Der Zug ist überfüllt, doch zum Glück hat man reserviert. Am Platz angekommen, ist dieser besetzt - von einem älteren, gebrechlich wirkenden Menschen. Wie verhält man sich nun richtig?

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Diese Situation ist jedem schon einmal passiert: Man hat gegen Gebühr im Zug einen Sitzplatz reserviert. Als man die Bahn besteigt, ist diese voll und der Platz schon vergeben - dieses Mal allerdings an einen viel älteren, gebrechlich wirkenden Menschen. Kann man nun guten Gewissens seinen Platz einfordern?

Rechtlich ist die Situation klar

Rechtlich ist die Situation klar: Den Anspruch auf den reservierten Sitz hat der Reisende mit Reservierung. Gegebenenfalls sollte der Schaffner die Situation klären, erklärt ein Bahn-Sprecher.

Aber da ist natürlich noch die Frage der Höflichkeit. Sie lautet nicht: Kann ich den Platz einfordern? Sondern: Sollte ich älteren und womöglich schwächeren Mitreisenden nicht den Vorzug geben? "Das sollte jeder so handhaben, wie er sich dabei gerade fühlt", sagt Moritz Freiherr Knigge, Experte für Umgangsformen.

Manchmal kann man sich gut für eine kurze Fahrt in den Flur stellen. Manchmal findet sich auch ein anderer Sitz, und manchmal will man eh erst mal in das Restaurant gehen.

Aber manchmal will man arbeiten, schlafen oder es sich einfach für die langen Stunden Fahrtzeit an einem Ort gemütlich machen - also den reservierten Platz gerne einnehmen. Zumal es ja auch sein kann, dass in einem überfüllten Zug der Zugführer Reisende ohne Sitzplatz auffordern muss, auszusteigen und den Folgezug zu nehmen.

Immerhin: Wenn einen nun das schlechte Gewissen drückt, einen Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit vom reservierten Sitzplatz wegzubitten, gibt es noch Optionen für den betroffenen Mitreisenden.

Für bestimmte Zielgruppen gibt es reservierte Plätze im Zug, etwa für Menschen mit schwerer Behinderung. Darauf weist die Bahn hin. Im Regionalverkehr gibt es vielfach auch Piktogramme an Sitzen, die darauf hinweisen, dass Schwangere diese in Anspruch nehmen können.

Im Zweifel das Bahnpersonal informieren

Der Bahn-Sprecher rät: Man könne auch mit dem Zugbegleiter Kontakt aufnehmen. Der habe unter Umständen noch die Möglichkeit, solche Reisenden in der vielleicht nicht so überfüllten ersten Klasse unterzubringen. "Das ist immer eine Vor-Ort-Entscheidung, es gibt keinen Rechtsanspruch darauf", betont der Sprecher.

Freiherr Knigge hält es für wichtig, dass man den Mitreisenden freundlich anspricht. "Wenn jemand nur sagt "Stehen Sie auf, das ist mein Platz!", dann ist das schon sehr besitzergreifend und aggressiv."

Stattdessen könne man die Situation auch mit einer höflicheren Anrede angehen - und damit vielleicht sogar eine Überraschung erleben.

"So eine Anrede produziert eine positive Stimmung. Mir ist es dann schon passiert, dass mein sitzender Nachbar einem Stehplatzinhaber seinen Platz anbot, da er eh gleich den Zug verlassen musste", erzählt Knigge.

Würde man aber aggressiv den Mitreisenden auf dem reservierten Sitzplatz dazu auffordern, diesen zu räumen, erzeugt das insgesamt eine schlechte Stimmung.

"Und dann bietet sich auch keiner aus dem Umfeld an zu helfen", vermutet Knigge. "Die Menschen mögen nun mal eine angenehme Stimmung lieber als eine unangenehme. Und sie mögen es nicht, wenn jemand ständig meckert."

Nur nicht aggressiv wirken

Er hat aber auch Verständnis dafür, dass Menschen schon mal auf ihr Recht pochen. "Ich nehme mich da selbst gar nicht aus", sagt der Bahn-Vielfahrer Knigge. Manchmal verhalte man sich dabei auch etwas ungeschickt und wirke womöglich unbeabsichtigt aggressiv.

"Die Basis für höflichen Umgang ist Gelassenheit. Man sollte reflektieren: Ist man gerade latent gestresst? Wie gehe ich damit um?", rät Knigge.

Wenn man freiwillig auf die Reservierung verzichtet und sich aus Rücksicht auf den älteren Reisenden einen anderen Platz sucht, ins Restaurant geht oder gar steht, kann man laut Bahn-Portal das Geld für die Reservierung nicht zurückverlangen. (mgb/dpa)

Passagiere schlafen auf besonders langen Flügen gerne einmal ein paar Stunden in ihren Sitzen ein. Doch auch die Piloten und die Kabinenbesatzung brauchen zwischendurch eine Schlafpause. Aber wo ruhen sie sich eigentlich aus?