Tierfreundliche Kleidung: Darauf müssen Sie achten

Zu einer veganen Lebensweise gehört nicht nur die Umstellung Ihrer Ernährung, sondern auch ein Blick auf Ihre Kosmetikprodukte und den Inhalt Ihres Kleiderschranks. Wir zeigen Ihnen, welche Mode wirklich vegan ist und worauf Sie achten müssen.

Pelz ist tabu, das sollte jedem klar sein - auch Nicht-Veganern. Wofür sollen Tiere unnötig leiden, wenn es heutzutage genug warme Alternativen gibt? Ein Kapuzenkragen aus Kunstpelz sieht schließlich auch schick aus. Bevor Sie nun losgehen und eine Mütze mit Kunstpelzbommel kaufen, lesen Sie erst einmal weiter ...
Traurig aber wahr: Oft ist als Kunstpelz deklarierte Kleidung in Wirklichkeit aus Hunde- und Katzenfell. Die falsch deklarierten echten Pelze werden aus China importiert und finden sich auf angeblich veganer Kleidung wieder. Wenn Sie sicher gehen möchten, dass für Ihre Kleidung kein Tier sterben musste, verzichten Sie am besten auch auf Kunstpelz.
Wenn Sie Pelz und Kunstpelz meiden, sind Sie auf dem richtigen Weg. Allerdings bedeutet es immer noch nicht, dass Sie sich vegan kleiden. So einfach ist es leider nicht: Leder ist aus toten Tieren gefertigt, das sollte keine Überraschung sein. Wenn Sie den Kauf einer trendigen Lederjacke damit rechtfertigen, dass das Material nur ein Nebenprodukt der Fleischindustrie ist, dann liegen Sie leider falsch.
Laut der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, einer deutschlandweit tätigen Tierschutz- und Tierrechtsorganisation, werden Tiere auch rein zur Ledergewinnung geschlachtet. Der Großteil des Billigleders kommt aus Ländern wie Indien, Vietnam, Bangladesch und China, wo minderjährige Arbeitskräfte, schlimme Tierquälerei und schwere Umweltverschmutzung durch giftige Gerbsubstanzen leider zur Realität gehören.
Schuhe, Taschen und Gürtel aus Kunstleder sind mit Sicherheit tierfreundlicher als echte Lederwaren. Doch nicht immer sind Schuhe und Kleider aus Kunstleder deswegen umweltfreundlicher als das tierische Pendant - das sollten Sie nicht vergessen. Die Produktion von Kunstleder kann sehr Erdöl-intensiv sein.
Der Verzicht auf tierische Produkte ist viel schwieriger, als es zunächst erscheint. Selbst bei Kunstlederschuhen kann es passieren, dass sie nicht hundertprozentig vegan sind. Der Leim zum Kleben der Schuhe wird oft auf tierischer Basis mit Glutin oder Kasein hergestellt.
Wie können Sie dann erkennen, dass Ihre Schuhe wirklich vegan sind? Im Grunde gar nicht. Nur wenn die Schuhe explizit als vegan beworben werden, können Sie sichergehen, dass sie ohne tierische Inhaltsstoffe hergestellt worden sind. Sie können aber auch direkt bei den jeweiligen Herstellern nachhaken, ob beispielsweise der verwendete Leim vegan ist.
Vegan heißt nicht automatisch unmodisch. Längst sind die Zeiten vorbei, wo aus umwelt- und tierfreundlichen Materialien lediglich Ökolatschen und Schlabberpullis hergestellt worden sind. Immer mehr Designer und etablierte Modelabels setzen auf tierfreie Kreationen. PETA vergibt seit 2013 jährlich den "Vegan Fashion Award", ein Blick auf die Seite der Tierschutzorganisation lohnt sich.
Ebenfalls auf der Website von PETA finden Sie eine Liste von Unternehmen, die das Logo "PETA-Approved Vegan" verwenden. Keine Sorge, auf peta.de/petaapprovedvegan finden sich auch viele bekannte Labels unter den tierfreundlichen Unternehmen.
Öko- oder Biomode muss nicht zwingend vegan sein. Achtung bei Kleidung aus Wolle: Das Material ist zwar ein Naturprodukt und erfordert in der Regel kein Töten des Schafes. Ein Großteil der Wolle wird jedoch aus Australien importiert, wo mit den Schafen alles andere als zimperlich umgegangen wird - blutende Wunden sind keine Seltenheit.
Auch Kaschmir gehört nicht in den veganen Kleiderschrank. Das besonders weiche Unterfell der Kaschmirziege wird den Tieren mit einer Drahtbürste schmerzhaft vom Leib gekämmt.
Den kuscheligen Angorapulli sollten Sie besser auch im Laden hängen lassen. Die Angora-Wolle stammt hauptsächlich von chinesischen Angorakaninchen. In China gelten keine Gesetze gegen Tierquälerei. Den Kaninchen wird das Fell alle paar Monate unter qualvollen Bedingungen vom Leib gerupft.
Seide wird aus den Kokons der Seidenraupe hergestellt und ist keineswegs vegan. Laut PETA werden jährlich mehr als 2,8 Billionen Raupen für die Seidenproduktion getötet. Für unsere Seidenblusen werden sie im Kokon lebendig gekocht.
Vorsicht auch bei Knöpfen: Was auf den ersten Blick gar nicht als tierisches Produkt auffällt, kann durchaus aus Hörnern, Geweihen, Hufen oder Schnäbeln bestehen. Achten Sie auch auf Füllmaterial aus Daunen: Die Gänse werden entweder mehrmals lebendig gerupft oder die Federn stammen von bereits geschlachteten Tieren.
Bei aller Tierliebe sollten Sie die Nachhaltigkeit nicht vergessen. Es wäre ein Fehler, überstürzt alle Kleidungsstücke aus tierischem Material in den Müll zu werfen. Dadurch wird das Kalb nicht wieder lebendig, wenn die Lederjacke aus Ihrem Schrank in der Tonne landet. Das bedeutet andersherum ebenfalls nicht, dass Sie sich zwingen sollten, Omas Pelzmantel vom Dachboden zu tragen ...
Entweder Sie spenden Ihre tierische Kleidung. Oder Sie tragen weiterhin Ihre bereits vorhandenen Lederschuhe oder Lederjacken und pflegen die Stücke besonders gut. So haben die Kleidungsstücke trotz des getöteten Tieres wenigstens in Ihrem Kleiderschrank ein langes Leben.