Am Anfang sollten Sie wissen: Auch wenn er deutlich an die Teddybären aus der Kindheit erinnert, hat der Koala mit einem Bären etwa genauso viel zu tun wie eine Schwalbe mit einer Fledermaus. Die Bezeichnung "Koalabär" führt also in die Irre. In Wirklichkeit ist er (nicht nur geografisch) einem Känguru näher als einem Bären.

Wenn ein Koala nach nur 35 Tagen Tragzeit geboren wird, macht sich das Junge selbstständig auf den Weg vom Geburtskanal in den Beutel der Mutter. Es wiegt dann knapp ein Gramm und ist rund zwei Zentimeter lang.

Das war es dann aber auch erst einmal mit Tageslicht und frischer Luft für die nächsten fünf bis sechs Monate. Der Mutterbeutel ist so konstruiert, dass das Jungtier festgehalten wird, damit es bei bestimmten Bewegungen der Mutter nicht herausfallen kann. Muttermilch ist in dieser Zeit die einzige Nahrung für den Winzling.

Nahrung direkt aus dem Darm der Mutter

Dann, mit den ersten Blicken nach draußen, wird nach und nach die Nahrung umgestellt. Es klingt für menschliche Verhältnisse nicht sehr appetitlich, was die Mutter jetzt an den Nachwuchs verfüttert.

Es ist teilverdaute Nahrung aus ihrem Darm, die das Jungtier nach und nach von der Muttermilch entwöhnen und an zukünftige, feste Nahrung gewöhnen soll. Wenn das Junge rund ein Jahr alt ist, kann es ohne Hilfe der Mutter leben und nimmt nur noch die Nahrung zu sich, die erwachsene Koalas fressen.

Was die Ernährung dieser Beuteltiere angeht, so liegt darin ein erhebliches Problem in Bezug auf den Fortbestand der Koalas. Diese sind beim Futter nicht nur sehr wählerisch, sondern auch ausgesprochen einseitig.

Hier in Australien gibt es rund 500 bekannte Eukalyptusarten. Landesweit werden davon nur knapp siebzig von den Tieren gefressen und vertragen. Regional sind es häufig nur zwei oder drei Baumarten, deren Blätter und Rinde die Tiere zu sich nehmen.

Ein Schuhkarton voller Eukalyptusblätter – jeden Tag

Ein großer Koala benötigt pro Tag fast ein halbes Kilogramm Eukalyptusblätter. Eine ziemlich große Menge, bedenkt man, wie leicht ein einzelnes Blatt ist. Einfach irgendwelche Blätter vom Lieblingsbaum fressen, das geht überhaupt nicht.

Die Blätter des Baumes enthalten relativ hohe Mengen an Giftstoffen, die der Koala nur begrenzt verträgt. Bei den älteren, trockeneren Blättern ist die Giftmenge am geringsten. Deshalb wird die Nahrung im wahrsten Sinne des Wortes handverlesen. Alte, feste Blätter müssen es sein, sonst gibt es Magenschmerzen.

Koalas können mehr als 80 Zentimeter Körperhöhe erreichen. So "große Brocken" werden dann bis zu 15 Kilogramm schwer. Dabei gilt die Faustregel, dass die Koalas umso größer und schwerer sind, je weiter sie im kühleren Süden Australiens leben. Männchen erreichen durchschnittlich ein Alter von etwa zehn Jahren, Weibchen werden rund fünf Jahre älter.

Hier an der Ostküste Australiens werden seit Jahren riesige Waldflächen gerodet. Der Bedarf an Fläche ist groß und in manchen Regionen wachsen die Siedlungen mit rasender Geschwindigkeit. Vor allem die Koalas haben einen Nachteil durch diesen Kahlschlag im Interesse des Wohnungsbaus.

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Im nordöstlichen Bundesstaat Queensland ist die Population der Tiere um über 50 Prozent zurückgegangen. In New South Wales, die Hauptstadt Sydney mit inbegriffen, ist die Zahl der Beuteltiere um fast 30 Prozent gesunken. Jeder Eukalyptusbaum, der abgeholzt wird, reduziert auch die Menge der Koalas.

Rund 20 Stunden am Tag schläft er – die restliche Zeit lässt er es ruhig angehen

Ein Koala verbringt den überwiegenden Teil seines Lebens auf Bäumen. Anders ausgedrückt: Ohne Bäume kann er nicht überleben. Der Baum ist nicht nur der einzige Fressplatz und Futterlieferant, den er kennt, er ist auch Schlafplatz und damit sein wichtigster Lebensraum.

Der Durchschnittskoala schläft bis zu 20 Stunden am Tag. Deutlich länger als ein Faultier. Diese lange Schlafphase ist überlebenswichtig – und schlafen kann er, ich habe es oben schon geschrieben, nur auf einem Eukalyptusbaum.

Es deutet darauf hin, dass die Menschen auf dem besten Wege sind, den Koalas den noch verbliebenen Lebensraum zu nehmen. Es wird immer enger für die Tiere, ihre Zahl geht immer weiter zurück. So schlimm wie heute war es noch nie – obwohl Koalas und Menschen eigentlich nie friedlich Seite an Seite gelebt haben.

