• Russlands Krieg in der Ukraine dominiert die Nachrichten und wirkt sich als unsichere Lage wirkt sich auch auf die Aktienmärkte aus.
  • Was sollten Anleger und Sparer in diesen Zeiten tun?
  • Ob Aktien, Gold oder Rohstoffpreise: Wir zeigen Ihnen, welche Verbraucher-Tipps Expertinnen und Experten in diesen Zeiten geben.

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Die USA und die EU haben nach Russlands Angriff auf die Ukraine umfangreiche Strafmaßnahmen auf den Weg gebracht. Washington will große russische Banken international isolieren und verhängt Exportkontrollen für den Technologiesektor. Die neuen EU-Sanktionen gegen Russland betreffen etwa den Energie-, Finanz- und Transportsektor. Zudem soll es Exportkontrollen geben. Weltweit gingen nach der Invasion Aktien auf Talfahrt, bei Rohstoffen wird mit einem knapperen Angebot gerechnet, was die Preise antreibt und die Inflation weiter anheizen könnte. Verbraucher, Sparer und Anleger fragen sich besorgt: "Was wird aus meinem Geld?"

Wie sicher sind Aktien im Moment?

Wegen der Krise um der Ukraine sind die Aktienkurse zwischenzeitlich deutlich gefallen. "Die Krise ist eine Herausforderung für die Märkte", sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). In Panik müssen Anleger deshalb aber nicht geraten. Wer einen langfristigen Anlagehorizont hat, kann die Krise sogar als Chance nutzen. Drei Tipps:

Tipp eins: Ruhe bewahren

Schwankungen sind an der Börse normal. Daher sollten sich Anleger auch durch die derzeitigen Kursbewegungen nicht verunsichern zu lassen. "Die Ukraine ist außerdem nicht der einzige Unsicherheitsfaktor", sagt Jürgen Kurz. Auch die Corona-Pandemie sei noch nicht vorbei und es gebe zudem nach wie vor ein Zinsrisiko.

Wichtig bei der Geldanlage: Das Investment sollte möglichst breit gestreut sein. Gut geeignet hierfür sind ETF, die einen weltweiten Aktienindex abbilden. "Und geben Sie Ihrer Anlage ausreichend Zeit", sagt Kurz. Über einen Zeitraum von mehreren Jahren werden Kurseinbrüche in der Regel wieder ausgeglichen.

Tipp zwei: Gewinne mitnehmen

Wichtig in unruhigen Zeiten ist es, die persönliche Anlagestrategie zu überprüfen. "Überlegen Sie sich, wie viel Geld Sie sicher in den kommenden Jahren brauchen werden", rät Jürgen Kurz. Diese Summe könnte dann aus dem Aktienvermögen herausgenommen werden, etwa indem erzielte Kursgewinne realisiert werden.

Das Geld kann dann zum Beispiel auf einem Tagesgeldkonto geparkt werden. "Wobei Ihnen bewusst sein muss, dass es da momentan nur wenig Zinsen gibt." Langfristig orientierte Anleger, die auf das Aktienvermögen nicht angewiesen sind, könnten weiter investiert bleiben und warten, bis die Situation sich wieder beruhigt hat.

Tipp drei: Chancen nutzen

Die Börsenkurse haben sich in der jüngeren Vergangenheit tendenziell gut entwickelt. Vielen erschienen manche Aktien daher teuer. Geben die Kurse jetzt aktuell nach, können Anlegerinnen und Anleger das für sich nutzen: "Bei guten Unternehmen können Schwächephasen ein Anlass zum Nachkaufen sein", sagt Jürgen Kurz. Denn jede Krise ist auch eine Chance.

Wie haben sich in der Vergangenheit Krisen auf die Börsen ausgewirkt?

Die Aktienmärkte rund um den Globus gingen nach dem Angriff auf die Ukraine auf Talfahrt. "Die schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden. Es herrscht Krieg in Europa", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners. Eine oft zitierte Börsenweisheit lautet allerdings: "Politische Börsen haben kurze Beine". Will sagen: Die Politik vermag es nicht, die Kapitalmärkte dauerhaft in die eine oder andere Richtung zu beeinflussen.

"Politische Krisen wirken sich in aller Regel belastend auf die Börsen aus. Wie stark und wie lange, hängt vom Verlauf der jeweiligen Krise ab", sagt die Chefin des Deutschen Aktieninstituts, Christine Bortenlänger. Das Aktieninstitut weist immer wieder auf historische Daten hin, wonach sich langer Atem beim Investment in Aktien in der Regel auszahle.

