Die französische Hauptstadt ist nicht nur im Sommer schön, sondern gerade im Winter.

Es ist still. Mitten in Paris plötzlich keine klappernden Absätze auf dem Asphalt, keine Akkordeonklänge aus Cafés, kein hektisches Gebrabbel - einfach nur Ruhe, und das nur ein hausbreit entfernt vom vielleicht schönsten Platz der Stadt. Falafelgerüche, der Duft frischen Kaffees und der Trubel der Stadt sind weit weg.

Mitten im Gewimmel der französischen Hauptstadt liegt die Place des Vosges: Wie ein Lego-Spiel wirken die 36 identischen Backsteinhäuser, die den völlig quadratischen Platz außen umschließen. Weiße Arkaden stützen zwei Stockwerke, oben graue französische Schieferdächer in einem Meer aus Schornsteinen und kleinen Gauben. Aus den extrem hochformatigen Fenstern blicken die Bewohner auf einen völlig symmetrischen Platz aus Rasen, Lindenhecken und einem Brunnen in der Mitte.

Nur durch eine Straße und einen schmiedeeisernen Zaun vom Park getrennt, bieten Antikhändler unter den rot-weißen Arkaden Hüte und Hausrat feil. Rattanstühle, in Reih und Glied um honigfarbene Holztische gestellt, verraten ein Café, dahinter locken Postkartenständer und kitschige Taschen.

In Haus Nummer sechs hat Victor Hugo gewohnt und seinen "Glöckner von Notre Dame" geschrieben. "Heute ist es ein Museum und Sie können sich seine Zeichnungen und sein Esszimmer ansehen", berichtet die Stadtführerin. Im Stadtviertel Maris erzählt jedes Haus seine eigene Geschichte.

Tee statt Kaffee

Nach diesen Eindrücken ist es Zeit für einen Kaffee. Den gibt es in Paris überall. Aber einen Tee trinken Pariser bei Mariage Frères, dem traditionellsten Teehaus der Stadt.

Paris ist eben bunt. Vor allem im Marais. Es gehört zu den ältesten Vierteln der Stadt – und zu den ursprünglichsten. Denn die Sanierungen von Stadtplaner Georges-Eugène Haussmann zogen im 19. Jahrhundert am Marais vorüber. Hier hat er eben keine kleinen Handwerkerhäuser für seine berühmten breiten Prachtboulevards und Sichtachsen plattgemacht, keine klassizistischen Denkmäler wie etwa den Triumphbogen künstlich gepflanzt.

Im Marais irren Fremde noch durch ein Gewirr schmaler Gassen mit teilweise schiefen Häusern. Und den typisch französischen Ladeneingängen. In der Rue des Rosiers umfassen sie knallig rot, blau, grün oder gelb bemalt mit ihren breiten Holzverkleidungen die Schaufenster wie ein poppiger Bilderrahmen. Darüber schwingen sich schmiedeeiserne Herzen und Schnörkel zu Balkonen.

Gassen münden in verträumte Plätze: Überall gibt es geheime Ecken, Reliefs und Symbole. Und viele jüdische Inschriften, denn das Marais ist mit seinen 200.000 Talmud-Gläubigen und fünf Synagogen die größte jüdische Gemeinde Frankreichs. Vertriebene Juden aus aller Welt haben über die Jahrhunderte immer wieder eine neue Heimat gefunden und ihre Spuren hinterlassen.

Sainte Chapelle statt Notre Dame

Vom Marais aus führt ein Spaziergang zur Seine und Notre Dame, dem vielleicht berühmtesten Gotteshaus der Stadt. Wenngleich das prächtige Rosettenfenster schön ist, es gibt viel kunstvollere Fenster und Glasmalereien in Paris und das ganz in der Nähe.