Schon die Aborigines, seit wahrscheinlich 40.000 bis 60.000 Jahren Bewohner des Kontinents, stellten dem Beuteltier nach, um sein Fell und sein Fleisch zu verwenden. Die Koalas waren zum Glück in der Überzahl – nur ungefähr eine halbe Million Menschen lebten in der Region, die heute Australien heißt.

Sechs Monate freie Jagd: Eine Million Koalas tot

Nachdem die Europäer in Australien angekommen waren, wurde zum Ende des 18. Jahrhunderts der Kontinent so brutal ausgebeutet und zerstört, wie es die weißen Siedler und Eroberer vermochten. Hunderttausende Koalas jeden Alters und jeder Größe wurden erlegt.

Die Pelze der getöteten Tiere erzielten auf dem Weltmarkt hohe Preise. Das Gemetzel ging über viele Jahrzehnte und gipfelte darin, dass im Jahr 1919 die noch junge Regierung Australiens zu einer "allumfassenden" Jagd auf Koalas blies. Nach rund sechs Monaten waren über eine Million Tiere tot.

Koalas sind hervorragende Kletterer

Die Nahrung der Koalas besteht hauptsächlich aus Eukalyptusblättern.

Zum großen Erstaunen der Regierenden führte das unkontrollierte und wahllose Abschlachten der Tiere zu Protesten unter der Bevölkerung. Es folgte etwas, was manche Regierungen besonders gut beherrschen: Eine 180-Grad-Wende. Von einem Tag auf den anderen wurde der Koala unter Naturschutz gestellt.

Illegal wurde dem Pelztier weiterhin nachgestellt, sodass es circa im Jahr 1925 in Südaustralien vollkommen ausgerottet war. In Victoria und New South Wales war die Koala-Population erheblich zurückgegangen. Die Zentren des Pelzhandels zogen in Richtung Norden nach Queensland.

"Koala-Killing" um die Wahlen zu gewinnen

Im Jahr 1927, es war Wahlkampf in Australien, setzte die Regierung alles daran, wiedergewählt zu werden. Die Jagd auf Koalas wurde wieder freigegeben, für den Stimmenfang schien alles erlaubt zu sein. Innerhalb von 31 Tagen starben zwischen 800.000 und eine Million Koalas. Ein Teil wurde erschossen, andere wurden mit Fallen gefangen und anschließend erschlagen.

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Zu dieser Zeit waren bereits drei Viertel des Lebensraums der Koalas zerstört. Und wieder gab es unerwarteten Protest und wieder wurde die Jagd auf das "lebende Fellknäuel" erheblich eingeschränkt. Ein weiteres Jahrzehnt dauerte es, bis 1937 der Koala in ganz Australien endlich zur geschützten Art erklärt wurde.

Heute scheint es, als wüssten die Australier nicht so recht, was sie wollen. Einerseits wünschen sie sich das Beuteltier als "Aushängeschild" für ihr Land, als Symbol für die australischen Bemühungen für die Umwelt. Andererseits wird den Tieren aus rein kommerziellen Gründen der Lebensraum mehr und mehr eingeschränkt. Anders als beim Känguru geht bei den Koalas die Population rapide zurück.

Natürlich werden sie in relativ beengten Schutzgebieten und in australischen Zoos gehalten und weiter gezüchtet. Außerhalb des fünften Kontinents ist das allerdings nur mit sehr großen Schwierigkeiten möglich – schließlich muss es "lebende" Eukalyptusbäume geben, damit Koalas gehalten werden können. In Australien sollen derzeit noch etwa 60.000 bis 80.000 Tiere leben – vor 100 Jahren waren es vermutlich noch mehrere Millionen.

Der Versuch, Koalas auf der Insel Kangaroo-Island vor der Küste von Südaustralien anzusiedeln und ihnen dort einen neuen Lebensraum zu bieten, droht gerade fehlzuschlagen. Auf der Insel, die etwa die doppelte Größe des Saarlandes hat, leben die Koalas praktisch völlig ohne Feinde. Sie vermehren sich so stark und ungestört, dass der Bestand an Eukalyptusbäumen zurückgegangen ist. Daraufhin musste eine begrenzte Zahl von Koalas wieder zum Abschuss freigegeben werden.

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Australien: Die Koalas müssen geschützt werden

Auf die Koalas in Australien wurde immer wieder Jagd gemacht - ob nun offiziell oder illegal. Von den possierlichen Tierchen gibt es in Australien nur noch 60.000 bis 80.000 Exemplare.
Blogger Dieter Herrmann

Beruflich ist Dieter Herrmann immer wieder in Kriegs- und Krisengebieten als Ausbilder unterwegs. Privat will er es jetzt etwas ruhiger angehen und lebt deshalb seit einiger Zeit in Australien und berichtet aus der Region. Im Blog schreibt er auch über seine Erlebnisse auf Reisen.