Zirkus kann viel mehr sein als nur tanzende Affen, Tiger, die durch den brennenden Ring springen und Robben, die für Fisch harte Arbeit leisten. In dem Fall des Roncalli Zirkus sind es Menschen, die für unsere gute Laune sorgen und dabei jeden Tag ihr Leben riskieren.

Tatsächlich gibt es in dem Programm vom Zirkus Roncalli nur einen Akt mit Tieren – das sind die Pferde von Karl Trunk (dabei kann jeder selber schauen, wie gut der Pferdeflüsterer sich mit den Pferden versteht). Ansonsten sind es immer die Qualitäten und Möglichkeiten von menschlichen Körpern, die das Publikum faszinieren. Bei fast jeder Aufführung stockt dem Zuschauer der Atem, weil das, was die Artisten gerade machen, unglaublich ist, - unglaublich schön, gefährlich, präzise und gleichzeitig federleicht.

Ich habe mit ein paar Künstlern gesprochen, weil ich wissen wollte, wie es sich anfühlt, zehn Monate pro Jahr unterwegs zu sein und sein Leben völlig dem Zirkus zu widmen.

Das Duo Pykhov

Die Hochseiltänzerin Yana Pykhov stammt aus einer russischen Zirkusfamilie. Und als ihre Mama sie im Alter von drei Jahren fragte, ob sie auch im Zirkus arbeiten möchte, bekam sie ein überzeugtes "Ja" als Antwort. So begann die Karriere von Yana.

Mit fünf konnte sie schon einen Handstand in der Manege machen, weiter ging es auf dem Hochseil mit einer Gruppe von Akrobaten. Sie machten als "Seiltänzer Chizhov" alle möglichen Figuren und Menschen-Pyramiden auf dem Hochseil.

Danach nahm Yana an einem Hochseilwettbewerb in Südkorea teil. Man musste dabei einen Fluss überqueren, über dem ein kilometerlanges Seil gespannt war. Das war ein Wettbewerb der Schnelligkeit. Yana kam als Zweite an.

Dann traf Frau Pykhov ihren jetzigen Mann, der damals bei der Feuerwehr arbeitete. Er reiste ein paar Mal mit ihr und konnte sich bald ein Leben ohne Zirkus nicht mehr vorstellen. Später baute er sogar die Gondel selbst, auf der Frau Pykhov jetzt tanzt. Während des Auftritts sichert er sie ab und gibt ihr als ihr treuer Geliebter und Tambour den Rhythmus vor.

Den Programmpunkt "Duo Pykhov" kann man bestimmt als gefährlichsten und gleichzeitig romantischsten Teil des Programms bezeichnen.

Das Schlimmste ist für das Paar natürlich, so lange weg von Zuhause zu sein. Aber was ist denn ein Zuhause überhaupt und was kann es ersetzen? Die Truppe ist sehr eng miteinander verbunden.

Eine Familie würde ich das jetzt nicht nennen, aber gemeinsam feiern gehen und die Gegend erkunden gehört dazu. Die Jüngeren machen Abendausflüge in die umliegenden Clubs und die Erwachsenen gehen zusammen essen. Und im Sommer wird immer wieder zusammen gegrillt. Dieses Zusammenleben sichert ein Stück Heimat für das Duo Pykhov.

Das Zirkus-Theater-Bingo

Das Zirkus-Theater-Bingo kommt aus der Ukraine und sorgt für richtige Partystimmung. Wenn die Truppe auf der Bühne ist, dann weiß man wirklich nicht, wo man hinschauen soll, weil hier alles gleichzeitig passiert: Oben streckt sich eine Akrobatin im Spagat zwischen zwei Seidentüchern, unten dreht sich ein Paar auf Rollschuhen, links und rechts tanzt und bewegt sich alles. Und wenn man noch nicht in bester Laune war, spätestens jetzt wird man keine Chance haben, dieser Feier zu widerstehen!

Eddy Neumann der Clown

Natürlich gibt es auch Clowns in dem Zirkus. Eddy Neumann ist ein Clown. Und vor allem kein normaler Clown (wenn es so was überhaupt gibt), sondern ein glücklicher und stolzer Clown.

Das Erstes erzählte er mir, dass es eine Ehre für ihn ist, hier zu arbeiten. Der Zirkus Roncalli ist seiner Meinung nach einer der schönsten Zirkusse in Europa, denn hier ist die Grenze zwischen Theater und Zirkus kaum zu spüren (und Eddy weiß, wovon er spricht: er hat vorher in verschiedenen Theatern und Varietés Deutschlands gespielt).

Vielleicht liegt es ja daran, dass seine Nummern eine magische Anziehung besitzen. Das Artistische kann man ihm nicht wegnehmen; seine übertriebene Gestik und Mimik passen hier sehr gut rein und schon nach ein paar Sekunden lacht man mit, egal wie alt oder humorlos man sich fühlt.

Der Beatboxer Robert Wicke

Es gibt im Zirkus Roncalli auch was ganz Ungewöhnliches, und zwar einen Beatboxer. Robert Wicke hat bereits mit 15 Jahren als Jongleur und Straßenkünstler angefangen.

Und was das Publikum immer wieder begeistert, ist, dass der Künstler nicht nur in einem Genre arbeitet; Robert ist ein Komödiant, ein Beatboxer, ein Jongleur und gleichzeitig ein Zauberer.

Er lädt die Zuschauer in der Manege ein und sorgt dafür, dass die Gäste sich bei ihm mutig fühlen, auch wenn man nicht immer bereit ist, mitzumachen.

Laut Robert kommt es in der ganzen Saison ziemlich selten vor, dass der ausgewählte Gast nicht in der Lage ist, mitzuspielen. Aber auch wenn es der Fall ist, kann Robert meistens einen guten Witz daraus machen und im Flow bleiben.

Und den Groove, den er mit seiner Stimme erzeugt, den muss man einmal gehört haben - absolut erlebenswert!

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Die bunte Welt des Zirkus

Unglaublich schön, gefährlich, präzise und federleicht: Anastasia Petrakova zeigt ihre schönsten Fotos vom Besuch im Zirkus Roncalli.

Anastasia Petrakova ist eine Fotografin und Bloggerin aus München, Moskau - und eigentlich aus der ganzen Welt. Sie reist gerne rund um den Globus und versucht die Schönheit und den Reichtum der Welt durch ihre Bilder zu zeigen.