Reservieren in der "Stalburg": Wenige Orte bieten eine so authentische Ebbelwei-Atmosphäre wie die Stalburg im Frankfurter Nordend. Die neuen Pächter scheinen sich dessen bewusst zu sein – und auch die Küche überzeugt.

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Die neue Stalburg in Frankfurt ist sich ihrer Tradition bewusst. Das wird schon klar, wenn man die Speisekarte aufblättert. Carl Theodor Reiffensteins Aquarell zeigt eine romantisch-verklärte Ansicht der mittelalterlichen Wasserburg, auf die die Gaststätte im heutigen Nordend zurückgeht. Seit 1879 wird in der Wirtschaft und im Garten Apfelwein ausgeschenkt – und das Gründungsjahr nimmt im neuen Logo der Stalburg selbstverständlich einen zentralen Platz ein.

Traditionsverbundenheit zeigen die neuen Pächter auch ansonsten – von der Gestaltung des Internetauftritts mit golden schimmernden Schoppen in gerippten Gläsern bis zur Speisen- und Getränkeauswahl, die alles bietet, was man von einer klassisch-gutbürgerlichen Ebbelwei-Wirtschaft erwarten darf. Vor allem aber ist den neuen Wirtsleuten anzurechnen, dass sie die historische, in dieser Originalität einmalige Gaststube nicht unnötig umgebaut oder anderweitig verschlimmbessert, sondern nur ordentlich durchgeputzt und aufgefrischt haben. Auch der von Platanen bestandene Garten ist belassen worden, wie er war, wirkt aber mit neuem Kies und blümchengeschmückten Tischen einen Tick freundlicher als früher.

Um so verwunderlicher, dass die Pächter um ihren Namen und gastronomischen Hintergrund ein Geheimnis machen. Dabei lässt sich schnell herausfinden, dass die Wirtsleute in Bad Homburg das Golfclub-Restaurant "Passions" betreiben. Auch der Investor, dem die Liegenschaft der Stalburg seit einigen Jahren gehört, scheut die Öffentlichkeit. Über die Gründe kann man nur spekulieren, aber es mag mit den im Viertel verbreiteten und durchaus berechtigten Sorgen vor Gentrifizierung zu tun haben. Die wurden auch laut, als die alte Stalburg zum Jahreswechsel schloss. Schon bald machten Gerüchte über einen Umbau zu luxuriösen Eigentumswohnungen die Runde.

Der Service ist freundlich, die Küche versteht ihr Handwerk

Für Skepsis sorgte auch, dass das angestammte Serviceteam in ziemlich unfreundlicher Manier vor die Türe gesetzt wurde - die Schlösser waren kurz vor dem geplanten Abschied ausgetauscht worden. Informationen zur Zukunft der Traditionsgaststätte gab es nur indirekt, nämlich durch Michael Herl, den Betreiber des im selben Haus ansässigen Stalburg-Theaters. Der sagte damals, die Wirtschaft bleibe für Jahre geschlossen, was danach passiere, sei ungewiss.

Dass es, zumindest vorerst, anders gekommen und die Stalburg seit ein paar Wochen wieder geöffnet ist, hat viele im Stadtteil und darüber hinaus erleichtert. Zumal der Service überaus freundlich ist, der Apfelwein von der Beerfurther Kelterei Krämer die Sinne erfrischt, und die Küche ihr Handwerk versteht: Der nur mit Öl, Essig und roten Zwiebeln angemachte Handkäs’ ist perfekt gereift, die Grüne Soße überzeugt mit feinen Kräuteraromen, die Rindsfrikadellen sind außen kross und innen locker, dazu gibt es hausgemachten Kartoffelstampf und eine nicht zu sparsam bemessene Salatbeilage.

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Auch über die Standards hinaus hat die Karte etwas zu bieten. Etwa die in Weckgläschen servierten "Frankfurter Tapas", diverse Salate, Forellen aus dem Taunus oder vegane Schnitzel. Erfreulich ist nicht zuletzt, dass die Preise in der neuen Stalburg moderat geblieben sind. Auch das gehört zur Apfelwein-Tradition.

Zur Stalburg Glauburgstraße 80, Frankfurt, Telefon 069 557934, Internet www.stalburg-frankfurt.de. Geöffnet dienstags bis freitags von 17 bis 23 Uhr, samstags und sonntags von 16 bis 23 Uhr  © Frankfurter Allgemeine Zeitung

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