Welche Folgen haben steigende Rohstoffpreise für Verbraucher?

Die Inflation in Deutschland und im Euroraum wird bereits seit geraumer Zeit von deutlich gestiegenen Energiepreisen im Zuge der weltweiten Konjunkturerholung angeheizt. Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine stiegen die Rohstoffpreise weiter: Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Donnerstag erstmals seit 2014 wieder mehr als 100 Dollar. Auch andere Rohstoffe wie Weizen verteuerten sich auf dem Weltmarkt. Steigende Rohstoffpreise landen am Ende in der Regel beim Verbraucher, weil Produzenten höhere Einkaufspreise ganz oder teilweise weitergeben.

"Die Inflationsrate wird wohl zumindest kurzfristig noch weiter ansteigen, vor allem über eine weiter steigende Energierechnung für die Verbraucher", sagte DZ-Bank-Chefvolkswirt Michael Holstein. "Das schwächt deren Kaufkraft und tendenziell die Nachfrage von Haushalten nach anderen Gütern und erhöht die Kosten auch für die Unternehmen."

Als Reaktion auf gestiegene Energiepreise hat die Regierungskoalition ein Entlastungspaket beschlossen. So sollen die Bürger ab Juli die Ökostrom-Umlage nicht mehr zahlen. Für Pendler ist ab dem 21. Kilometer eine höhere Pauschale von 38 Cent rückwirkend zum Jahresbeginn vorgesehen. Ob die Maßnahmen ausreichen, ist umstritten. Steigende Verbraucherpreise treffen einkommensschwächere Haushalte besonders hart.

Was bedeutet die Inflationsentwicklung für Sparguthaben?

Für Sparer sind steigende Teuerungsraten bitter. Nach Berechnungen der zur Commerzbank gehörenden Comdirect verloren Sparer in Deutschland im vergangenen Jahr in Summe 80 Milliarden Euro wegen niedrig verzinster Einlagen. Allein im vierten Quartal 2021 lag der Realzins - also der Zins für Spareinlagen nach Abzug der Teuerungsrate - auf dem Rekordtief von minus 4,93 Prozent.

Auf der Suche nach besser verzinsten Alternativen sollten sich Anleger allerdings nicht von außergewöhnlich hohen Gewinnversprechen blenden lassen. Oft stecke Betrug dahinter, warnt die Finanzaufsicht Bafin: "Das "sichere, schnelle Geld" gibt es nicht". Investments in Kryptowerte wie Bitcoin, Ether und Co. seien hoch spekulativ und ebenso riskant. Es drohe möglicherweise der Totalverlust des eingesetzten Geldes, warnt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin).

Wie wird die Europäische Zentralbank reagieren?

Andere große Notenbanken wie die US-Fed und die Bank of England haben nach Jahren des Flutens der Märkte mit billigem Zentralbankgeld bereits umgesteuert. Seit der Sitzung des EZB-Rates Anfang Februar herrscht auch unter Europas Währungshütern Einigkeit, dass man die hartnäckig hohe Inflation nicht aussitzen kann. Mit einer Anhebung der Zinsen könnte die Europäische Zentralbank (EZB) gegensteuern.

Allerdings haben sich Europas Währungshüter darauf festgelegt, vor einem Zinsschritt zunächst die milliardenschweren Netto-Anleihenkäufe einzustellen. Volkswirte erwarten, dass der EZB-Rat bei seiner nächsten geldpolitischen Sitzung am 10. März eine Entscheidung in Richtung Ausstieg aus dem ultralockeren Kurs treffen wird. Große Schritte sollten aber nicht erwartet werden - erst Recht nun nicht, wo die Zuspitzung des Konflikts um die Ukraine als weitere Belastung für die noch von der Pandemie gebremste Wirtschaft hinzukommt.

"Die geopolitischen Spannungen sind aktuell ein sehr bedeutsamer Risikofaktor, vor allem für Europa", sagte EZB-Chefvolkswirt Philipp Lane der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die jüngsten geopolitischen Entwicklungen hätten "nicht nur Auswirkungen auf die Öl- und Gaspreise, sondern auch auf das Vertrauen der Anleger und der Verbraucher, auf den Handel und so weiter", sagte Lane.

Wie sicher ist Gold in Krisenzeiten?

Das Edelmetall gilt vielen Anlegern als sicherer Hafen in turbulenten Zeiten. Es verliert trotz Preisschwankungen seinen Wert nie ganz. Der Nachteil: Für Gold gibt es weder Zinsen noch Dividenden. Die Rendite lässt sich letztlich nur aus einem steigenden Goldpreis erzielen. (dpa/ncs)