Russische Soldaten und ein russischer Zoobesitzer sollen Tiere aus dem Zoo im ukrainischen Cherson gestohlen haben. Ein Video zeigt, wie sie Wölfe, Waschbären, ein Lama und Co. einfach in Transportern mitnehmen.

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Die russischen Truppen plündern derzeit die ukrainischen Städte, bevor sie sie verlassen. So auch die Seehafenstadt Cherson. Dort haben die russischen Soldaten dem Zoobesitzer Oleg Zubkov Medienberichten zufolge dabei geholfen, Tiere aus dem Zoo in Cherson zu entwenden. Anschließend brachte er sie in seinen Zoo auf die russisch besetzte Halbinsel Krim in seinen Taigan Lion Park. Das Video von der Aktion sorgt im Netz gerade für Aufregung. Zubkov selbst hat es auf seinen YouTube-Kanal veröffentlicht.

Insgesamt nahmen die Russen zwei Wölfe, sieben Waschbären, ein Lama und einen Esel sowie einen Pfau aus dem Zoo mit. Die Filmaufnahmen zeigen, wie der selbsternannte "Löwenmann" Zubkov und seine Helfer das Lama in einen Transporter hieven. In einer anderen Szene fängt er einen Waschbären in seinem Gehege und hält ihn an seinem Schwanz, während das Tier versucht, zu entkommen. Dann steckt er den Waschbären unsanft in einen Käfig.

"Kurzzeitige Evakuierung", nennt Zubkov diese Aktion. Laut der britischen "Daily Mail" soll er vom Krim-Anführer Sergei Aksyonov den Auftrag bekommen haben, die Tiere zu befreien. Dem ukrainischen Nachrichtenportal "Euromaidanpress" zufolge, das sich wiederum auf die russische Nachrichtenagentur "Tass" beruft, soll der Zoobetreiber von Wolodymyr Saldo, dem Gouverneur des russisch besetzten Teils der Oblast Cherson, beauftragt worden sein. "Es wird den Wölfen hier viel besser gehen, viel Freilauf und Krim-Sonne. Es war schon immer ihr Traum, hier zu leben", wird der Zoowärter zitiert.

"Die Tiere haben keinen zoologischen Wert für uns"

Die Wölfe sollen wieder nach Cherson zurückgebracht werden, falls Russland die Stadt erneut unter seine Kontrolle bringen könne, so Zubkov. Die Tiere seien in guten Händen und man wolle sie nur vor dem Krieg beschützen, damit die Bewohner der Stadt Cherson sich nach dem Krieg wieder an ihren erfreuen können, sagt er.

Das sei der einzige Grund, weshalb man sie zu sich geholt habe. "Für uns ist es eine humanitäre Mission", sagt Zubkov. "Die Tiere haben keinen zoologischen Wert für uns. Wir haben unsere eigenen Wölfe. Wir haben 75 Waschbären. Wir könnten Waschbärfleisch in Dosen machen", scherzte er. Andere Tiere hingegen sollen aber auf der Krim bleiben.

Zubkov wurde wegen Fahrlässigkeit zuvor bereits zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. Der Grund: Einer seiner Tiger biss einem einjährigen Jungen einen Finger ab. Er saß nur zwei Monate der Strafe ab, bevor das Urteil wieder zurückgenommen wurde. Die Bedingung: Er durfte die Region nicht verlassen. Nach eigenen Angaben soll ihm Krim-Führer Aksyonov nun erlaubt haben, für die Mission nach Cherson zu reisen.

Ukraine: Russische Besetzer rauben Kunst und Tiere

Das ukrainische Verteidigungsministerium postete eines der Videos auf Twitter und schrieb dazu: "Die Besetzer haben alles aus Cherson gestohlen: Gemälde aus Kunstausstellungen, Altertümer aus Museen, historische Manuskripte aus Bibliotheken. Aber ihre wertvollste Beute war ein Waschbär, den sie aus einem Zoo klauten. Raube einen Waschbär und stirb."

In russischen Medien wurde der Raub als "kleiner Lichtblick" dargestellt. Die ukrainischen Truppen hatten die Stadt in der vergangenen Woche zurückerobert, nachdem sich die Russen zurückgezogen hatten. Cherson war eine der ersten großen Städte, die im Februar besetzt wurden. Die Befreiung wurde auf den Straßen gefeiert.

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Russische Soldaten sollen Zootiere gegessen haben

Zuvor hatte es noch einen weiteren Schock gegeben, als die Ukrainer in eine andere Stadt zurückkehrten: Anfang November sollen russische Soldaten Tiere aus dem Yampil Zoo in der besetzten Region Donetsk geschlachtet und gegessen haben. Zwei Kamele, ein Känguru, ein Bison, einige Ferkel, Wölfe und Vögel sollen sie dabei brutal getötet haben, so die "Daily Mail". Das berichten Rettungshelfer, die zehn Tage nach dem Vorfall eintrafen und die toten Tiere fanden. Am 30. September wurde das Dorf Yampil von ukrainischen Truppen befreit.  © Deine Tierwelt