So kocht Deutschland: Spezialitäten aus Sachsen

Sachsens Bewohner sind vor allem für ihre Liebe zum Kaffee bekannt, daher auch die ironische Bezeichnung "Kaffeesachse". Und was passt am besten zum Kaffeekränzchen? Genau, Kuchen! Nicht umsonst gibt es auch den Kuchensachsen. Was der Sachse sonst noch gern alles isst. © 1&1 Mail & Media/teleschau

Die wohl berühmteste sächsische Spezialität ist der Dresdner Stollen. Jährlich zur Weihnachtszeit wird auf dem Striezelmarkt in Dresden der längste Dresdner Stollen gebacken. Striezel ist übrigens eine andere Bezeichnung für Stollen.
Was genau macht den Dresdner Christstollen aus? Die Backtradition des "Striezels" lässt sich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen. Damals galt der Stollen als Fastengebäck und würde nach heutigem Standard ganz schön fad schmecken. Während des Adventsfastens durfte keine Butter verwendet werden und so bestand der Stollen lediglich aus Mehl, Hefe, Öl und Wasser.
Der damalige Kurfürst Ernst von Sachsen und sein Bruder Albrecht III. wandten sich 1450 in einem Brief an den Papst Nikolaus V., um eine Lockerung bei der Backvorschrift zu erbitten. Erst im Jahr 1491 - und einen Papst später - wurde das Butterverbot für den Stollen aufgehoben. Trockenfrüchte, Gewürze, Marzipan und Mohn kommen heutzutage als Füllung in den Stollenteig.
Der Dresdner Stollen ist seit 1996 eine markenrechtlich geschützte Bezeichnung, ebenso der Dresdner Christstollen und Dresdner Weihnachtsstollen. Die Benennungen sind nur Bäckern aus dem Raum Dresden erlaubt.
Eine weitere Kuchenspezialität aus dem Raum Dresden ist die Eierschecke. Die obersten der drei Schichten ist namensgebend für diese Köstlichkeit: Sie besteht aus einer Creme aus Eigelb, Butter, Zucker, Vanillepudding und Eiweiß. In der Mitte ist ein Quark-Vanille-Pudding und die unterste Schicht, der Boden, besteht aus einem Hefe- oder Mürbeteig.
Die Eierschecke gibt es in verschiedenen Varianten mit Rosinen, Schokoladenüberzug oder Streuseln, in Tortenform oder gar ganz ohne Boden. Die Freiberger Eierschecke wird ohne Quark hergestellt, dafür mit Rosinen und Mandelblättchen. Diese flachere Variante ist seit 2007 markenrechtlich geschützt.
Auch in Leipzig gibt es Leckeres für süße Naschkatzen. Die Leipziger Lerche ist eine traditionelle Gebäckspezialität aus einem mit Marzipan und Marmelade gefüllten Mürbeteig.
Der Name Leipziger Lerche erinnert an die einst in Leipzig als Delikatesse verspeisten Singvögel in Pastetenform. Als dann 1876 der sächsische König die Lerchenjagd verbot, kreierten Bäckermeister dieses köstliche Törtchen als Ersatz für die Pasteten. Die überkreuzten Mürbeteigstreifen symbolisieren den Faden mit dem der gefüllte Singvogel zugebunden wurde.
Schon Goethe wusste zu seiner Zeit in Leipzig die Leipziger Räbchen zu schätzen. Diese heiß servierte Nachspeise besteht aus einer mit Marzipan gefüllten Dörrpflaume, die in einem Bierteig gebacken wird. Leipziger Räbchen werden mit Zimtzucker auf dem Teller angerichtet.
Das berühmte Leipziger Allerlei ist ein Gemüsegericht. Es besteht aus verschiedenen Gemüsesorten, in der Regel aus Erbsen, Karotten, grünen Bohnen, Spargel, Blumenkohl, Kohlrabi und Morcheln und wird häufig als Beilage serviert. Klassischerweise kommen noch Flusskrebsschwänze mit hinzu und es wird in einer Krebssoße serviert.
Aus dem Erzgebirge kommen die sogenannten Getzen. Das ursprünglich fleischlose Gericht, das aus einer Masse aus Buttermilch, geriebenen rohen Kartoffeln und Gewürzen hergestellt wird, stammt aus einer Zeit, als sich die Bewohner Mahlzeiten mit Fleisch kaum leisten konnten. Heutzutage wird es aber manchmal mit gebratenem Speck in einer Auflaufform gebacken.
Eine Variante der Getzen sind die Heidelbeergetzen, die ohne Kartoffeln zubereitet werden. Der Teig besteht aus Mehl, Milch, Eigelb, Salz und Zucker, obendrauf kommen die Heidelbeeren. Das Gericht wird in einer Getzenpfanne oder im Backofen zubereitet. Serviert werden die Heidelbeergetzen mit Zimt und Zucker.
Die einfachste Variante der Getzen sind die Grünen Getzen. Ein Teig aus geriebenen rohen Kartoffeln und Salz wird in Sonnenblumenöl in einer Getzenpfanne goldbraun gebacken. Vor dem Servieren werden die Grünen Getzen mit Zucker bestreut. Warum die Getzen "grün" sind, ist unklar.
Auch das Neunerlei, ein weihnachtliches Menü aus neun Gerichten, stammt aus dem Erzgebirge. Dieses Weihnachtsessen gibt es in zahlreichen Variationen, aber immer besteht es aus neun Speisen. Linsen und Klöße sind stets vorhanden, die restlichen sieben Zutaten variieren von Familie zu Familie.
Weitere Speisen sind Bratwurst, Sauerkraut, Gänse- oder Schweinebraten, Sellerie, Semmelmilch, Hering, Rote Bete, Bratapfel, Kompott, Pilze oder Nüsse. Jeder Speise kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. So stehen Linsen für Kleingeld, dass nie ausgehen soll oder die Gans dafür, dass das Glück einem hold bleiben wird.