70 Jahre Formel 1: Diese Fahrer, Teams und Momente blieben in Erinnerung

Unzählige Fahrer, Teams und deren Chefs haben die bisherigen 70 Jahre der Formel 1 geprägt. Deren Rekord-Weltmeister kommt noch aus Deutschland und heißt Michael Schumacher. Doch Lewis Hamilton ist auf dem Weg, eines seiner Idole abzulösen.

Der Argentinier Juan Manuel Fangio mischt am 13. Mai 1950 bei der Formel-1-Premiere in Silverstone zwar lange um den Sieg mit, fällt aber kurz vor Schluss aus. Diese Punkte fehlen dem damals 39-Jährigen am Ende der Saison zum WM-Titel.
Diesen aber erringt Fangio schon ein Jahr später, und auch 1954, 1955, 1956 und 1957 schmückt sich der Rennsport-Veteran mit dem WM-Titel. Fangio bestreitet 1958 mit 47 Jahren sein letztes Formel-1-Rennen. Es dauert bis 2003, ehe Michael Schumacher ihn als Rekordweltmeister ablöst.
Im Gegensatz zu Fangio und Schumacher wird Jochen Rindt nie erfahren, Weltmeister geworden zu sein. Der gebürtige Deutsche, links, rast mit österreichischer Rennlizenz im Sommer 1970 dem WM-Titel entgegen. Rindt sitzt im Lotus des genialen Konstrukteurs Colin Chapman, rechts.
Chapmans Wagen gelten seinerzeit als ebenso schnell wie gefährlich. Sie setzen technisch und aerodynamisch Maßstäbe. Doch schon der legendäre Schotte Jim Clark fährt im Lotus 1968 auf dem Hockenheimring in den Tod, allerdings im Rahmen eines Formel-2-Rennens.
Auch Rindt ereilt in seinem Lotus 72C Ford dieses Schicksal. Am 5. September 1970 kehrt der damals 28-Jährige von seiner Trainingsrunde in Monza, im Bild, nicht mehr an die Box zurück. Als Ursache des tödlichen Unfalls wird eine gebrochene Bremswelle vermutet. In den verbleibenden vier WM-Rennen holt niemand mehr Rindt ein. Er ist bis heute der einzige posthume Weltmeister der Formel 1.
Roger Williamson, hier vor dem Rennstart in Zandvoort in seinem March-Ford im Gespräch mit Teamchef Max Mosley, geht nur zwei Mal in der Formel 1 an den Start. Sein Debüt daheim in Silverstone endet für den Engländer mit der Verwicklung in einen Massenunfall zum Schluss der ersten Runde.
In Zandvoort landet Williamson zwei Wochen später wegen eines Reifenplatzers und anschließender Überschläge am inneren Streckenrand. Sein Wagen fängt Feuer. Niemand hilft, abgesehen von Landsmann David Purley, der hinter Williamson fährt, als dessen Unfall passiert. Purley aber gelingt es nicht, den 25-Jährigen aus dem Inferno zu befreien. Williamson verbrennt.
England trauert um eines seiner Rennfahrer-Talente, hat aber auch noch einen James Hunt. Der fährt 1973 in Zandvoort im gleichen Wagen wie Williamson aufs Podium - und 1975 auf Platz vier der WM-Wertung. In Monaco aber, wo Hunt trotzdem ein Wassereis schmeckt, fällt er nach 63 von 75 Runden aus.
Der Weltmeister heißt Niki Lauda. Der Österreicher führt auch 1976 die WM-Fahrerwertung an, als der Große Preis von Deutschland auf dem Nürburgring ansteht. Lauda hat hier noch nie gewonnen, trotz seiner Pole Positions 1974 und 1975.
Für das Rennen am 1. August 1976 hat Hunt die schnellste Qualifikationszeit vorgelegt - vor Lauda. Der Champion muss seinem Herausforderer auf dem vom Regen noch feuchten und fast 23 Kilometer langen Nürburgring hinterherjagen.
Lauda liegt während der zweiten Runde nur im Mittelfeld des Klassements, als sein Ferrari vor dem Streckenabschnitt Bergwerk ausbricht, über die Strecke schleudert und in Flammen aufgeht. Das Rennen wird abgebrochen. Lauda überlebt die Feuerhölle wie durch ein Wunder und verpasst nur zwei Läufe. Hunt rettet beim Finale in Fuji einen WM-Punkt Vorsprung ins Ziel, weil Lauda aus dem gefährlichen Regenrennen aussteigt.
