Wir stehen Anfang März am Strand von Baluden, einem der wenigen Strände an der Cote Sauvage, der wilden Südwestseite der Belle-Ile. Nach Schwimmen steht uns nicht der Sinn, auch wenn die Sonne heiß vom blauen Himmel brennt.

Belle-Ile bietet mit Leuchttürmen und Fischern viel Meeres-Romantik.

Haushohe Wellen, leuchtend grün schimmernd, rollen unaufhörlich an den Strand. Es ist einsam so früh im Jahr, nur eine französische Familie ist noch in unserer Nähe. Die Wellen türmen sich auf, brechen in Zeitlupe und donnern gegen die Klippen. Nach einer besonders hohen Welle hüllt uns eine Wolke aus Gischt ein. Tief ziehen wir den salzigen Nebel in unsere Lungen, das tut richtig gut. Wir klatschen zu zehnt begeistert in die Hände, applaudieren sozusagen der unglaublich gewaltigen Aufführung, die das Meer da gerade bietet.

Der Entschluss, der Belle-Ile-en-Mer einen Besuch abzustatten ist lange gereift. Immer, wenn wir die großen Wellen an der Cote Sauvage der Halbinsel Quiberon bewunderten, wollten wir auch noch weiter hinaus zur "schönen Insel". Endlich folgen wir relativ kurzfristig dem Lockruf der Leuchttürme und der berühmten Klippen der Cote Sauvage auf der Belle-Ile-en-Mer. Wir planen zwei Wochen im März, um dem Touristenansturm des Sommers aus dem Weg zu gehen.

Buchung von Ferienwohnung und Fähre per Internet

Die Suche nach einer Ferienwohnung ist nicht einfach. Zum einen werden nur wenige Ferienwohnungen in der Vorsaison angeboten, zweitens funktioniert die Buchung nicht per Internet. Telefonieren ist angesagt, und wir haben nur rudimentäre Französischkenntnisse. Wir schaffen es trotzdem, mit einem deutsch-französisch-englischen Kauderwelsch plus Email-Einsatz, eine Wohnung zu ergattern. Auch die Fährgesellschaft müssen wir extra kontaktieren, da unser VW-Bus keine Standard-PKW-Abmessungen hat. Auch hier dürfen wir Name, Adresse und Kreditkarteninfo ins Telefon buchstabieren. Google sei dank klappt auch das.

Ein frischer Duft von Croissants weht durch die Gassen

Als wir am Abend müde in unserer Ferienwohnung auf dem Plateau über dem Städtchen Sauzon eintrudeln, finden wir ein geschmackvoll eingerichtetes, modernes Appartement vor. Wir werden bei der Ankunft von Sofi begrüßt, sie spricht nur französisch, aber ein Laptop steht schon auf dem Tisch. Sie lacht auf, als sie das Grinsen auf unseren Gesichter sieht. Die Konversation ist lustig, mit Hilfe des PCs schaffen wir es spielend, alle wichtigen Informationen auszutauschen. Zum Abschied werden wir herzlich gedrückt und geküsst - ja, wir sind in Frankreich und das ist auch gut so!

Jeden Morgen gehen wir die steilen Straßen und Treppen hinunter in den Ort zur Boulangerie und klettern beladen und von frischen Baguette- und Croissantdüften umweht, wieder hinauf für ein köstliches Frühstück. So göttlich können Croissants nur in Frankreich schmecken - wir genießen jeden Bissen.

Hinterher brechen wir auf Entdeckertour auf. Besonders die Südwestküste, die Cote Sauvage, hat es uns angetan. Steile Klippen und fantastische Felsnadeln, hie und da unterbrochen von geschützten Badebuchten erwarten uns. Die Wanderung entlang der Klippen ist anstrengend. Wir klettern enge Pfade hinunter zu den Stränden und dann geht es wieder steil hinauf. Das wilde Meer, hoch aufragende Felsen, das Donnern der Brandung, verbunden mit dem Geschrei der Möwen und dem Geruch nach Salz entschädigen tausendfach für diese Mühen.

