Jetzt im November ist für viele vielleicht die schönste Jahreszeit, um in die ungarische Hauptstadt zu reisen.

"Ich hab mich total verliebt in diese Stadt", schwärmt Marzia Lagreca. Sie steht auf der Promenade an der Donau neben mir und ist nicht zu stoppen. Die Italienerin schießt mit ihrem Smartphone vom beleuchteten Burgviertel Budapests eine Fotoserie nach der anderen.

Und wie Verliebte so sind, kommt sie gleich mit jedem ins Plaudern. Auch mit mir, obwohl ich sie bis eben gar nicht kannte. Dann rückt sie ihren schwarzen Humphrey-Bogart-Hut zurecht und wendet sich wieder dem Panorama zu.

Die Lichter des Burgpalastes spiegeln sich im Fluss, der Abendhimmel leuchtet ultramarinblau. "Wunderschön. Ich kann mich einfach nicht sattsehen", schwärmt sie weiter. Aber Recht hat sie.

Abends ist die Donaupromenade der vielleicht spektakulärste Platz der ungarischen Hauptstadt, direkt am Ufer des Flusses, der die Stadt in die beiden Teile Buda und Pest trennt. Marzia hat sich drei Tage bei einem ungarischen Freund einquartiert, der mit ihr die schönsten Ecken der Stadt erkundet.

Als der Nachthimmel schwarz wird, stupst sie mich an: "Kommst du mit uns?" Das ist der Vorteil des Alleinreisens, man lernt immer spannende Menschen kennen.

Wir steuern auf das jüdische Viertel zu. Erst einmal Sightseeing. Europas größte Synagoge in der Dohány utca ist mit sonnengelbem Licht angestrahlt. Wir ziehen weiter in die Kneipe Spinoza kávéház.

Sie vereint jüdische Einflüsse mit ungarischen Traditionen, eine Band spielt Kleszmer-Musik und wir essen Humus und Gulasch. Mein Hotel Zara Continental liegt nur paar Schritte entfernt, wie praktisch. Ich genieße noch den wunderschönen Dachgarten mit eigenem Schwimmbad und Blick über die Dächer der leuchtenden Stadt.

Am nächsten Morgen wache ich vor der Dämmerung auf. Anstatt mich nochmal umzudrehen, entschließe ich mich, zur Donau zu fahren – mal sehen, wie es dort bei Tageslicht aussieht.

Dicker Novembernebel hat sich über das Stadtviertel Pest gelegt. Wie eine weiße Decke hüllt er auch das Donauufer ein. Jetzt ist die Stadt am schönsten, so geheimnisvoll. Die Kettenbrücke verschwindet im Dunst, das Parlament sieht aus wie mit dem Weichzeichner bearbeitet.

Dort blickt das bronzene Abbild des Lyrikers Attila József aufs Wasser. "Ein gewaltiger Strom, der meinem Herzen entfloss, das war die Donau, wirr, weise und groß", dichtete der Ungar schon vor fast hundert Jahren.

Die Kettenbrücke im Nebel mit den typischen Löwenskulpturen an den Seiten.

Und bis heute, so scheint es, hat der Fluss kaum etwas von seiner Faszination verloren. Auf der Promenade tauchen frühe Spaziergänger mit ihren Hunden wie aus dem Nichts auf. Selbst die Geräusche der Autos sind gedämpft. Nebelkrähen picken die übriggeblieben Pizzakrumen auf und eine große Ruhe liegt über der Stadt. Morgens um halb sieben hat Hektik noch keinen Platz in Budapest.

Kreuzfahrtschiffe liegen imposant an den Anlegern und kleine Cafés verströmen Kaffeeduft. Mein Magen beginnt zu grummeln. Zum Glück liegt ganz der der Nähe das Budapest Bisztro. Der starke ungarische Mokka pustet die Restmüdigkeit aus meinen Knochen.

Wenn ich Zuckerbäckerei zum Frühstück mögen würde, wäre Budapest der Himmel, Torten, kleine Pralinen oder Kuchen glänzen appetitlich. Ich nehme lieber Herzhaftes: Pogácsa, Teigtaschen, mit Käse gefüllt.

Ein kurzer Spaziergang zur Zentralen Markthalle – das bunte Dach am Fövám tér glänzt in der Morgensonne. Drinnen haben die Stände Obst und Gemüse hübsch aufgetürmt. Würste und getrocknete Paprikaschoten baumeln von der Decke. Im oberen Geschoss verkaufen Frauen gestickte Tischdecken, Holzkisten oder gefilzte Portemonnaies.

Die Zentrale Markthalle ist ein schöner Abstecher, hier gibt es nicht nur Gemüse und Wurst, sondern auch Kunsthandwerk im ersten Stock.

Mich lockt erneut die Donau. Auf der anderen Flussseite leuchtet Buda mit dem Burgviertel im Morgenrot und der Freiheitsstatue auf dem Gellértberg.

Ich gehe über die Brücke und stehe vor dem Géllert fürdö (Géllert Bad) und ärgere mich, dass ich keine Schwimmsachen eingepackt habe. Ein großer Fehler in Budapest. Hinter der Jugendstilhotelfassade des Hotels verbirgt eines der berühmtesten Thermalbäder der Stadt.

Direkt gegenüber des Hotels sind merkwürdige Löcher in die Steine geschlagen. Oben thront die Freiheitsstatue und direkt im Berg ein ganz besonderes Gotteshaus, die Felsenkapelle. Die verwinkelten, höhlenartigen Gänge im Inneren und die bunten Fenster sind ebenso beeindruckend wie der Blick auf die Stadt vor der Kirche. Eigentlich sogar schöner als oben bei der Freiheitsstatue.

Ich bin erstmal genug gelaufen und setze mich in die gelbe, klapprige Tram der Linie 2. Sie zuckelt gemächlich durch die Straßen – perfekt für das Sightseeing.

Wer in Budapest ist, sollte wenigstens einmal ins Kaffeehaus gehen, hatte Marzias Freund gestern gesagt. Ich steige um in die Tram Nummer 4 und mache mich auf zum New York-palota.

Schon von außen ist das historistische Gebäude imposant mit seinen Säulen und Statuen. Innen findet sich eines der schönsten und berühmtesten Kaffeehäuser der Stadt – sogar mit Deckengemälden. Doch es ist mittags proppevoll, kein Platz mehr zu ergattern.

Die Straße weiter hoch lande ich stattdessen der Eisdiele Levendula Fagylaltozo. Ein Glücksfall. Hier hat alles einen Hauch Lavendel, meine Favoriten sind Lavendel-Zartbitter und Lavendel-Zitrone. Köstlich.

Direkt vor der Tür stehen Leihräder von Buda Bike. Das ist ja eine gute Idee, Budapest per Rad. Ich will mich gerade registrieren, als Marcia mir eine Whats App schreibt: Sie hat ein witziges Café gefunden – ob ich nicht auch kommen möchte. Bin schon unterwegs.

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Winterzauber in Budapest

Jetzt im November ist für viele vielleicht die schönste Jahreszeit, um in die ungarische Hauptstadt zu reisen.

Andrea Lammert (Bild) gehört wie Anke Benstem, Silke Haas, Sandra Malt, Dörte Saße und Iris Schaper zum Bloggerteam Reisefeder. Die Journalistinnen und Reisebuchautorinnen schreiben über Reisen in alle Welt. Der Schwerpunkt liegt auf der Nachhaltigkeit.