"Wenn eine Großmutter kein Geld hat, um ihrem Enkelkind eine Kugel Eis zu bezahlen, dann sind das schon Schicksale, die einen betroffen machen", sagt Philipp Hackländer von der Schuldnerberatung des Diakonischen Werks Leverkusen.

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Solche Schicksale seien allerdings keine Einzelfälle, ergänzt Klaus Meier vom Beratungsdienst der Awo.

"Etwa drei Prozent der über 65-Jährigen sind verschuldet, in Leverkusen macht das über 1000 Menschen", rechnet Meier. Die Dunkelziffer sei dabei hoch. Das Hilfsangebot der Beratungsstellen nehmen allerdings nur ein Bruchteil der Betroffenen in Anspruch. Um mehr Menschen zu erreichen, haben Awo und Diakonie gemeinsam mit dem Sozialdienst Katholischer Männer daher nun ein trägerübergreifendes Angebot entwickelt, speziell für Seniorinnen und Senioren, die in finanziellen Schwierigkeiten stecken.

Vier von zehn Rentnern haben monatlich weniger als 1250 Euro netto zur Verfügung.

Sven Smit, Sozialdienst Katholischer Männer

In die Bredouille komme man schnell, vor allem im Ruhestand: Eine Rente von nur 40 Prozent des vorherigen Bruttolohns, unerwartete Ausgaben, zum Beispiel für Medikamente und gestiegene Energie- und Lebenshaltungskosten bereiten finanzielle Sorgen. "Vier von zehn Rentnern haben monatlich weniger als 1250 Euro netto zur Verfügung", sagt Sven Smit vom Sozialdienst Katholischer Männer.

Wenn dann neben Miete und Lebensmittelkosten noch zu tilgende Kredite vorhanden sind, komme es schnell zu einer Überschuldung und Altersarmut. Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben werde dann noch schwieriger, sodass Überschuldung zusätzlich noch zu sozialer Isolation führe. Aufgrund der demografischen Entwicklung gehen die drei Fachleute davon aus, dass die Anzahl der überschuldeten Seniorinnen und Senioren in den kommenden Jahren stark zunimmt.

Aus Scham, Scheu und Angst neige aber gerade diese Altersgruppe dazu, sich trotz Zahlungsunfähigkeit nicht auf die Hilfe von außen einzulassen. "Sie wollen keinem zur Last fallen", so Meier. Hinzu kommen weitere Barrieren. Manchmal wissen sie nichts von den Angeboten, manchmal können sie die Beratungsstellen aufgrund von eingeschränkter Mobilität nicht aufsuchen.

Schuldnerberatung in Leverkusen: Mobiles Angebot für ältere Menschen

Durch das Projekt "Schuldenfrei im Alter" und die Förderung der Stadt könne zumindest diese Hürde nun aber umgangen werden. Falls notwendig kommen die Beratungsungskräfte – zum Teil sind das auch Ehrenamtliche – zu den Betroffenen nach Hause. Bisher sei das nicht möglich gewesen. Auch wichtig: Das Angebot ist nicht nur kostenlos, sondern auch vertraulich. Die Mitarbeitenden unterliegen der Schweigepflicht.

Geholfen werde etwa bei der Erstellung eines Haushaltsplans, Erstellung von Anträgen und Prüfung von Forderungen. "Wenn die Mittel knapp sind, lohnt es sich, über alles mal drüberzuschauen", so Smit. Sind noch alle Versicherungen sinnvoll? Gibt es einen günstigeren Telefonanbieter? Manchmal gehe das auch über das Finanzielle hinaus.

Neben den Beratungen gehe es dem Team auch um den Aufbau eines Netzwerkes: "Im Rahmen von mehreren Informationsveranstaltungen wenden wir uns an Menschen, die gegebenenfalls Kontakt mit Betroffenen haben: Freunde, Nachbarn, Familie, ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeitende in der Seniorenarbeit."

Die nächste Informationsveranstaltung findet am 15. August von 14.30 bis 16.30 Uhr in der Seniorenbegegnungsstätte "Am Aqulia-Park" in Küppersteg statt.

Kontaktdaten der Beratungsstellen

Sozialdienst Katholischer Männer Leverkusen:
Rat-Deycks-Str. 15-17, 51379 Leverkusen, Telefon: 02171 - 39 94 80, Mail: schuldnerberatung@skm-leverkusen.de

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Awo Beratungsdienste:
Tannenbergstraße 66, 51373 Leverkusen, Telefon: 0214 - 60 27 455, Mail: k.meier@awo-beratung.de

Diakonisches Werk:
Pfarrer-Schmitz-Straße 9, 51373 Leverkusen, Telefon: 0214- 382732, Mail: philipp.hacklaender@diakonie-leverkusen.de  © Kölner Stadt-Anzeiger

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