Um nicht von den Billigfliegern abgehängt zu werden, verkaufen immer mehr etablierte Airlines Tickets zum Schnäppchentarif. Wer darauf einsteigt, muss einiges über sich ergehen lassen.

Wer den neuen Billigtarif von United Airlines bucht, wird behandelt wie das Letzte: im wahrsten Sinne des Wortes. Erst wenn alle anderen Fluggäste schon eingestiegen sind in die wartende Maschine, dürfen die Inhaber der Basic-Economy-Tickets zum Boarding-Schalter gehen.

Nicht ohne vorher nochmals genau gefilzt zu werden, versteht sich. Denn Handgepäck, das nicht unter den Sitz passt, dürfen die Sparfüchse nicht mehr mitnehmen. Und wenn sie das Personal doch dabei ertappt, müssen sie das Gepäck aufgeben und Strafe zahlen: 25 Dollar plus die Gepäckgebühr. Spätestens dann wird sich der Basic-Bucher als Paria-Passagier fühlen.

Die Schattenseite von "billig"

Fluggäste haben einiges hingenommen in den vergangenen Jahren: immer engere Sitzreihen. Immer neue Gebühren für Gepäckaufgabe, Check-in am Schalter, Kreditkartenzahlung und Sitzplatzreservierung. Horrende Preise für das Pappsandwich und lauwarmen Kaffee oder zu Rubbellosverkäufern mutierte Flugbegleiter. Die meisten dieser "Innovationen" haben die Billigflieger eingeführt, um ihre Basispreise kleinzurechnen - und viele traditionelle Gesellschaften haben abgekupfert.

Jetzt aber übernehmen drei einstige US-Vorzeigelinien die Führung im Wettlauf nach unten: United, Delta und neuerdings auch American Airlines bieten Basic-Economy-Tickets an. "Dieses neue Produkt gibt uns die Möglichkeit, effektiver mit der wachsenden Zahl von Ultra-Billigfliegern zu konkurrieren", sagt American-Airlines-Chef Robert Isom. Am 10. Februar soll der Verkauf starten.

Zwischen 20 und 50 US-Dollar können Basic-Economy-Käufer in der Regel gegenüber normalen Holzklassetickets sparen. Dafür machen ihnen die Airlines das Fliegen so unkomfortabel wie möglich: Die Schnäppchenjäger dürfen sich vorab keine Plätze aussuchen; selbst Familien haben keinen Anspruch darauf, beisammen zu sitzen.

Sie können nicht umbuchen oder stornieren, bekommen weder Upgrades noch Meilen, selbst wenn sie treue Vielflieger sind. Sie müssen allen anderen Passagieren beim Einstieg den Vortritt lassen. Und außer bei Delta sind die Handgepäckfächer tabu. "Das sind Tickets für Kunden, denen alles egal ist", höhnt ein Insider der Luftfahrtbranche.

Gratis ist nur noch das Schokoherz

Früher war die Auswahl einfach: First, Business oder Economy? Heute weitet sich die Klassengesellschaft aus. Ganz oben protzen insbesondere die Golf-Carrier mit ultraluxuriösen Produkten: etwa Etihad aus Abu Dhabi mit The Residence, einem Mini-Apartment mit Wohnzimmer, Badezimmer, Doppelbett und Butler. Andere Linien wie Lufthansa hingegen bauen die First Class auf vielen Strecken ab.

Die "Sailing Yacht A" ist über 140 Meter lang und 400 Millionen Euro wert.

Vor allem aber ist Economy nicht mehr gleich Economy. Am alleruntersten Ende verscherbeln die US-Carrier ihre Basic-Tarife. Bei Lufthansa-Low-Cost-Ableger Eurowings versorgen die Stewards nur noch diejenigen Holzklassepassagiere mit kostenlosem Essen und Trinken, die den teureren Smart-Tarif gebucht haben; Basic-Passagiere indes müssen darben oder zahlen. Immerhin dürfen sie noch Handgepäck mitnehmen - wie auch bei Air Berlin. Dafür bittet Deutschlands Nummer zwei auf Europaflügen Economy-Gäste neuerdings selbst für einen Plastikbecher Wasser zur Kasse. Gratis gibt es nur noch das Schokoherz.

Einige der Billigflieger wiederum versuchen seit einiger Zeit, den Kunden etwas mehr Komfort zu bieten. Ryanair etwa hat für einen Aufpreis Premiumsitze im Angebot - und verzichtet zunehmend darauf, Passagiere beim Boarding mit dem Abmessen oder Wiegen ihres Handgepäcks zu terrorisieren. So nähern sich die Iren bei der Qualität den Traditionsairlines an. Und preiswerter sind sie meistens nach wie vor.

"Die Produkte der Billigflieger und der traditionellen Gesellschaft nähern sich immer mehr an", sagt der Hamburger Luftfahrtberater Cord Schellenberg. "Für die Billigflieger ist das gut, sie haben verinnerlicht, wie man Kosten spart. Traditionelle Airlines hingegen müssten sich komplett umstellen. Die haben den Menschen jahrzehntelang erzählt, wie exklusiv und schön das Fliegen ist. Sie können diesen Wettlauf nach unten nicht gewinnen."

Etwas mehr Komfort in der Premium Economy

Mehr Zukunft gesteht Schellenberg der Premium Economy zu. Diese Klasse zwischen Economy und Business haben eine Reihe von Fluggesellschaften auf Langstreckenflügen eingeführt: von der Lufthansa über Hongkongs Cathay Pacific bis hin zur australischen Qantas.

Der neue Airbus der Lufthansa gehört zu den größten Passagierfliegern.

Auch Emirates aus Dubai will demnächst nachziehen. Die Premium Economy füllt die Lücke zwischen der Holzklasse und der Business Class, die im Schnitt etwa dreimal so teuer ist. Für ein paar Hundert Euro Aufpreis gegenüber der Economy bekommen die Gäste etwas mehr Komfort geboten: etwas breitere Sitze, etwas mehr Abstand zum Vordermann, mehr Auswahl beim Essen, besseren Service, eine vom Fußvolk abgetrennte Kabine sowie oft auch Vortritt beim Check-in und bei der Sicherheitskontrolle.

Erdacht wurde Premium Economy für Geschäftsleute - als Reaktion auf Sparprogramme der Unternehmen. "Wenn Business Class laut den Reiserichtlinien nicht mehr möglich ist, kann Premium Economy eine gute Alternative sein", sagt eine Sprecherin der Lufthansa.

Aber auch Touristen, die sich nicht mehr wie in der Legebatterie fühlen wollen, buchen die Zwischenklasse. Und so führen nun immer mehr Gesellschaften die Premium Economy ein "Das Produkt ist supererfolgreich", sagt die Lufthansa-Sprecherin, " und erfreut sich hoher Beliebtheit."

Manchmal ist der Ansturm sogar zu groß - wie kürzlich Reisende eines Cathay-Pacific-Fluges von Hongkong nach Düsseldorf erfahren mussten. Die Premium Economy war rappelvoll, eng drängten sich die Gäste nebeneinander. In der Jedermann-Kabine hingegen waren viele Sitze leer. Und so schlichen sich einige Premiumpassagiere nachts nach hinten: auf die billigen Plätze.© SPIEGEL ONLINE

Flug verspätet, Maschine überbucht: Bei Unregelmäßigkeiten haben Fluggäste umfangreiche Ansprüche, die sie gegenüber den Fluggesellschaften.