Chemnitz (dpa/sn) - Der digitale Wandel führt nach Einschätzung von Experten zu mehr spezialisierten Freiberuflern auf dem Arbeitsmarkt.

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Immer mehr große und kleine Unternehmen setzten für IT-Projekte auf sogenannte Freelancer, sagte Franziska Schork vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) Sachsen. "Viele Freiberufler haben ein bestimmtes Wissen, das für die Unternehmen nicht immer wichtig ist - aber eben manchmal."

So holten sich etwa Firmen projektbezogen einen selbstständigen Ingenieur oder Entwickler für ein spezielles Projekt ins Haus. "Genau das wird künftig gerade im verarbeitenden Gewerbe und dort, wo Innovation gefragt ist, immer wichtiger", erklärte Schork. Die IAB-Expertin geht davon aus, dass sich im Bereich der Freelancer bestimmte Berufsgruppen entwickeln - angelehnt an die technologische Entwicklung. Somit könnte es künftig verstärkt selbstständige Influencer, Blogger, App-Entwickler, E-Sport-Profis oder Online-Personaler geben.

Laut Freelancer-Kompass 2019 sind die meisten Freiberufler männlich, hoch qualifiziert und im Schnitt 47 Jahre alt. Der Stundenlohn liegt im Schnitt bei etwa 94 Euro. In Sachsen sind es 77 Euro - damit liegt der Freistaat im Bundesvergleich auf dem vorletzten Platz.

Zwar geht die Zahl der Existenzgründer in Sachsen seit Jahren zurück. Frank Vollgold von der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit schätzt aber, dass die Zahl der Solo-Selbstständigen in den nächsten Jahren in Sachsen wieder zunimmt. "Weil es der technische Fortschritt ermöglicht."

So würden etwa zunehmend Aufträge in Echtzeit über Apps oder vom heimischen Computer aus vergeben - "und auch über diese digitalen Wege angenommen." Dabei sank 2018 die Zahl der Existenzgründungen aus der Arbeitslosigkeit auf rund 1400 im Freistaat - und damit auf ein historisches Tief. 2004 machten sich noch rund 26 300 Menschen in Sachsen selbstständig.

Künftig könnte es wie selbstverständlich zum Berufsbild der Ingenieure oder im IT-Bereich gehören, als Freiberufler zu arbeiten, bemerkte Schork. Die Arbeitsfelder seien breitgefächert - ob im Online-Handel, im Social-Media-Bereich als Moderator oder auch Recruiter, die das Internet auf der Suche nach geeignetem Personal durchforsten und von Provisionen leben.

Laut KfW-Gründungsmonitor entscheiden sich die meisten Selbstständigen nicht aus der Not heraus für eine Existenzgründung, sondern weil sie in diesem Schritt eine Chance sehen. Bei Neugründungen im vergangenen Jahr waren sieben von zehn Gründern "soloselbstständig", die Hälfte von ihnen Digitalgründer, berichtete Schork.

In der Rangliste der Gründungstätigkeit steht Berlin an der Spitze. In Sachsen haben im Schnitt von 2016 bis 2018 von 10 000 Erwerbsfähigen jährlich 106 Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Damit landet Sachsen im bundesweiten Vergleich auf dem 9. Platz.  © dpa

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