Die Kapelle Sainte Chapelle liegt nur etwa fünf Minuten zu Fuß entfernt. Sie gehört zu den Heiligtümern der Stadt und den wichtigsten Zeugnissen gotischer Baukunst - denn ein Großteil der bunten Fenster sind Originale aus dem 13. Jahrhundert. Wenn sich das Licht in den langen, schmalen Fenstern in blauen und roten Farben bricht, entsteht ein Eindruck, als wären sie nicht von dieser Welt.

Gegenüber der Kirche befindet sich die Rive Gauche, die linke Uferseite der Seine mit den schmalen Gassen, den vielen Restaurants und Künstlerläden wie etwa der bekanntesten Buchhandlung der Stadt: Shakespeare und Co. Wieder eine Zeitreise: Der Duft alter Bücher liegt in dem Fachwerkbau, überall stapeln sich Werke, vom Architekturbildband bis zum Hugo-Roman. Auf die Katze des Ladens scheinen die vielen Buchstaben beruhigend zu wirken, sie kuschelt sich in ihren Sitz und verschläft den Tag. Bücher gibt es nicht nur bei Shakespeare, sondern auch an den berühmten Verkaufsständen an der Seine oder in anderen Buchhandlungen in Saint Germain.

Von dort aus ist es noch mal ein Weg von etwa 20 Minuten bis zur wohl berühmtesten Sehenswürdigkeit der Stadt: dem Eiffelturm, der besonders schön bei Nacht glitzert. Lichteffekte lassen ihn wirken wie mit Strasssteinchen besetzt. Paris wie aus dem Bilderbuch.

Aber etwas hat sich verändert: Die freie Fläche unter dem Turm ist eingezäunt. Wer dorthin will, muss strenge Sicherheitsvorkehrungen passieren und wird durchleuchtet. "Der Anschlag vor zwei Jahren hat Paris verändert", meint Barbara Tascijevic-Porwoll vom Hotel Le Pavillon.

Sie lebt seit mehr als 20 Jahren in der Stadt und hat vor einigen Jahren eines der ersten Öko-Hotels in Paris eröffnet - ganz in der Nähe des Eiffelturms. "Die letzten Jahre waren schlimm für Paris und für uns alle. Es ist schön, dass diese Zeit vorbei ist und Ruhe einkehrt."

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Ein Streifzug durch in Paris

Unsere Bloggerin entdeckt eine ganz andere Seite der Stadt der Liebe.

Informationen:

Sicherheit: Wer sich in Paris eine Sehenswürdigkeit anschauen möchte, muss Wartezeiten einplanen. Überall herrschen seit der Anschläge strenge Sicherheitsvorkehrungen. Taschen und Jacken werden kontrolliert wie am Flughafen - nicht nur in Museen wie dem Louvre, auch direkt unter dem Eiffelturm.

Stadtführungen: Es ist spannend, Stadtführungen mit Einheimischen zu machen. Obendrein gibt es sie auch kostenlos (Spenden sind aber erwünscht) - etwa mit den ehrenamtlich arbeitenden Parisgreetern, www.greeters.paris. Die Standard-Stadtführung ist buchbar bei einem der Tourismusinformationen der Stadt: www.parisinfo.com

Wohnen: Schön zentral gelegen ist das Hotel Le Pavillon in der Rue Sainte Dominique. Es ist eines der wenigen Öko-Hotels in Paris. Zimmer ab 110 €, www.green-spirit-hotels.com

Hinkommen: Es muss nicht immer das Flugzeug sein: Es gibt schnelle Bahnverbindungen nach Paris, etwa von Essen, Düsseldorf, Köln oder Aachen aus mit dem Thalys. Oder von Stuttgart, München oder Mannheim mit dem TGV/ ICE.

Allgemeine Informationen über Frankreich gibt es beim französischen Fremdenverkehrsbüro: www.france.fr

Andrea Lammert ist Journalistin und bloggt auf www.indigo-blau.de. Als Autorin arbeitet sie für verschiedene Verlage und schreibt für Tageszeitungen und Magazine.