So kocht Deutschland: Typische Gerichte aus Nordrhein-Westfalen

Fleischlastig und deftig, so ist die Küche in Nordrhein-Westfalen. Wer als Vegetarier in traditionellen Gaststätten unterwegs ist, wird nicht leicht glücklich. Einzig die zahlreichen Süßspeisen könnten Fleischverweigerer mit süßem Zahn satt machen. Gehen Sie mit uns auf kulinarische Reise ins Bundesland Nordrhein-Westfalen .... © 1&1 Mail & Media/teleschau

Die bekannteste Spezialität aus dem Rheinland ist wohl der rheinische Sauerbraten, im Dialekt auch "Soorbrode" genannt. Traditionell wurde er aus Pferdefleisch zubereitet. Da der Konsum von Pferdefleisch heutzutage nicht mehr so populär ist, wird meist Rindfleisch verwendet. Typisch für den Sauerbraten ist die süß-säuerliche Geschmacksnote.
Als klassische Beilage zum rheinischen Sauerbraten werden Kartoffelklöße und Apfelmus gereicht. Doch auch Salzkartoffeln und Rotkohl sind typische Begleiter. Die würzig-süße Sauce ist wohl die Besonderheit an diesem Braten: Sie wird aus Zwiebeln, Zuckerrübensirup, Rosinen und Aachener Printen gekocht.
Typisch für ganz Nordrhein-Westfalen ist "Himmel und Erde". Das im rheinischen Dialekt liebevoll "Himmel un Ääd" genannte Gericht besteht aus Kartoffelpüree, Apfelmus und gebratener Blutwurst. In anderen Regionen wird es auch mit Bratwurst serviert.
Seinen Namen verdankt das seit dem 18. Jahrhundert bekannte "Himmel und Erde" den Äpfeln, die an den Bäumen, also im Himmel wachsen, und den Kartoffeln, die auch Erdäpfel genannt werden und somit für die Erde stehen.
Essen die Westfalen blinde Hühner? Wer das Westfälische Blindhuhn bestellt, darf kein Huhn auf seinem Teller erwarten. Es handelt sich um einen deftigen Eintopf, der aus Kartoffeln, Bohnen, Karotten, Birnen, Äpfeln, Schweinespeck oder Schinken zubereitet wird. Durch die Zugabe von Apfelessig erhält es eine leichte Säure. Doch woher kommt der Name?
Das Westfälische Blindhuhn verdankt seinen Namen dem Sprichwort "Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn". Sinngemäß: Jeder findet in diesem Eintopf etwas nach seinem Geschmack. Hühnerfleisch werden Sie allerdings nicht darin finden.
Aus dem Münsterland kommt das Gericht "Töttchen", ein süß-saures Ragout, das hauptsächlich aus Innereien besteht - nicht jedermanns Sache. Das ursprünglich als "Arme-Leute-Essen" bekannte Gericht wird heutzutage häufig mit Kalbsfleisch und Kalbszunge statt mit Innereien angeboten.
Ein weiteres Fleischgericht aus der westfälischen Küche trägt den Namen "Pfefferpotthast". Dieser würzige Fleischeintopf wird mit Rindfleischstückchen, viel Pfeffer, Schmalz und Unmengen von Zwiebeln zubereitet. Lorbeerblätter und Gewürznelken sorgen außerdem für die typische Würze.
Bekannt ist der Pfefferpotthast bereits seit dem 14. Jahrhundert. "Hast" steht im Namen für das Rindfleisch, während "Pott" für Topf steht. Vor allem im Herbst und Winter kommt das Gericht in Nordrhein-Westfalen auf den Tisch.
Wurstebrei, auch Stippgrütze genannt, ist eine gekochte Grützwurst aus Innereien, Fleischresten und Gerstengrütze, die mit Gewürzen verfeinert wird. Dieses fettige Essen wird gern mit Roggenbrot und sauren Gurken verzehrt oder mittags mit Salzkartoffeln.
Die Stippgrütze ist in Herstellung und Aussehen dem schottischen Nationalgericht Haggis sehr ähnlich. Sie hat einen besonders hohen Fettgehalt und ist dadurch besonders lange haltbar.
Ein typisches Wintergericht aus Nordrhein-Westfalen sind Dicke Bohnen mit Speck. Dieser Eintopf für die kalte Jahreszeit wird, wie der Name schon sagt, aus Dicken Bohnen, Speck, Bohnenkraut, Mehl und Petersilie zubereitet.
Die Liebe der Menschen in Nordrhein-Westfalen zu den Dicken Bohnen, auch Saubohnen genannt, zeigt sich im Anbau: 2018 wurden in Deutschland laut des Bundesinformationszentrum Landwirtschaft auf 599 Hektar 3.063 Tonnen Dicke Bohnen erzeugt - fast die komplette Anbaufläche (96 Prozent) liegt in Nordrhein-Westfalen.
Neben den vielen Fleischgerichten finden sich einige Süßspeisen in NRW. Struwen sind seit dem 11. Jahrhundert bekannt. Dabei handelt es sich um dicke Hefepfannkuchen, die als traditionelles Karfreitagsgericht gelten.
Der Name "Struwen" bedeutet übersetzt "etwas Krauses". Der Teig aus Milch, Mehl, Hefe, Zucker, Eier und Rosinen wird in der Pfanne von beiden Seiten ausgebraten, vor dem Verzehr mit Zucker und Zimt bestreut und nach Belieben mit Apfelmus oder Pflaumenkompott serviert.
Aachener Printen haben eine lange Tradition im Rheinland. Die speziellen braunen Lebkuchen werden seit circa 1820 in Aachen gebacken, die Benennung ist regional geschützt. Das bedeutet, dass nur Printen, die in Aachen und in Nachbarorten gebacken werden, so genannt werden dürfen.
Typisch für Printen ist ihre längliche Form. Der Teig wurde früher in kunstvoll geschnitzte Holzformen gedrückt. Daher entwickelte sich auch der Name: "Printen" stammt vom englischen "print" beziehungsweise dem im Aachener Dialekt verwendeten "prent" und beschreibt somit den Abdruck, der sich früher auf den Printen befand.
In Westfalen hat Brot mit Schinken Tradition. Eine typische Brotspezialität aus der Region ist Pumpernickel. Das Vollkornbrot wird ausschließlich aus Roggenschrot und Wasser hergestellt.
Das Pumpernickel ist seit dem 16. Jahrhundert bekannt und wird in einigen Regionen auch schlicht als Schwarzbrot bezeichnet. Es eignet sich besonders gut für belegte Brote, wird aber auch häufig als Zutat für andere Speisen verwendet ...
Die westfälische Götterspeise besteht aus einer Sahnecreme und Pumpernickel. Die Creme wird aus Schlagsahne, Quark und Vanillezucker steif geschlagen und mit einem Fruchtkompott und zerkrümeltem Pumpernickel geschichtet. Haselnüsse und geraspelte Schokolade können die Süßspeise verfeinern.