Die beiden Fotografen waren schon lange vor ihrer Familiengründung ein reisebegeistertes Team. Sind die Reicherts zwischen ihren Touren daheim, geben die beiden auf ihrem Blog "5 Reicherts" Tipps zur Kameratechnik und Anregungen für die Reisefotografie.

Die wilde Küste der Belle-Ile-en-Mer

Im Norden der Insel steht der Phare de Pointe du Poulain. Wir kennen die atemberaubenden Fotos von Plisson und möchten den Leuchtturm auch am liebsten im Sturm sehen. Das Wetter spielt nicht mit, es ist windstill und warm. Doch nach ein paar Tagen tobt das Meer auch ohne Wind! Schon aus zwei Kilometern Entfernung können wir sehen, wie die Gischt über die hohen Klippen schießt. Beim Leuchtturm von Poulain müssen wir aufpassen - die Landzunge, die zu ihm führt, wird bei Flut überspült.

Etwas ruhiger geht es an der dem Festland zugewandten Küste zu. Am nächsten Tag spazieren wir über ausgedehnte goldene Sandstrände. Keine Menschenseele ist zu sehen. Barfuß laufen wir über den feinen, sonnenwarmen Sand. Wir lassen unsere Beine von den kalten Wellen umspülen.

Die Fischerstädtchen Sauzon und Le Palais sind kleine Schmuckstücke. Die Häuser sind alle frisch gestrichen, viele Malerfahrzeuge stehen noch in den Straßen. Charakteristisch sind die farbig umrahmten Fenster und die bunten Fensterläden. In den gewundenen Gassen geht es geruhsam zu. Niemand scheint es eilig zu haben. Nur wenn die Fähre vom Festland im Hafen anlegt, wird es kurze Zeit geschäftig und laut. Immer wieder laufen auch Fischerboote in den Hafen ein. Der Fang wird vor Ort ausgenommen, was die Möwenschar freut, die sich begeistert und mit viel Gekreisch auf die weggeworfenen Innereien stürzt.

Eine kleine Whiskydestillerie

In den engen Gassen von Le Palais sehen wir eine kleine Whiskydestillerie. Der kupferfarbene Kessel steht im Verkaufsraum, es ist die kleinste Destillerie, die wir je gesehen haben. Wir fangen das Gespräch mit unserem löchrigen Französisch an, schwenken aber schnell auf Englisch um. Der Inhaber merkt schließlich, dass wir Deutsche sind und spricht dann Deutsch. Wir finden es lustig, dass der Besitzer Müller heißt. Er lädt uns zu einer Whiskyprobe ein. Der Whisky schmeckt ganz anders als der in Schottland. Milder, aber trotzdem rauchig.

Wir haben Glück mit dem Wetter, nur am letzten Tag ziehen dunkle Gewitterwolken über dem Atlantik auf und sorgen für dramatische Weltuntergangsstimmung. Ein gelungener Schlusspunkt von zwei Wochen voller Aktivitäten und Eindrücke, die uns extrem gut getan haben.

Schweren Herzens besteigen wir tags darauf die Fähre zum Festland. Wir wären gerne noch viel, viel länger geblieben, wie damals Claude Monet, der eigentlich nur fünf Tage auf der Belle Ile malen wollte, dann aber mehrere Monate blieb und immer wieder zurückkam. Wir können seine Begeisterung für diese Insel nachvollziehen. Die Klippen, die Landschaft und die ständige Bewegung der Wellen sind Nahrung für die Seele - wir können einfach nicht genug davon bekommen. Wir werden ganz sicher auch wieder kommen!

Praktische Tipps:

Reisezeit: Circa 5000 Menschen leben ganzjährig auf der Belle Ile, im Sommer besuchen etwa 30.000 Touristen die Insel! Wir fanden die Nebensaison Anfang März ungemein erholsam, da die Insel dann sehr ruhig, die Wellen aber eventuell noch sehr wild sind.

Die Fähre ist mit einem Fahrzeug sehr teuer, daher macht es Sinn länger zu bleiben. Ist das Fahrzeug unter 1,9m kann man sie im Internet buchen.

Unterkünfte findet man über die Seite der Belle-Ile-en-Mer oder über Ferienhausagenturen im Internet.