Avocado bis Zitrone: Welche Obstkerne kann man bedenkenlos mitessen?

Die Kerne gehören sicherlich nicht zum beliebtesten Teil von Obst - dabei enthalten viele von ihnen gesunde Pflanzenstoffe, die eigentlich zu schade für den Müll sind. Doch tatsächlich gibt es auch einige, die im Körper giftige Blausäure produzieren und nicht gegessen werden sollten. Aber welche sind essbar und welche nicht? © 1&1 Mail & Media/teleschau

Gehören Sie auch zu den Menschen, die den Apfel komplett aufessen, samt Kerngehäuse und Kerne? Auch wenn Ihre Mitmenschen Sie schräg anschauen mögen: Sie machen alles richtig. Apfelkerne enthalten wichtige Nährstoffe wie Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Der Amygdalin-Gehalt ist so gering, dass Sie sich beim Verzehr keine Sorgen um eine Blausäurevergiftung machen müssen.
Auch Birnenkerne sind unbedenklich und können mitgegessen werden. Allerdings gilt sowohl für Apfel-, Birnen- und alle anderen Kerne, dass Sie nur dann von den Nährstoffen profitieren, wenn Sie die Kerne zerkauen. Unzerkaut landen Sie irgendwann einfach unverdaut in der Toilette.
Die Supermärkte sind voll mit kernlosen Traubensorten. Dabei sind die Kerne eine Wohltat für Ihre Gesundheit! Die sekundären Pflanzenstoffe in den Traubenkernen sollen entzündungshemmend und keimtötend wirken, ihre antioxidative Eigenschaft schützt außerdem unsere Zellen. Kauen Sie also ruhig auf den kleinen Kernen rum!
Zitronenkerne sind essbar - ob sie schmecken, ist eine ganz andere Frage. Sie strotzen zwar nicht gerade vor wertvollen Nährstoffen, aber sie schaden auch nicht. So verhält es sich auch mit den Kernen von Orangen und Grapefruits. Also keine Sorge, wenn sich mal einen Kern einer Citrusfruch in Ihren Magen verirrt.
Wie bei Weintrauben werden häufig auch kernarme Wassermelonen beworben. Fragt sich nur wozu. Die Kerne der Wassermelone sind wahre Vitaminbomben und viel zu schade zum Ausspucken. Sie profitieren von Vitamin A, Vitamin C, Folsäure, Magnesium und Eisen, sowie ungesättigten Fettsäuren und Proteinen - vorausgesetzt, Sie zerkauen die Kerne.
Granatäpfel sind eine Besonderheit unter den Früchten: Essbar sind tatsächlich nur die Kerne der Frucht. Ihnen wird eine Anti-Aging-Eigenschaft nachgesagt und sie sind voller Vitamine und zellschützender Pflanzenstoffe.
Maracuja oder die verwandte Passionsfrucht sind ähnlich wie der Granatapfel ein Sonderfall. In der Regel wird die Maracuja halbiert und das wenige Fruchtfleisch mitsamt den vielen Kernen herausgelöffelt. Je nach Sorte kann das ein süßes oder stark säuerliches Erlebnis werden. Aber in allen Fällen ist es voller Vitamine und gut für Ihre Gesundheit.
Bei einigen Obstsorten stellt sich die Frage nach dem Verzehr der Kerne erst gar nicht, da die Kerne viel zu klein sind, um sie auszusortieren. Es gibt wohl kaum jemanden, der es schafft die Kerne von Blaubeeren, Erdbeeren, Himbeeren, Kiwis oder Feigen herauszupulen. Bei diesen Früchten werden die gesunden kleinen Kerne ganz selbstverständlich mitgegessen.
Auch wenn pürierte Avocadokerne in Mode sind, die Verbraucherzentrale warnt vor deren Verzehr. Gesundheitliche Risiken können aufgrund fehlender Studien nicht ausgeschlossen werden. Die Kerne enthalten den Bitterstoff Persin. Dabei handelt es sich um eine giftige Fettsäureverbindung, die für Tiere sogar tödlich sein kann. Schmeißen Sie den Kern besser in die Tonne oder lassen sie auf ihrer Fensterbank ein Avocadobäumchen wachsen.
Nicht nur Avocadokerne sollten Sie besser meiden. Vorsicht gilt bei allen Steinfrüchten wie Aprikosen, Pfirsiche, Pflaumen oder auch Mangos: Sie enthalten den Stoff Amygdalin, der im Körper zu giftiger Blausäure umgewandelt wird. Blausäure kann in größeren Mengen zu Vergiftungen bis hin zum Tod führen.
Ein gefährlicher Trend ist das Geschäft mit gemahlenen Aprikosenkernen. Bittere Aprikosenkerne werden im Internet und manchen Reformhäusern als krebsheilendes Wundermittel angepriesen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt ausdrücklich vor dem Verzehr. Der hohe Gehalt an Amygdalin kann zu Krämpfen, Erbrechen oder Atemnot führen und sogar tödlich enden.
Auch wenn Sie den Kern von Steinobst nicht essen sollten, gibt es keinen Grund zur Panik, falls Sie doch einmal versehentlich einen Kirschkern verschlucken. Wie bei allen Giftstoffen zählt vor allem die Menge, die Sie verzehren. Außerdem würden Sie den Kirschkern höchstwahrscheinlich unversehrt ausscheiden, sofern sie ihn nicht zerkaut haben.