwillig gestellt und für die Ermittlungen zur Verfügung gestellt hat."
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht die Türkei in einer Rede im Bundestag am 22. März 2017 direkt an: "Respektieren Sie den Rechtsstaat und die Freiheit von Medien und Journalisten! Und geben Sie Deniz Yücel frei!"
"Der Fall Yücel wurde in Deutschland aufgebauscht. Die türkische Öffentlichkeit interessiert sich nicht für ihn", behauptet der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu in einem am 7. Oktober 2018 veröffentlichten "Spiegel"-Interview.
Laut Cavusoglu würde die Justiz über Yücels Schuld oder Unschuld entscheiden. "Je früher es zu einem Prozess kommt, desto besser." Erst jetzt, über ein Jahr nach seiner Inhaftierung, hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Yücel erhoben.
"Die Fälle von Peter Steudtner, Deniz Yücel und Frau Tolu stehen beispielhaft für die abwegigen Vorwürfe von Terrorpropaganda, die offensichtlich nur dazu dienen sollen, jede kritische Stimme in der Türkei zum Schweigen zu bringen, derer man habhaft werden kann - auch Stimmen aus Deutschland", so Bundesaußenminister Sigmar Gabriel am 20. Juli 2017.
Am 1. Januar 2018 im dpa-Interview gibt sich Cavusoglu versöhnlich: "Auch ich bin nicht sehr glücklich darüber, dass es noch immer keine Anklage gibt." Es scheint damals, als würde endlich Bewegung in den Fall Yücel kommen.
Am 14. Februar - dem Jahrestag von Yücels Festnahme - erklärt der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim in den ARD-"Tagesthemen": "Ich hoffe, dass er in kurzer Zeit freigelassen wird. Ich bin der Meinung, dass es in kurzer Zeit eine Entwicklung geben wird."
Am 15. Februar 2018 erklärt auch Gabriel: "Ich bin relativ optimistisch, dass wir doch jetzt bald zu einer Gerichtsentscheidung kommen." Am 16. Februar ist es endlich soweit: Der "Welt"-Korrespondent verlässt das Gefängnis und ist frei.
Ausgestanden ist die Affäre für Yücel mit seiner Freilassung aber noch nicht. Am 16 Juli 2020 wird der Journalist von einem Gericht in Istanbul wegen "Terrorpropaganda" zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt.
Bei dem Verfahren ist Yücel nicht vor Ort. Sein Anwalt spricht nach dem Urteil von einer "juristischen Katastrophe" und kündigt an, in Berufung zu gehen.