Unterstützung für Ukraine: Das neue NATO-Hauptquartier zur internationalen Koordinierung von Waffenlieferungen und Ausbildungsaktivitäten für die ukrainischen Streitkräfte nimmt in der Clay-Kaserne in Wiesbaden die Arbeit auf.

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Mit einem neuen Kommando wird die NATO künftig von Wiesbaden aus die Waffenlieferungen und Ausbildungsaktivitäten für die ukrainischen Streitkräfte koordinieren. Die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten haben bei ihrem Gipfeltreffen in Washington jetzt den Beginn des Einsatzes beschlossen.

Standort des neuen Hauptquartiers ist die Clay-Kaserne im Stadtteil Erbenheim, in der eine ganze Reihe von zentralen amerikanischen Einheiten angesiedelt sind, darunter das Headquarter der US-Army für Europa und Afrika. "Ziel ist es, die Sicherheitsunterstützung für die Ukraine auf eine dauerhafte Grundlage zu stellen und somit eine verbesserte, vorhersehbare und kohärente Unterstützung zu gewährleisten", heißt es in der Gipfelerklärung zu dem neuen Kommando, das den Namen NSATU (Nato Security Assistance and Training for Ukraine) trägt. Es werde dazu auch die Transformation der ukrainischen Verteidigungs- und Sicherheitskräfte unterstützen und somit die weitere Verflechtung der Ukraine mit der Nato ermöglichen.

Die Koordinierung der Ukraine-Unterstützung wurde bisher federführend von den Vereinigten Staaten wahrgenommen. Das amerikanische Verteidigungsministerium hatte dort schon Ende 2022 sein Zentrum für die militärische Ukraine-Hilfe eingerichtet und die von einem Drei-Sterne-General geführte Security Assistance Group Ukraine (SAG-U) mit etwa 300 Soldaten stationiert. SAG-U fungierte seither als Hauptquartier und administrative Drehscheibe für die Lieferung amerikanischer Waffen und anderer Ausrüstung an die Ukraine.

Die logistischen Schritte werden über den US-Stützpunkt in Kaiserslautern realisiert, beim Training von ukrainischen Truppen spielen die großen Übungszentren in Grafenwöhr und Hohenfels in der Oberpfalz die wichtigste Rolle. Das neue NATO-Kommando soll ebenfalls von einem Drei-Sterne-General geführt werden, der direkt an den Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa berichtet. Im Wiesbadener Headquarter sollen den Plänen zufolge rund 700 Mitarbeiter im Einsatz sein, Deutschland will davon bis zu 40 Mitarbeiter stellen, darunter auch einen Zwei-Sterne-General als stellvertretenden Kommandeur.

Dass Wiesbaden Standort des neuen NATO-Kommandos geworden ist, ist für Beobachter keine Überraschung und erscheint folgerichtig: Zum einen bestehen mit der SAG-U schon die entsprechende amerikanische Strukturen für die Ukraine-Hilfe. Zum anderen geht es bei der Unterstützung der ukrainischen Truppen in erster Linie um landgestützte Hilfe, sprich Heeresgerät, bei dem das Wiesbadener Army-Headquarter die entscheidende Rolle spielt.

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Schließlich haben von Wiesbaden aus schon seit den ersten Monaten des Krieges Experten aus mehreren Dutzend Ländern den aufwendigen Transport von Waffen wie Flugabwehrraketen, Haubitzen, Drohnen und Artillerie von Westeuropa über Polen zu geheimen Orten in der Ukraine organisiert. Unterstützung beim Training von Truppen bekommt die Ukraine von Amerikanern und anderen NATO-Partnern schon seit vielen Jahren, insbesondere seit der Annexion der Krim durch Russland.  © Frankfurter Allgemeine Zeitung

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