Die Einwohner des Nestes behaupten von sich, sie würden ziemlich genau in der Mitte von Nirgendwo leben. Sowohl nach Brisbane im Nordosten als auch nach Sydney im Südosten sind es rund 750 Kilometer. Der Ort heißt Lightning Ridge und hatte bei der Volkszählung vor eineinhalb Jahren fast 2.300 Einwohner.

Paul Hogan wurde 1939 hier geboren - der Schauspieler, der in der Rolle des "Crocodile Dundee" bekannt geworden ist. Genau wie Murwillumbah, der Ort des RTL-Dschungelcamps, liegt auch Lightning Ridge im Norden des Bundesstaates New South Wales, nicht weit von der Grenze zu Queensland.

Anders als die "Stars" im Dschungelcamp befindet sich aber der Geburtsort von Paul Hogan im Outback. Eben mitten im Nirgendwo. Wenn einer der Darsteller der RTL-Show versuchen würde aus dem Camp zu entkommen: kein Problem, zur dicht besiedelten Küste sind es knapp 25 Kilometer, zum nächsten internationalen Flughafen "Gold Coast Airport" noch fünf Kilometer mehr.

Eine Hauptstadt mit nur 2.300 Einwohnern?

Brisbane, das ist bekannt, ist die Hauptstadt von Queensland, Sydney die von New South Wales. Auch Lightning Ridge mit seiner sehr überschaubaren Einwohnerzahl bezeichnet sich als "Hauptstadt". Als Opal-Hauptstadt. Immerhin gibt es hier das weltweit größte Vorkommen an schwarzen Opalen.

Das mit dem "Hauptstadt-Titel" ist auch nicht so ganz eindeutig. Der Ort Coober Pedy (1.750 Einwohner, rund 2.000 Kilometer westlich) nimmt diesen Titel auch in Anspruch - nur, dass die Opale dort nicht schwarz sind.

Das Thermometer zeigt knapp über 40 Grad an. Hochsommer im Outback. Der Pub ist voll, das Bier ist eiskalt und wird zusätzlich in Gläsern ausgeschenkt, die vorher etliche Stunden in der großen Tiefkühltruhe gelegen haben. Die meisten Tische stehen im Freien, irgendwo in der Ecke versucht sich eine Band an Songs von den Eagles.

Alle paar Minuten im Nebel? Großartig!

Über den Gästen erstreckt sich ein dünnes Geflecht aus Rohren. Alle paar Minuten fällt ein feiner Wassernebel auf die Menschen herab. Eine angenehme Abkühlung, die jedes Mal mit lautem, kollektivem Aufatmen begrüßt wird. Frische Kühle und keine Mücken.

Wenn man lieber warmes Wasser am Körper spüren möchte, sind es nur ein paar Minuten zu Fuß. Vorbei am Schwimmbad mit (tatsächlich) olympischen Abmessungen und noch ein wenig in Richtung Nordosten finden wir die großen Becken mit heißem Wasser.

Gespeist aus artesischen Brunnen tritt Wasser mit einer Temperatur zwischen 40 und 50 Grad aus. Da gibt es zwar noch keine Verbrennungen - einfach reinspringen geht für mich aber ganz und gar nicht. Vielleicht im nächsten Winter.

"Abtauchen" in die Minen

Selbst in der größten Sommerhitze gibt es in und um Lightning Ridge immer Orte, an denen die Temperatur das ganze Jahr über durchgehend zwischen 20 und 25 Grad liegt. In den Opalminen.

Beim Wort "Mine" könnte man an Bergwerke mit großen, weiten Schächten und Stollen denken, an Fördertürme, Schienenfahrzeuge und enorme Tiefen. Das trifft hier alles nicht zu. Der selbst ernannte Bergmann bohrt ein senkrechtes Loch in die Erde. Das kann fünf Meter tief sein oder zehn. Normalerweise nicht mehr als 15 Meter.

Unten wird dann eine Kaverne, eine Art Höhle, gegraben, von der aus man sich Stück für Stück mit der Spitzhacke und dem Spaten weiterarbeitet. Dabei immer schön aufpassen, dass man nicht gerade den Opal zerhackt, nach dem man eigentlich sucht.

Das Geschäft ist hart, fast jeder darf mitmachen - und einige werden reich

Später, wenn dann das erste Geld verdient ist, kann man sich kleine Maschinen kaufen, um hoffentlich aus wenig Geld irgendwann viel Geld zu machen. Ein einfaches Geschäft ist es jetzt nicht mehr. Die Zahl der Opale in Lightning Ridge (und auch in Coober Pedy) ist zurückgegangen, doch neue Schürfgebiete sollen erschlossen werden.

Fleißig sind die unabhängigen Bergleute auf jeden Fall - doch wie erfolgreich sie sind, wird keiner von ihnen erzählen. Sicher ist, dass die Juweliergeschäfte in Lightning Ridge und anderswo in Australien noch immer viele, große und manchmal wunderschöne Opale in den Auslagen haben. Irgendwo müssen die ja herkommen.

Wenn man bedenkt, dass nur rund fünf Prozent aller weltweit geförderten Opale nicht aus Australien stammen, dann kann man wohl davon ausgehen, dass sich die Suche noch immer lohnt.

Gebrauchtwagen oder eigenen Claim? Das ist hier die Frage

Eine Lizenz dafür zu bekommen ist inzwischen ganz einfach. Für einen mittleren vierstelligen Dollarbetrag kann man seinen Claim pachten und dort jahrelang nach Herzenslust hacken und graben. Doch erfolgreich ist man vermutlich nur mit ein paar Maschinen, die dann doch deutlich mehr Geld kosten.

Einen riesigen Vorteil hat man als "Digger", zehn Meter tief unter der Erdoberfläche: Die oft unerträgliche Hitze im Sommer muss man nicht ertragen.

Der Ort Lightning Ridge ist jedenfalls so anders, so ungewöhnlich und so exotisch, dass ich gerne dort hinfahre. Das Problem ist nur: Gefühlt liegt das Nest am Ende der Welt.

Bildergalerie starten

Lightning Ridge: Eine Hauptstadt mit nur 2.300 Einwohnern?

Der kleine Ort Lightning Ridge in Australien hat nur 2.300 Einwohner und streitet mit Coober Pedy um den Hauptstadt-Titel. Hier können Abenteurer Opale knapp unter der Erdoberfläche finden.

Blogger Dieter Herrmann

Beruflich ist Dieter Herrmann immer wieder in Kriegs- und Krisengebieten als Ausbilder unterwegs. Privat will er es jetzt etwas ruhiger angehen und lebt deshalb seit einiger Zeit in Australien und berichtet aus der Region. Im Blog schreibt er auch über seine Erlebnisse auf Reisen.