Angeblich ist es beim Skifahren ähnlich wie beim Fahrradfahren: Einmal gelernt, vergisst man es nie. Tatsächlich? Ich habe als unsportliche Mitvierzigerin den Wiedereinstieg nach zwanzig Jahren gewagt – im Pitztal, wo das höchstgelegene Skigebiet Österreichs noch bin ins Frühjahr Fahrer anlockt.

Skischule für Wiedereinsteiger

Gleißend hell ist die Sonne und lässt die Schneekristalle auf der weiß überpuderten Landschaft glitzern. Tellerlifte und Sessellifte rattern, dazwischen wedeln bunte Punkte die Landschaft hinab. Nervosität, Zweifel und das Gefühl, vielleicht einen blöden Fehler gemacht zu haben, steigen in mir auf. Doch das alles verflüchtigt sich langsam aber sicher, als wir an der Bergstation aussteigen.

Rudi Tangl, mein Skilehrer, versprüht Zuversicht und gute Laune. Hier im Pitztal arbeitet er für eine der wenigen Skischulen in der Alpenrepublik, die sich besonders auf Wiedereinsteiger spezialisiert haben.

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Ski-Wiedereinstieg nach zwanzig Jahren

Nach zwanzig Jahren wieder Ski-fahren? Kein Problem. Im Pitztal gibt es extra Ski-Schulen für Wiedereinsteiger.

"Kein Stress, wir machen langsam, du sollst das genießen." Als Mitfünfziger hat Rudi viel Erfahrung mit Wiedereinsteigern gesammelt und macht sich schlau über meinen Wissensstand: "Wie oft bist Du schon Ski gefahren, wie lange ist das her?"

Herausforderung Ski-Lift

Das war in meiner Studienzeit vor zwanzig Jahren, nur zwei Winter lang. Ob das reicht? Ungeschickt stakse ich rüber zur Anfängerpiste, Rudi trägt die Skier, ich die Stöcke. Ups, ein Tellerlift, wie war das nochmal?

Ich muss die Frage gar nicht formulieren, da legt mein Lehrer schon los: "Nicht hinsetzen, nur dagegen lehnen. Oben beim Ausstieg schnell die Bahn freimachen für die Nachkommenden, aber keine Sorge: Ich bin direkt hinter Dir, da kann nix passieren."

Jetzt im November ist für viele vielleicht die schönste Jahreszeit, um in die ungarische Hauptstadt zu reisen.

Den Lift betreut ein uriger Typ mit Vollbart, Rudi und er begrüßen sich herzlich mit Schulterklopfen. Ich höre Tirolerisch mit amerikanischem Akzent. Das sei hier schon etwas anderes als seine alte Heimat Manhattan, sagt der Bärtige.

Und was hat ihn dann ins beschauliche Pitztal verschlagen? "Die Liebe natürlich, die Liebe, was sonst?", sagt er mit breitem Vollbartgrinsen und reicht mir den am Seil hängenden Sitzteller.

Oben angekommen fühle ich mich ein wenig wackelig auf dem Ski, selbst der Schneepflug ist noch ziemlich verkrampft. Doch wir kommen irgendwie runter und es gelingt mir tatsächlich zu bremsen. Abfahrt für Abfahrt sind Fortschritte da, Rudi ist voll des Lobes.

Und ich werde immer lockerer. Nur leider hat die Verkrampfung zu Anfang dafür gesorgt, dass meine Beinmuskeln sich bemerkbar machen. Rudi hat das schon längst gemerkt: "Brauchst du eine Pause? Lieber eine Abfahrt zu früh pausieren als zu spät, sonst geht der Spaß flöten."

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Wohltuende Pause

Dazu hat seine Skischule extra eine Relax-Lounge auf dem Gelände der Schneesportschule im Hochzeiger-Skigebiet eingerichtet. Die Pause tut gut, wir klönen über Gott und die Welt. Ich erfahre, dass Rudi Halbspanier ist, fließend Spanisch spricht und früher die Sommermonate auf der Südhalbkugel als Skilehrer gearbeitet hat, meist in Argentinien und Chile.

Und auch ermutigende Geschichten von Anfängern und Wiedereinsteigern erzählt er: "Letztes Jahr hat eine 72-jährige Deutsche bei uns das Skifahren gelernt und hatte viel Spaß dabei. Sie war nicht einmal die Schwächste im Anfängerkurs, im Gegenteil."

Der Genuss soll beim Neu- und Wiedereinstieg besonders im Vordergrund stehen. Die Gründe, warum Menschen lange Zeit mit dem Skifahren pausiert haben, sind vielfältig.

Oftmals hat der Partner mit Skifahren nichts am Hut oder es gab eine Verletzung oder die Kinder waren noch zu klein. So ähnlich war es auch bei mir. Und während wir so quatschen, haben sich die Füße und Beine wieder erholt, auf geht’s zur nächsten Abfahrt.

