Der Pazifikstaat Palau untersagt ab dem 1. Januar Sonnencremes, die Korallen schaden. Wer trotzdem cremt, muss umgerechnet knapp 900 Euro Bußgeld zahlen. Hawaii und andere Inseln haben ähnliche Pläne.

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Das pazifische Urlaubsparadies Palau hat als erstes Land der Welt bestimmte Sonnencremes verboten, um seine berühmten Korallenriffe zu schützen. "Wir müssen die Umwelt respektieren, denn die Umwelt ist der Ursprung des Lebens, und ohne sie kann in Palau niemand überleben", sagte Präsident Tommy Remengesau am Mittwoch. Er verwies auf wissenschaftliche Erkenntnisse, denen zufolge Chemikalien aus Sonnenschutzmitteln schon in geringen Mengen die empfindlichen Korallen zum Absterben brächten.

In Palau sind daher ab sofort zehn verschiedene Inhaltsstoffe in Sonnenschutzprodukten nicht mehr erlaubt. Dazu zählen etwa Oxybenzon, Octocrylen, Parabene und Triclosan. Die Einfuhr oder der Verkauf von Sonnencremes mit diesen Chemikalien wurde mit einem Bußgeld von umgerechnet 890 Euro belegt.

Der westpazifische Inselstaat Palau liegt zwischen Australien und Japan und ist mit seinen 365 Inseln ein beliebtes Urlaubsziel. Besonders die Unterwasserwelt der Inselgruppe, die aus dem Kalk fossiler Korallen besteht, zieht viele Urlauber an. Nur etwa 20.000 Einwohner leben auf gerade einmal elf Inseln.

Toxisch für die Unterwasserwelt

Der "Internationalen Korallenriff-Intitative" (Icri) zufolge, gibt es mehr als ein Dutzend wissenschaftliche Arbeiten, die belegen, dass Oxybenzon toxisch ist für die Unterwasserwelt, vor allem für Korallen. Es mache die Nesseltiere beispielsweise anfälliger für die Korallenbleiche, die häufig zum Absterben der Korallen führt. Auch die anderen Chemikalien können Untersuchungen zufolge die Nesseltiere schädigen: So können bestimmte Stoffe die Algen angreifen, mit denen Korallen in einer symbiotischen Verbindung leben. Ebenso können sie als sogenannte endokrine Disruptoren hormonähnliche Wirkungen entfalten und die Korallen schädigen. Allerdings sind die Mechanismen noch nicht vollständig erforscht und noch zahlreiche Fragen unbeantwortet.

"Giftige Chemikalien aus Sonnenschutzmitteln wurden überall in den bedrohten Habitaten Palaus und in den Geweben unserer berühmtesten Tiere gefunden", sagte Remengesau. "Es macht uns nichts aus, dass wir die erste Nation sind, die diese Chemikalien verbietet."

Auch auf Hawaii werden ab 2021 zwei der Chemikalien - Oxybenzon und Octinoxat - verboten werden. Die amerikanischen Jungferninseln und die Karibikinsel Bonaire haben ähnliche Pläne.

Nachhaltig reisen im Einklang mit der Natur, ist nicht nur erholsam und gut für das Gewissen, sondern auch schonend für die Umwelt und die Menschen vor Ort in den jeweiligen Urlaubsländern.

Was bedeutet das für die Menschen?

Das Verbot der Inhaltsstoffe bedeutet nicht, dass sich Reisende ungeschützt der Sonne ausliefern müssen. Lange Kleidung kann auch im Wasser vor UV-Strahlung schützen. Zudem gelten etwa zinkhaltige Sonnencremes nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft nicht als korallenschädigend.

Palau rief über das Verbot hinaus eines der größten Meeresschutzgebiete der Welt aus. Damit sind nun in 80 Prozent der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) der Insel unter anderem der Fischfang und der Rohstoffabbau verboten.

Schon 2017 überraschte Palau mit einer Art "Öko-Schwur" für einreisende Touristen. Denn die ökologische Grundorientierung ist Palaus Regierung absolut ernst. Die Schönheit der fragilen Inselgruppe ist ihr größtes Kapital und ihre wichtigste Einnahmequelle. Die meisten der oft sehr kleinen Inseln sind landwirtschaftlich nicht nutzbar. Palau hat deshalb zunehmend Probleme, den wachsenden Nahrungs- und Frischwasserbedarf von Bewohnern und Touristen aus eigener Kraft zu decken. Im Ausbau eines gebremsten, ökologisch nachhaltigen Tourismus sieht der Staat daher seine besten wirtschaftlichen Chancen.

Sehr früh machte die Inselregierung darum die Ökologie zur obersten Maxime ihrer Politik: Der Ausbau von Ressourcen zielt auf hochpreisigen, exklusiven Tauchtourismus statt Massentourismus. Seine Tauchgründe zählen zu den besten der Welt, und strenge Reglementierungen sorgen dafür, dass das auch so bleibt. Und große Teile des Inselparadieses wurden frühzeitig zu Naturschutz- und Meeresschutzgebieten erklärt - das größte davon misst circa eine halbe Million Quadratkilometer: das entspricht der Größe Spaniens.  © SPIEGEL ONLINE

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