• Die Felsenbirne wächst in zahllosen heimischen Gärten - doch nur wenige wissen, dass man ihre Früchte essen kann.
  • Wer sie möglichst spät erntet, wird süß belohnt: Der Geschmack hat etwas von Marzipan.

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Essbare Beeren wie Himbeeren und Erdbeeren kennt jedes Kind. Eine ist aber ganz in Vergessenheit geraten, weil die meisten sie für ungenießbar halten: die Felsenbirne. Sie gehört zu den "apfelfrüchtigen" Kernobstgewächsen und gedeiht in zahlreichen Gärten, an Wiesen und Parkplätzen: Wer einmal gelernt hat, sie zu erkennen, entdeckt sie plötzlich an vielen ungeahnten Orten.

Felsenbirne, essbar
So sieht die Felsenbirne im Frühling aus: Sie trägt herrliche weiße Blüten.

Im Frühling trägt die Felsenbirne herrliche weiße Blüten, im Herbst leuchtend gefärbtes Laub. Doch das von ihr herabfallende Obst ist vielen Gärtnern lästig - weil sie nicht ahnen, wie saftig und köstlich die Früchte schmecken und was man alles mit ihnen alles machen kann.

Felsenbirne: Möglichst dunkle Früchte ernten

Der englische Name "Juneberry" (Juni-Beere) deutet schon auf den Erntezeitraum hin: "Je nach Witterungsverlauf, Standort der Pflanze und auch der Art - es gibt viele Arten der Gattung Amelanchier - liegt die Reifezeit Mitte bis Ende Juni", heißt es von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) auf Anfrage unserer Redaktion. Als Ziergehölz in unseren Gärten und Parks werde meist die nicht heimische Art Amelanchier canadensis gepflanzt. "Es gibt jedoch auch eine heimische Art - Amelanchier ovalis - die allerdings nur bei auf heimische Gehölze spezialisierten Baumschulen zu beziehen ist", so die Experten weiter.

Die kleinen Früchte des äußerst pflegeleichten Gehölzes färben sich im Laufe der Zeit von rot zu schließlich blau-schwarz. "Es sollten nur vollkommen ausgereifte, dunkelblaue Früchte gegessen werden", rät die BLE. Am süßesten schmecken sie kurz vor dem Eintrocknen. Geübte Gärtner pflücken pro Saison mehrmals durch - je nach Sorte kann es nämlich sein, dass die Beeren unterschiedlich schnell reifen. Beim Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) gibt man an, die Erntezeit reiche bis in den September hinein.

Die etwa von Kelchblättern gekrönten, purpurschwarzen Früchte der Felsenbirne (botanisch Amelanchier) ähneln Heidelbeeren - auch von der Größe her. Ihre Blätter sind elliptisch und drei bis sieben Zentimeter lang. Bei einigen Arten haben sie beim Austrieb eine kupferrote Färbung, weshalb man sie auch Kupfer-Felsenbirne nennt.

Blausäure sorgt für Marzipan-Aroma

Wer sie zum richtigen Zeitpunkt pflückt, wird belohnt: Die Früchte haben eine dezente Marzipan-Note. Dieses Aroma schlummert in den vielen kleinen Samen, in denen geringe Mengen eines Blausäureglykosids enthalten sind.

So mancher hat deswegen bedenken, sie zu essen. "Nach dem Verzehr unreifer Früchte und wenn man größere Mengen Samen zerkaut, kann es zu Magen-Darmbeschwerden kommen", erläutert dazu das BZfE, "die meisten Kerne werden jedoch unverdaut wieder ausgeschieden."

Nicht nur wegen des Geschmacks also, sondern auch wegen der Blausäure sollte man nicht zu früh ernten, da unreife Früchte einen höheren Gehalt davon in sich tragen. In Maßen und zum richtigen Zeitpunkt seien aber keine gesundheitlichen Folgen zu befürchten. Die Inhaltsstoffe der Blausäure befinden sich beispielsweise auch in Apfelkernen, über die es heißt, dass man sich bei dieser geringen Menge keine Sorgen machen muss.

Geliermittel aus der Natur: Was man mit der Felsenbirne alles anstellen kann

Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, verarbeitet die Beeren einfach weiter. Durch das Kochen wird alles womöglich Unverträgliche zersetzt, denn Blausäure ist hitzeempfindlich. Die kleinen Fruchtstiele sollten Sie auf jeden Fall vorher entfernen. Was Sie mit der Felsenbirne dann alles zubereiten können:

  • Marmelade oder Gelee: wunderbar auch in Kombination mit Johannisbeeren, Himbeeren, Brombeeren und einem kräftigen Spritzer Zitronensaft. Felsenbirnen enthalten von Natur aus viel Pektin, daher braucht man laut BZfE weniger Gelierzucker. Pektin ist ein natürliches Geliermittel
  • Saft, Likör, Tee, Sirup
  • Getrocknet können Sie die Früchte auch für Müsli, zum Backen oder für Desserts verwenden. Da sie früher oft als Korinthen-Ersatz benutzt wurden, nennt man das Gewächs auch Korinthenbaum.

Auch für die Weiterverarbeitung gilt: Die Früchte möglichst dann ernten, wenn sie schon sehr dunkel sind. Diesen Wettlauf könnten Sie allerdings gegen die Vögel verlieren, die die Felsenbirne auch sehr lieben.

Wertvolle Inhaltsstoffe

Gut für die Gesundheit ist die Frucht der Felsenbirne natürlich auch. Neben Vitaminen, insbesondere Vitamin C, enthält sie Flavonoide, die die Gefäße geschmeidig und das Herz gesund halten. Ballaststoffe wie Pektin sättigen, ohne Kalorien zu liefern. Das ist förderlich für Verdauung und Abnehmen. Auf jeden Fall ist die Frucht viel zu wertvoll, um als Fallobst auf der Straße oder Wiese zu enden.

Verwendete Quellen:

  • Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
  • Bundeszentrum für Ernährung
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