Sieben Jahre hat Benito Weise daran gearbeitet, jetzt ist sie bald im Einsatz: Die Pferde-Brille. Mit ihr können wir sehen, wie unsere Partner auf vier Hufen die Welt sehen.

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Die Augen der Pferde sind groß und vor allem auf eins ausgelegt: Sie sollen schnell eine Bedrohung erkennen. "Pferde haben auf eine echte Gefahr nur Flucht im Repertoire", sagt Benito Weise vom Landwirtschaftlichen Bildungszentrum (LBZ) in Echem. Und als Fluchttiere nehmen sie ihre Welt ganz anders wahr als wir Menschen. Das führt schnell zu Missverständnissen. Das will der 51-Jährige jetzt ändern. Er entwickelte eine Pferde-Brille, mit der wir die Umwelt wie unsere Partner auf vier Hufen wahrnehmen können.

Wie er auf die Idee kam? Durch die Kuh-Brille. Die hat Weise nämlich vor vier Jahren entwickelt. Danach kamen viele Anfragen von anderen Tierbesitzern. Ganz vorne dabei: Pferdebesitzer. Und so machte sich der Koordinator für Überbetriebliche Ausbildung an die Arbeit. Wie? "Ich habe eine Handvoll von Annahmen, also die wichtigsten und wahrscheinlichsten Erkenntnisse aus der Forschung über Pferdeaugen, als Grundlage genommen", erklärt Weise. Dazu gehört zum Beispiel, dass Pferde durch die seitliche Lage ihrer Augen mehr als 300 Grad sehen können. Gleichzeitig ist ihre Sehschärfe jedoch eingeschränkt. "Sie können nur etwa 50 Grad vor ihnen relativ scharf sehen."

Mit der Pferde-Brille in "Echtzeit" sehen

Der Grund ist simpel: "Der Horizont ist das Thema bei Flucht: Bewegt sich da etwas, kommt etwas auf mich zu?", so Weise zu pferde.de. Nur diese Informationen sind für Pferde wichtig. Welches Raubtier es genau ist – das ist für ein Pferd dann egal. Dieser Horizont-Blick heißt auch: "Sie sehen im oberen Bereich scharf. Was auf dem Boden liegt, können sie schlechter erkennen. Dafür müssen sie den Kopf nach unten nehmen", sagt Weise.

Bislang konnten Pferdebesitzer nur auf Fotos die Sichtweise der Pferde erkennen, wie zum Beispiel Gustavo Mirabal Casto in seinem Blog zeigt. Für Weise war das nicht genug. Aus all dem Wissen ums Pferdeauge hat er eine virtuelle Brille entwickelt. Wer sie aufsetzt, kann sofort die Umgebung mit den Augen der Pferde sehen. Obwohl: Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. "Mit der Brille können wir sehen, was wir annehmen, wie Pferde ihre Umgebung sehen", erklärt er.

Mit der Brille auch hören wie Pferde

Aktuell fehlen ihm noch einige Teile für die Pferde-Brille. Er hofft, dass sie ab Januar fertig ist. Dann möchte er sie zum Beispiel bei Schulungen und Vorträgen einsetzen. Denn: Vielfach sei das Verständnis für die Tiere aus Unwissenheit nicht da. Die Brille soll für mehr Verständnis sorgen, so das Tierwohl fördern und auch Unfälle vermeiden.

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Dazu arbeitet Weise an einer akustischen Ergänzung für die Brille. "Bei Fluchttieren wie Pferden spielt das Hören eine größere Rolle als das Sehen", erklärt er gegenüber pferde.de. "Sie sind sehr gute Ultraschallhörer im hochfrequenten Bereich, aber auch bei sehr, sehr tiefen Tönen. Deshalb können sie zum Beispiel ein Erdbeben früh mitbekommen." Das Problem dabei: "Wenn wir Töne für den Menschen hörbar machen, verändern sie sich." Das heißt, dass wir dann zwar ein Geräusch wahrnehmen, aber nicht in der Frequenz, in der das Pferd es hört. Trotzdem möchte Weise die Brille ums Hören erweitern. "Dann könnte man damit zum Beispiel einen Parcours abgehen und mal für zehn bis 20 Sekunden die Geräusche dazu schalten. So bekommen Reiter einen Eindruck, wie viele Geräusche auf ein Pferd einwirken", erklärt der Experte.  © Pferde.de