1976 überrascht Tyrrell mit dem Modell P34, hier eine Aufnahme vom Rennen 1977 in Monaco. Der Wagen kommt auf sechs Rädern daher. Das hat es bis dahin in der Formel 1 noch nicht gegeben. Ingenieur Derek Gardner hat das außergewöhnliche Gefährt entworfen. March, Williams und Ferrari kommen mit ähnlichen Konstruktionen über Testfahrten nicht hinaus.
Den einzigen Sieg des sechsrädrigen Boliden sichert sich der spätere Ferrari-Weltmeister Jody Scheckter (nicht im Bild). Bei dem Rennen 1976 im schwedischen Anderstorp veredelt Patrick Depailler (l.) den Triumph mit Rang zwei. Teamchef Ken Tyrrell ersetzt 1977 Scheckter durch den Schweden Ronnie Peterson (r.). Peterson schafft es in Zolder als Dritter aufs Podium, Depailler wird später noch Zweiter in Kanada. 1978 hat der Tyrrell mit sechs Rädern ausgedient.
Im Gegensatz zu Formel-1-Wagen mit sechs Rädern ist Monte Carlo als ungewöhnlicher Schauplatz eine Konstante in der WM-Geschichte. Der dreimalige Weltmeister Nelson Piquet, dessen Sohn später ebenso in die Formel 1 aufsteigt, fasst das Gefühl des Fahrens im Fürstentum mal passend so zusammen: "Das ist wie Hubschrauberfliegen im Wohnzimmer."
Piquet hinterlässt der Formel 1 nicht nur diese Bemerkung über ihren bekanntesten Stadtkurs, sondern auch diesen Faustkampf mit Eliseo Salazar. Der Chilene zieht sich am 8. August 1982 in Hockenheim den Zorn des Brasilianers zu, weil er in der 18. Runde mit dessen Brabham kollidiert. Piquet führt zu diesem Zeitpunkt. Für beide ist das Rennen beendet.
Auch Gilles Villeneuve (l.) will nach dem Rennen in Imola knapp vier Monate zuvor seinen damaligen Ferrari-Kollegen Didier Pironi am liebsten verhauen. Pironi ignoriert nach einem beinharten Duell um den Sieg die Team-Anweisung und geht im letzten Moment an Villeneuve vorbei. Im Ziel trennen beide Wagen nur 36 Hundertstelsekunden.
Villeneuve ist stinksauer und wechselt anschließend kein Wort mehr mit Pironi. Der hofft: "Die Zeit heilt alle Wunden." Doch Villeneuves Zeit, dessen Sohn Jacques sich 15 Jahre später erfolgreich mit Michael Schumacher um die Formel-1-WM duelliert, ist schon zwei Wochen später vorbei.
Beim Versuch, sich die Pole Position für das Rennen von Pironi zurückzuholen, kommt es in der Schlussviertelstunde des Qualifyings zur Katastrophe. Auslöser ist ein Missverständnis zwischen Villeneuve und dem Deutschen Jochen Mass. Der befindet sich bereits auf der Auslaufrunde, als Villeneuves Ferrari dessen March touchiert, abhebt und Villeneuve aus dem zerrissenen Auto in den Fangzaun fliegt. Er stirbt später im Krankenhaus.
Weil Ferrari sich anschließend vom Großen Preis in Belgien zurückzieht, erbt Pironis Landsmann Alain Prost die Pole Position. Ein Dreher aber kostet Prost elf Runden vor Schluss den Sieg. Noch schlimmer kommt es für den Franzosen vier Jahre später in Hockenheim. In Führung liegend, geht Prost, im Bild, wenige Meter vor dem Ziel der Sprit aus. Schiebend aber rettet er Rang sechs und somit einen WM-Punkt.
In die Formel-1-Geschichte gehen Prosts verbissene Duelle mit Ayrton Senna ein. 1988 wird Senna Prosts Teamkollege bei McLaren - und mit drei Punkten vor dem Franzosen Weltmeister. 1989 dreht Prost den Spieß um. 1990 setzt sich das Duell fort. Es gipfelt im Crash von Suzuka, im Bild. Prost, links, fährt inzwischen für Ferrari.