"Hier gibt es ja gar keine schwarzen Strände!" Buchten mit feinem, weißem Sand liegen mir zu Füßen – eingerahmt vom tief rotbraunem Gestein.

Unterwegs auf der zweithöchsten befestigten Fernstraße der Welt.

Es ist mein dritter Tag auf Lanzarote, als ich auf dem Plateau über dem wunderschönen und menschenleeren Papagayo-Strand stehe. "Das liegt an den Kreuzfahrttouristen, die Lanzarote mit schwarzem Sand verbinden, weil die nur zu diesen Stränden gefahren werden. Wir haben vier, fünf solcher Strände, der Rest ist weißer Sand", klärt mich Ronny, unser chilenischer Guide, auf.

Die 25 Millionen Jahre alte Bergkette taucht an dieser Stelle ins Meer ab, um bei Fuerteventura wieder aufzusteigen. Das Meer zwischen diesen beiden kanarischen Inseln ist nicht tief. Immer wieder wird in den nächsten Tagen das Wort Vulkanismus fallen, der Lanzarote wie alle anderen Inseln Makaronesiens hervorbrachte. Über 100 Vulkane und 300 Krater prägen noch heute die Landschaft der viertgrößten und zugleich ältesten kanarischen Insel.

Überall auf Lanzarote finden sich die roten Felsen und sogar grüne Lagunen.

Krater, Lavaltunnel und Schlote

"ʻAʻā" deutet Ronny rechts hinüber auf ein Lavafeld, als wir wieder im Auto sitzen. Dann erklärt er, dass es drei verschiedene Lavasorten auf Lanzarote gibt. ʻAʻā stammt von Hawaii, wo ʻAʻā wie ein Aua für brennend, feurig, steinig verwendet wird. Dass die Lava weh tut, wenn man darüber läuft, kann ich mir durchaus vorstellen. Links hingegen finden wir die Picón-Lava, die aus 5-10 mm großen Stücken besteht und ganz schön pikst.

Doch testen werden wir das nicht, was Ronny uns so erzählt, denn im Nationalpark Timanfaya ist Aussteigen untersagt. Die karge Kraterlandschaft der Feuerberge, die einer Steinwüste gleicht, sind Folge schwerer Vulkanausbrüche im 18. Jahrhundert, die viele Ortschaften unter ihre Lavaströme begruben – darunter auch Timanfaya, nach dem der heutige Nationalpark benannt wurde. Wo einst fruchtbares Land war, fahren heute Touristen zu den Klängen von Strauss, Mozart und Co. auf der 14 km langen Ruta de los Volcanes durch eine Mondlandschaft mit Kratern, Lavatunneln und Schloten. Was leblos wirkt, birgt doch so viel Leben. Und so deutet Ronny begeistert auf die Vulkankegel mit Flechten. Nachts ziehen diese viele Insekten an. Und auch der Staub, der aus der Sahara auf die Insel geweht wird, ist voller Leben.

Um die Landschaft vor der Unvernunft der Menschen zu schützen, werden die Autos auf einem Parkplatz zurückgelassen – die Durchfahrt auf dieser Straße ist nur noch mit einem Bus möglich. Und so winden sich die großen Gefährte durch die aufgewölbte Landschaft, die Maulwurfhügeln gleicht. Und doch sieht man die Busse nur selten. Denn an dieser Stelle kommt wie so häufig auf Lanzarote César Manrique ins Spiel.

Der bekannteste Künstler der Insel, der das Erscheinungsbild Lanzarotes wie kein anderer prägte, ließ die Straße so durch den Park bauen, dass die Fahrzeuge den Blick über die Krater nicht stören und für den Besucher unsichtbar bleiben. Manriques weiteres Werk ist gleich am Startpunkt der Runde zu bewundern – das Restaurant El Diablo auf dem Islote de Hilario scheint Teil des Vulkangesteins zu sein. Von hier lässt sich die Vulkanlandschaft durch die halbrunde Glasscheibe beim Mittagessen genießen. Und die Hitze des unterirdischen Vulkans bekommt man auch gleich zu spüren, denn im El Diablo bekommt man gewiss keine kalten Füße. Auch das Fleisch wird über einem Vulkangrill gebraten während vor dem Restaurant kleine Experimente durchgeführt werden.

Früher wollte Madlen Brückner nach Berlin, heute in die Welt. Sie sehnt sich immer nach dem, was sie nicht hat. Das lernte sie bereits in ihrer Kindheit östlich der Mauer. Sehnsüchte wurden zur Sucht. Ihr Blog "puriy unterwegs" soll den Blick für das Andere öffnen, um die Welt bewusst zu erleben.

Dromedare auf Lanzarote

Auf unserem Rückweg kommen wir noch einmal an einem Parkplatz vorbei – wo vorhin viele Reisebusse hielten, sind wir nun die einzigen. Vor uns haben sich Dromedare in zwei Linien aufgereiht, deren Rücken hölzerne Sättel zieren. Nein, wir wollen nicht wie eine Karawane durch die Vulkanlandschaft schaukeln. Vielmehr interessiert mich, wie die Dromedare auf die Kanaren gekommen sind. 115 km trennen Lanzarote von der afrikanischen Küste, da liegt das Boot doch nah. Vor 600 Jahren kamen sie an Bord oder hinter dem Boot hergezogen über den Atlantik auf die Kanaren. Inzwischen haben sich die Dromedare an die Klimabedingungen hier angepasst. In den Sätteln der Dromedarios majoreros lassen sich nun tagein und tagaus hunderte Touristen nieder, um sich das Stück der Insel zu erschließen.

Wir verlassen die Feuerberge und stehen nur eine halbe Stunde später auf einer Anhöhe am Meer. Hinter uns liegen die weißen Häuser vom kleinen Fischerdorf Las Casas de El Golfo. Ein Souvenirverkäufer am Parkplatz bietet grüne Olivin-Steine an. In einer kleinen Bucht liegen bunte Fischerboote am Strand. "Hier wurde erst kürzlich für den Mango-Katalog geshootet", ruft mir Ronny zu. Die Gegend ist sehr beliebt für Shootings und Drehs – auch für Moby Dick diente dieses Setting als Kulisse.

Am Ende des Weges, der erhöht liegt, bietet sich nicht mehr nur der Blick auf den Strand, sondern auch auf eine smaragdgrün leuchtende Lagune, über die Möwen kreisen. Sie speist sich aus dem Atlantikwasser, das sich durch den Sand des Strandstreifens seinen Weg bahnt. Kaum zu glauben, dass wir hier auf einem Kraterrand stehen. Die grüne Lagune von El Golfo wird noch von einem sichtbaren Rand umsäumt, doch Richtung Meer ist die zweite Hälfte des Kraters längst unter Wasser. Lanzarote ist zwar eine Insel der wenigen Farben, doch umso intensiver erstrahlen das Rotbraun, das Tiefblau, das Weiß, das Schwarz und hier nun das Grün und lassen die Konturen noch klarer erscheinen.

Sie sind Blogger/Bloggerin und möchten Ihre Beiträge gern bei uns veröffentlichen? Melden Sie sich unter redaktion@1und1.de.