Potsdam (dpa/bb) - An Brandenburgs Schulen haben die Fehlstunden durch Krankschreibungen von Lehrern im vergangenen Jahr den höchsten Stand seit zehn Jahren erreicht.

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Das geht aus einer Statistik hervor, die das Bildungsministerium in Potsdam auf eine Anfrage aus der AfD-Landtagsfraktion hin veröffentlichte. Danach betrugen die Fehlstunden, die bis auf einen kleinen Teil nach Angaben des Bildungsministeriums durch andere Pädagogen oder Seiteneinsteiger ausgeglichen wurden, im Schuljahr 2018/2019 im Schnitt sieben Prozent des gesamten Stundensolls, rund 1,5 Prozentpunkte mehr als vor zehn Jahren.

In dieser Zahl sind die Ausfälle, die nicht durch Krankheit verursacht wurden, noch nicht enthalten. Einschließlich der Ausfälle durch Mutterschutz oder individuelle Beschäftigungsverbote liegt die Zahl nach Informationen von Lehrerverbänden bei über acht Prozent.

Werden weitere Fehlstunden hinzugerechnet, die etwa auf die Lehrer-Weiterbildung entfallen, ergibt sich ein Vertretungsbedarf von mehr als elf Prozent. Das zeigt: Die sogenannte Vertretungsreserve von drei Prozent, die die Schulämter vorhalten müssen, reicht nicht einmal, um die reinen Krankheitsfälle auszugleichen. Bisher haben die Lehrerverbände vergeblich eine Erhöhung dieser Personalreserve auf mindestens acht Prozent gefordert.

Wesentliche Ursachen des hohen Krankenstands sieht der Brandenburgische Pädagogen-Verband (BPV) in der Überalterung der Lehrerschaft sowie ihrer Überforderung. Vorwiegend aus Altersgründen schieden im vergangenen Schuljahr laut Bildungsministerium 991 unbefristet beschäftigte Lehrer und sonstiges pädagogisches Personal aus dem Schuldienst aus. Ein Jahr zuvor waren es 806 Beschäftigte, zwei Jahre zuvor 664.

Da in der Vergangenheit zu wenige Nachwuchslehrer wegen fehlender Studienangebote in Brandenburg ausgebildet wurden, müssen immer mehr sogenannte Seiteneinsteiger ohne Lehramtsstudium die Lücken füllen. Ende September dieses Jahres waren laut Ministerium bereits 14 Prozent aller Lehrkräfte an den Grundschulen Seiteneinsteiger.

Zwar hat die Landesregierung nach eigener Darstellung in den vergangenen Jahren einiges auf den Weg gebracht, um die Lehrer zu entlasten. Wie es in der Antwort des Ministeriums heißt, gehören dazu die Einstellung von Pädagogen als Beamte, eine höhere Besoldung, die Verringerung der wöchentlichen Pflichtstunden um eine Stunde, eine bessere arbeitsmedizinische Betreuung. Dennoch haben die durch Krankheit verursachten Fehlstunden zugenommen.

Die Lehrergewerkschaften fordern wirksamere Schritte, um die Belastung der Pädagogen zu verringern. Der BPV legte im Mai 2018 ein Konzept mit dem Titel "Bildungsqualität durch Fachkräfte stärken" vor, um Lehrer zu entlasten. "Getan hat sich seither nicht viel", sagte BPV-Präsident Hartmut Stäker. Er verweist auf andere Länder, wo die Zahl der Pflichtstunden bereits für Lehrer ab 55 Jahren verringert wird - in Brandenburg erst mit 60 Jahren.

CDU-Fraktionschef Jan Redmann sagte am Dienstag: "Wir brauchen dringend neue Lehrer in Brandenburg." Die rot-schwarz-grüne Koalition vereinbarte, den Bedarf an Lehrern sicherzustellen. Sie plant außerdem, kleinere Schulen vor allem auf dem Land vor der Schließung zu bewahren. Die Schließung von Schulstandorten solle ausgesetzt bleiben, bis es geeignete Lösungen zur Sicherung des Fortbestands gebe, heißt es in einem Antrag für die Sitzung des Landtags in der kommenden Woche.

Linken-Fraktionschefin Kathrin Dannenberg hält das allerdings für zu kurz gesprungen. Nötig sei ein Aktionsplan für guten Unterricht in allen Regionen. Sie strebt auch an, dass künftig wieder Richter und Staatsanwälte an Brandenburger Schulen Rechtskenntnisse vermitteln - freiwillig während der Dienstzeit. Das gab es schon einmal, war aber wegen der - noch immer bestehenden - engen Personalsituation zum Erliegen gekommen.  © dpa

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