Vom Strohhalm bis zum Joghurtbecher, von der Lebensmittelverpackung bis zum Einwegbesteck: Plastik ist in unserem Alltag allgegenwärtig. Dass unser Plastikmüll Lebensräume und Artenvielfalt zerstört und unsere Ozeane verschmutzt, ist hinlänglich bekannt. Was also können wir tun, um plastikfreier durch den Alltag zu gehen?

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Jeder Deutsche produziert pro Jahr im Schnitt rund 38 Kilogramm Plastikmüll - Charlotte Schüler aus München gehört nicht dazu. Die 24 Jahre alte Bloggerin aus München gestaltet ihren Alltag weitestgehend plastikfrei.

"Man muss sich nicht bei allem einschränken, sondern einfach nur Stück für Stück umdenken", sagt Schüler. Bei ihr selbst begann dieses Umdenken, als sie Bilder von Albatrossen im Fernsehen sah, die mit Mägen voller Kunststoff verhungerten. Heute lebt Schüler nahezu plastikfrei – im Gespräch mit unserer Redaktion verrät sie ihre Tricks für den Alltag.

Plastik vermeiden: Badezimmer als einfacher Start

Wer auf Plastik verzichten möchte, fängt am besten im Badezimmer an. Ein Stück Seife ersetzt den Seifenspender und kann genauso gut zur Körperpflege eingesetzt werden. Es gibt sogar Seife für die Haare.

Statt einer herkömmlichen Plastikzahnbürste verwendet Charlotte Schüler eine Alternative aus Bambus und anstelle von Zahnpasta einfache Zahnputztabletten. Diese werden erst etwas zerkaut, bevor man mit der Bürste nachputzt.

Gegen Zahnverfärbungen hat die Bloggerin auch einen ultimativen Tipp: "Man kann aus Aktivkohlepulver und Kokosöl ganz einfach eine Paste anmischen. Beides hellt die Zähne wieder auf. Damit putze ich mir ein bis zwei Wochen die Zähne und schon sind sie wieder strahlend schön."

Toilettenpapier gibt es in vielen Unverpackt-Läden ganz ohne lästige Plastikverpackung und auch wiederverwendbare Abschminkpads sind eine umweltfreundliche und müllfreie Alternative. Diese plastikfreien Alternativen finden sich mittlerweile in vielen Drogeriemärkten oder in Naturkosmetik-Geschäften.

Wer Kosmetikartikel in Glasbehältern kauft, die einen Plastikdeckel haben, kann die leeren Flaschen auch einfach wiederverwenden – zum Beispiel für selbstgemachtes Haarspray. "Für eine leichte Variante mische ich circa einen halben Teelöffel Zucker mit 50 Milliliter Wasser. Je höher man den Zucker dosiert, desto stärker wird das Haarspray. Die Mischung fülle ich mir einfach in leer gewordene Sprühflaschen und kann die Verpackungen so wiederverwenden", erklärt Charlotte Schüler ihren Trick.

Kosmetikartikel einfach selber machen

Aber was ist eigentlich mit Make-up, Mascara und Co.? Für Charlotte Schüler war es immer wichtig, nicht als Öko abgestempelt zu werden. "Ich möchte nicht, dass die Menschen auf den ersten Blick erkennen, dass ich in meinem Alltag etwas anders mache. Vielmehr möchte ich zeigen, dass man dennoch stilbewusst und gepflegt sein kann", so Schüler. Deshalb schminkt sie sich ganz normal.

Viele ihrer Kosmetika macht sie selbst - und so geht's:

  • Puder: Dafür verwendet sie Kartoffelstärke, Hibiskusblüten und Kakao. Je nach Verhältnis der einzelnen Zutaten wird daraus abdeckendes Puder oder Rouge.
  • Wimperntusche und Eyeliner: Schüler verwendet Aloe-Vera-Gel, Sheabutter, Kohlepulver, Bienenwachs und Kokosöl. Mehr Volumen zaubert sie mit Kartoffelstärke auf ihre Wimpern.