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Wichtige Grundlagen

Rudi erklärt, dass ich die Neigung habe, den Oberkörper zu drehen. Meine Schokoladenseite kannte er sowieso schon nach wenigen Minuten und hat die ganze Zeit verstärkt mit mir Kurven geübt, die die andere Seite beanspruchen. Ich merke, dass ich schon damals vor zwanzig Jahren, die Grundlagen nicht richtig beigebracht bekommen habe.

Solange man auf relativ flachem Terrain unterwegs ist, stört das nicht weiter, aber wenn es an die steilen Pisten und höheren Geschwindigkeiten geht, rächen sich solche Fehler irgendwann, erklärt mein Coach.

Natürlich machen wir schneller Fortschritte als wäre ich blutiger Anfänger, aber der Schneepflug bleibt die Basis: "Solltest Du Dir noch einmal einen Skilehrer für Wiederanfänger nehmen und er fängt gleich mit Parallelfahren an: Such Dir gleich einen neuen", sagt Rudi.

Am nächsten Tag geht es wieder mit dem Skibus zur Talstation. Als wir oben auf dem Berg sind, steigen bunte Menschenmassen aus und ergießen sich auf die umliegenden Pisten. Ich selbst begebe ich mich mit Rudi wieder auf den Anfängerhügel. Heute üben wir weiter:

Fahren ganz ohne Skistöcke, Gewicht auf dem Talski, langsam aufrichten, Gewicht umverlagern, Kurve und nun wieder das Gewicht auf dem Talski, Knie und Hüfte nach innen beugen. Wahnsinn, wie jede Abfahrt flüssiger wird und dazu lacht die Sonne auf die weiße Puderlandschaft. "So", sagt Rudi. "Jetzt bist Du soweit, um es auf der echten Piste zu probieren!"

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Gar nicht so einfach!

Auch das ist nicht mehr so einfach wie damals vor zwanzig Jahren. Da erschien mir die blaue Piste nicht so schwer, jetzt komme ich bei den steileren Abschnitten schon ins Schlittern. Und dann sind da die "Raser", die in einem Affentempo an mir vorbeisausen, ohne Rücksicht. In meiner Erinnerung war das damals vor zwanzig Jahren auch irgendwie zivilisierter.

Doch nach und nach werde ich in den kommenden Tagen sicherer. Die Erholungspausen sind unglaublich wichtig, um die Lust nicht zu verlieren. Abends genieße ich die Kombination aus Wellness und Skifahren.

Wenn die müden Muskeln mit einer Massage-Dusche, im Whirlpool oder in der Sauna aufwärmen und der Schmerz nachlässt, herrlich! Wir lassen den Kurs sanft ausklingen, genießen die letzten Abfahrten. Und heimlich still und leise ist sie wiedergekommen, jeden Tag ein bisschen mehr: die Freude am Gleiten über den weißen Pulverschnee.

Wiedereinstieg im Pitztal:

Das Pitztal gehört nicht zu den großen Skigebieten und ist daher auch kein Urlaubstal, in dem man jeden Tag eine andere Piste fahren könnte. Auch Luxus-Winter-Shoppingurlauber oder Partyskifahrer werden hier kaum fündig.

Dafür gibt es aber auch keinen Massentourismus in dem kleinen, aber feinen Skigebiet mit beschaulichen Dörfern. Zudem gibt es Schneesicherheitvom Herbst bis ins Frühjahr hinein. Spezielle Kurse für Wiedereinsteiger bietet die Skischule Hochzeiger.

Hinkommen:

Der nächste Flughafen liegt in Innsbruck, von dort geht es per Bahn oder Hotel-Shuttle weiter. Die günstigste Bahnverbindung führt nach Imst, der Postbus bringt alle Gäste vom Bahnhof aus gratis ins Pitztal. Wer mit dem Auto anreist, fährt über die A7 in Richtung Süden bis Füssen und anschließend über die Bundes- und Landstraße in das kleine Tal.

Übernachten:

Nur rund 8300 Gästebetten warten im Pitztal auf die Besucher. Trotzdem gibt es 19 Hotels im 4-Sterne-Bereich auch für die anspruchsvolleren Gäste. Mein Tipp: das Hotel Wildspitze mit seinem großem Wellnessbereich.

Einkehrtipp:

Das Café 3440 liegt über dem Skigebiet des Pitztaler Gletschers und ist das höchstgelegene Café Österreichs – mit fantastischer Aussicht auf die schneebedeckten Wipfel der umgebenden 3000er.

Andrea Lammert (Bild) gehört wie Anke Benstem, Silke Haas, Sandra Malt, Dörte Saße und Iris Schaper zum Bloggerteam Reisefeder. Die Journalistinnen und Reisebuchautorinnen schreiben über Reisen in alle Welt. Der Schwerpunkt liegt auf der Nachhaltigkeit.