Die USA erheben Zölle auf Stahl und Aluminium, die EU droht mit Vergeltungszöllen - allerdings auch auf Konsumgüter. Damit verfolgt sie eine Strategie.

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Emmanuel Macron, Olaf Scholz, Jean-Claude Juncker: Sie drohen den USA mit Vergeltungszöllen, nachdem die Trump-Regierung ihrerseits Zölle auf Stahl- und Aluminium in Höhe von 25 Prozent beziehungsweise zehn Prozent beschlossen hatte.

Und die EU ist auch schon vorbereitet. Einerseits soll Klage bei der Welthandelsorganisation WTO eingereicht werden. Andererseits will die EU selbst Zölle in Höhe von 25 Prozent verhängen - auf amerikanische Stahlerzeugnisse sowie auf Motorräder, Whiskey, Erdnussbutter, Jeans oder Tabakprodukte.

Es erscheint logisch, dass die EU nun US-Einfuhren von Stahl- und Aluminiumerzeugnissen verteuern will. Aber warum auch auf die anderen Produkte?

Warum will die EU auf diese Produkte Vergeltungszölle erheben?

Die EU-Kommission hat, kurz nachdem Trump erstmals Zölle angekündigt hatte, selbst eine vorläufige Liste veröffentlicht, um offenzulegen, welche US-Produkte im Gegenzug verteuert werden könnten.

Darauf sind rund 200 US-Waren, der Gesamtwert dieser eingeführten Produkte liegt bei 2,8 Milliarden Euro. Die EU-Produkte, die von den Abgaben auf Stahl und Aluminium potenziell betroffen sind, haben hingegen einen Wert von 6,4 Milliarden Euro.

Mittlerweile liegt die Liste bei der WTO. Neben den bereits genannten Produkten stehen auch Maisprodukte, Cranberries, Kidney-Bohnen, Orangensaft und Reis-Produkte darauf, dazu unter anderem noch Motorboote und -jachten sowie Türen und Fenster.

Sie haben eine Sache gemeinsam: Die meisten Produkte werden in für US-Wahlen wichtigen Schlüsselstaaten hergestellt.

Was die EU damit bezwecken will

Die Liste stammt übrigens aus der Zeit des letzten drohenden Handelskrieges. 2002 hatte George W. Bush Zölle auf Stahl erhoben, woraufhin die EU eben mit dieser Liste reagiert hatte.

Damals waren EU-Einfuhrbeschränkungen auf Orangen aus Florida geplant. Vor allem dort musste Bush um seine Wiederwahl bangen.

Die Liste soll nun weiterentwickelt und noch deutlicher gegen Staaten gerichtet sein, in denen Republikaner und Trump-Anhänger besonders stark sind.

Ein Beispiel: Der Unternehmenssitz von Harley-Davidson liegt in Wisconsin. Von dort stammt der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan.

Auch Bourbon-Whisky steht auf der EU-Liste. Er wird vorwiegend in Tennessee und in Kentucky produziert, der Heimat des Trump-Unterstützers und Mehrheitsführers im Senat, Mitch McConnell.

Geht die EU-Strategie auf?

Bereits im März, nachdem Trump erstmals Zölle angekündigt hatte und die EU daraufhin mit Gegenmaßnahmen gedroht hatte, hatte Ryan gewarnt. Er sei "extrem besorgt über die Folgen eines Handelskriegs", zitiert Bloomberg ihn damals. Unternehmen und Mitarbeiter wären unmittelbar von Vergeltungszöllen betroffen.

Auch der Präsident der US-Handelskammer, Tom Donohue, sieht den wirtschaftlichen Fortschritt laut Reuters durch die gegenwärtige Handelspolitik gefährdet.

Mehr als zwei Millionen Arbeitsplätze könnten verloren gehen, befürchtet Donohue. Und: Die meisten davon lägen in Bundesstaaten, in denen die Bürger Trump und die Republikaner gewählt hätten.

Bleibt abzuwarten, ob Trump doch noch einlenkt - wenn die EU ihrerseits Zölle einführt.

George W. Bush tat das damals nach zwei Jahren Handelsstreit. Damals ging die EU-Strategie, gezielt Republikaner-Staaten zu schwächen, auf. (cai/dpa)