So gelingt der plastikfreie Einkauf

Ihren Einkauf hat Charlotte Schüler von Grund auf anders strukturiert. Einmal im Monat geht sie in den Unverpackt-Laden und kauft haltbare Speisen wie Nudeln, Mehl, Zucker, Reis oder Frühstücksflocken. Alle zwei Wochen geht sie zum Biomarkt und deckt sich mit frischen Produkten ein und etwa alle drei Tage macht sie ihre Besorgungen beim Gemüsehändler.

Wer plastikfrei einkaufen gehen möchte, sollte immer einen Stoffbeutel und eigene Gefäße dabeihaben. So kann man sich die Produkte – zum Beispiel an der Frischetheke – direkt in mitgebrachte Gläser oder Boxen füllen lassen. "Natürlich ist ein Einkauf im Bioladen, beim Gemüsehändler oder im Unverpackt-Geschäft keine günstige Angelegenheit. Man kauft allerdings viel bewusster und nur noch das ein, was man wirklich braucht", sagt Schüler.

Eine Brotdose aus Edelstahl sei erstmal teurer als die Variante aus Plastik. "Allerdings hält sie länger und es lösen sich keine schädlichen Plastikpartikel", erklärt Schüler.

Es gibt allerdings auch No- und Low-Budget Varianten. So verwendet sie statt Edelstahl-Boxen und teuren "Mason Jars"-Gläsern, die zwar hip, aber eben teuer sind, einfach große Gurkengläser zur Aufbewahrung. Unterwegs lässt sie sich ihre Asia-Nudeln dort hineinfüllen oder genießt ihre Suppe "to go" daraus.

Schritt für Schritt zur Veränderung

Wer für sich selbst den Entschluss fasst, plastikfreier leben zu wollen, sollte nicht gleich alles perfekt machen wollen. "Sonst stürzt man in eine Krise und wird demotiviert. Das macht das ganze Projekt unmöglich", warnt Schüler. Besser sei es, eine Sache nach der anderen zu verändern.

Komplett plastikfrei zu leben, hält die Bloggerin ohnehin für nahezu unmöglich: "Ich trage Kontaktlinsen, nutze Technik mit Plastikteilen wie Smartphone und Laptop und muss – wenn ich krank bin – auch mal Medizin nehmen, die in Plastik verpackt ist."

Sie empfiehlt auch nicht, Dinge aus Plastik, die man bereits besitzt, einfach wegzuwerfen. Stattdessen solle man sie einfach für einen anderen Zweck verwenden. Die alten Brotzeitdosen können statt für Lebensmittel zur Aufbewahrung von anderen Dingen verwendet werden. So gelangen zumindest keine Mikropartikel in unseren eigenen Organismus.

Auch im Restaurant sieht sich Charlotte Schüler erst einmal um – und entscheidet dann, welche Produkte aus Plastik sie direkt abbestellen kann. "Mittlerweile werde ich dabei auch nicht mehr so häufig schräg angeschaut. Man merkt, dass viele Menschen umdenken. Das ist eine gute Sache."

Charlotte Schüler ist Buchautorin und Bloggerin (plastikfreileben.de). Im April 2019 erschien ihr erster Ratgeber “Einfach Plastikfrei Leben”. Auf ihrem Instagram-Profil "Plastikfrei_Leben" postet sie Produktempfehlungen und Rezepte für selbstgemachte "Zero Waste"-Pflege.

Die "Hemdchenbeutel" zerstören unsere Öko-Bilanz

Von den sogenannten "Hemdchenbeuteln" kommen deutsche Verbraucher nicht los. Pro Kopf benutzten sie beim Einkauf von Obst und Gemüse im Jahr 2018 37 Stück davon. Dies summiert sich landesweit auf mehr als drei Milliarden Plastiktüten.