• Kindheit und Jugend - die unbeschwerteste Zeit? Nicht für viele Schülerinnen und Schüler.
  • Wie es kommt, dass der Druck oft viel zu groß wird und was Eltern dagegen tun können.

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Leistungsdruck - es ist ein riesiges Thema unter Kindern und das nicht erst in den letzten Schuljahren. Oft beginne der Stress schon in der Grundschule, sagt Elisabeth Raffauf. Schon das Thema Übertritt aufs Gymnasium erzeuge großen Druck, beobachtet die Diplom-Psychologin und Autorin aus Köln.

"Das sollte überhaupt gar nicht so sein", sagt sie. Für Kinder und auch Jugendliche gebe es nämlich einen Zeitpunkt, der noch viel bedeutsamer ist, als das "Später". Es ist das "Hier und Jetzt". Und auch wenn im "Hier und Jetzt" eine schlechte Note im Zeugnis steht, ist das für Ingo Spitczok von Brisinski, Kinder- Jugendpsychiater aus Viersen, kein Beinbruch. Klar sei aber auch: Lehrer und manchmal auch Eltern wünschen sich, dass ihre Sprösslinge gute Noten schreiben.

Das passiert manchmal auch unterbewusst, sagt Christian Ehmann, Leiter einer Klinikschule in Baden-Württemberg und Mitbegründer von "lehrerschueler.de", dessen Portal Beratungen bei Schulproblemen sowie bei Problemen im Lehrerberuf vermittelt. Eltern täten das oft, weil sie wollen, dass aus dem Kind oder Jugendlichen etwas wird. Mindestens das gleiche, was aus ihnen geworden ist. Besser wäre aber, wenn sie noch erfolgreicher oder angesehener werden.

Auch wenn von vielen Lehrern, Eltern und Schülern selbst ausgeht, dass das Zeugnis nur gute Noten zieren dürfe, sind diese nicht unmittelbar entscheidend für ein Studium oder eine bestimmte Ausbildung. "Viele Wege führen nach Rom", sagt Spitczok von Brisinski und beruhigt: "Mit schlechten Noten ist nicht alles verloren."

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Es gibt wichtigere Dinge als Schule

Eltern sollten mit Gelassenheit darauf reagieren, wenn das Kind mit Versagensängsten oder schlechten Noten aus der Schule nach Hause kommt. "Wenn es deswegen traurig ist, sollte man das Kind erstmal in den Arm nehmen und ihm anbieten, eine Tasse Tee mit ihm zu trinken", rät Psychologin Elisabeth Raffauf. Dann könne man immer noch gemeinsam schauen, wie es weitergeht.

Vielleicht hat das Kind oder auch der Jugendliche etwas nicht verstanden. Vielleicht gibt es gerade andere Themen, die es oder ihn beschäftigen. Das Signal dabei sollte laut Raffauf sein: Es gibt wichtigere Dinge als Schule. "Ist eine 5 wirklich so schlimm?" Immerhin sind Noten heutzutage, wo es selbst fürs Studieren andere Wege gibt als das Abitur, nicht mehr ganz so essenziell wie früher.

"Viele Eltern haben jedoch ein altes Schema im Kopf", hat Christian Ehmann festgestellt. Auch eine Prüfungsnote habe heutzutage nicht mehr einen so großen Einfluss. Prüfungsängste gibt es aber dennoch. Spitczok von Brisinski sagt, dass diese oft von diffuser Natur sind, weil die Schüler sich vorstellen, was alles passieren könnte, wenn sie die Prüfung nicht schaffen.

"Diese Ängste sind viel unangenehmer als konkrete Sorgen", sagt der Jugendpsychiater. Deswegen sollten Eltern mit ihrem Kind sprechen, es fragen, was passiert, wenn es nicht genug gelernt hat und was eine 6 im Zeugnis bedeuten könnte.

Ist der schlimmste Fall wirklich so schlimm?

Bei manchen Prüfungsängsten kann ein Psychologe helfen. Christian Ehmann rät, herauszufinden, was für eine Art von Prüfungsangst das Kind hat. "Da gibt es ganz verschiedene Level", sagt der Schulleiter. Der ganz normale Bammel vor einer Klausur sei dabei vielleicht sogar ganz gut für das Abschneiden des Schülers.

Und dann gebe es noch die Angst, die im schlimmsten Fall zum Versagen in der Prüfung führt. "Da würde ich sagen, dass Eltern hier machtlos sind und besser ein Fachmann, also ein Psychologe, zur Hilfe geholt werden sollte."

Egal, um welche Form von Angst es sich auch handelt, empfiehlt Elisabeth Raffauf Eltern, ihren Kindern das Gefühl zu vermitteln, dass sie kein schlechterer Mensch sind, wenn die Noten mal nicht so gut sind. Daher sei es wichtig, dass Eltern sich selbst überprüfen, ob sie nur wollen, dass das Kind gute Noten schreibt, weil sie sich dann selbst besser fühlen.

Es gibt für Raffauf aber eine noch bessere Denkweise: Auch wenn das Kind mal sitzenbleibt, wird es seinen Weg finden. "Wenn das Kind nicht lernt, Schwierigkeiten zu meistern, dann kann es das später auch nicht. Es muss lernen, wie es damit zurechtkommt, wenn etwas nicht glattläuft", sagt die Psychologin. (dpa/af)

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