Langsam aber sicher mausert sich Deutschland zur Formel-1-Nation. Nach dem Abgang der Schumacher-Brüder könnte man meinen, dass die große Zeit der deutschen Piloten vorüber sei - doch weit gefehlt.

Weltmeister Kimi Räikkönen (Finnland) und der Brite Lewis Hamilton sind in der neuen Saison als Favoriten zwar klar gesetzt, doch gibt es in der Heimat von Michael und Ralf Schumacher immer mehr Talente.

Sie heißen Adrian Sutil, Nico Hülkenberg, Sebastian Vettel sowie Timo Glock und müssen sich hinter den großen Namen nicht verstecken. In ihrer bisherigen Karriere waren sie die Senkrechtstarter der anderen Formel-Klassen. Jetzt greifen die deutschen Fahrer in der Königsklasse an. Bereits in der vergangenen Saison konnten die Talente für Überraschungen sorgen, auch wenn sie bei weitem nicht so viel Erfahrung wie Nick Heidfeld und Nico Rosberg hatten.

Der Mönchengladbacher Nick Heidfeld geht bereits in seine dritte Saison mit BMW-Sauber. Acht Jahre bei insgesamt fünf verschiedenen Rennställen machen ihn aktuell zum deutschen Formel-1-Piloten mit der meisten Erfahrung.

2007 erreichte Nick Heidfeld mit dem fünften Rang im Gesamtklassement die beste Platzierung seiner Karriere. Gleich zum Saisonauftakt fuhr der BMW-Sauber-Fahrer dreimal auf den vierten Platz. Damit konnte sich BMW-Sauber früh als dritte Kraft hinter Ferrari und McLaren-Mercedes etablieren.

Das Team von Motorsportdirektor Mario Theissen landete bei der Konstrukteurswertung hinter Ferrari insgesamt auf dem zweiten Platz, weil der Verband FIA den Rennstall McLaren disqualifiziert hatte.

Er wuchs in Monaco auf, seine Mutter ist Deutsche und sein Vater ist Finne: Nico Rosberg kann sich bei seinem Papa jederzeit wertvolle Tipps holen, denn Keke Rosberg war 1982 Formel-1-Weltmeister. Beste Voraussetzungen für den gebürtigen Wiesbadener, der mit sechs Jahren zum ersten Mal in einem Kart saß und mit elf seine ersten Rennen fuhr.

Danach war Nico Rosberg in verschiedenen Klassen wie der Formel A oder der Formel BMW ADAC aktiv, ehe er Ende 2005 von den GP2 Series zur Formel 1 wechselte. Dort fährt er seit 2006 für den Rennstall Williams, mit dem er bis 2010 einen Vertrag hat.

Nico Rosberg ist keinesfalls der einzige Weltmeister-Sohn in der Formel-1-Geschichte. Die Ex-Piloten Damon Hill, Michael Andretti und David Brabham stammen ebenfalls von berühmten Vätern ab.

Am 17. Juni 2007 gab Sebastian Vettel sein Formel-1 Debüt. Der damalige BMW-Sauber-Testfahrer ersetzte nach einem Unfall Robert Kubica in Montréal. Mit 19 Jahren und 350 Tagen war der Heppenheimer im Ziel der jüngste Formel-1-Pliot, der einen Weltmeisterschaftspunkt gewann.

Im Juli 2007 wechselte Sebastian Vettel zu Toro Rosso und kam für den Amerikaner Scott Speed ins Team. Da BMW-Sauber die Freigabe erst spät erteilte, musste der Pilot für Toro Rosso in Ungarn ohne Tests antreten. Beim Großen Preis von China fuhr der Neuling überraschend vom 17. Startplatz auf den vierten Rang.

Im Alter von 14 Jahren stieg Timo Glock 1996 beim Motocross ein. Nur ein Jahr später wechselte der Odenwälder aus Lindenfels auf vier Reifen und fuhr bis 2001 Kart-Rennen. Noch im selben Jahr wurde Timo Glock Formel-BMW-Meister. 2004 konnte er als Ersatzmann für Giorgio Pantano seine ersten beiden Formel-1-Punkte ergattern. Für Jordan kam er im kanadischen Montréal als Siebter durch das Ziel.

Dann kam eine dreijährige Formel-1-Pause für den Odenwälder. Er musste sich bis 2007 gedulden, ehe ihn BMW-Sauber als Testfahrer engagierte. Neben dem Italiener Jarno Trulli startet der 26-Jährige in der aktuellen Saison für Toyota.

Adrian Sutil, der Sohn eines urugayischen Einwanderers, war bis zum Alter von 14 Jahren ein gefeierter Nachwuchs-Pianist mit guten Perspektiven für eine Profikarriere. Doch dann verließ der Musiker seinen eingeschlagenen Weg und wandte sich ausschließlich dem Kartsport zu.

Mit 19 Jahren wechselte er 2002 zur Formel Ford. Drei Jahre später war er in der Formel 3 Euroserie in einem Team mit Lewis Hamilton, hinter dem Adrian Sutil Vizemeister wurde. 2006 unterschrieb er beim Midland-F1-Team einen Vertrag als Testfahrer für die Formel 1. Im vergangenen Jahr ersetzte der Münchner schließlich den Piloten Tiago Monteiro bei Spyker, das Midland-F1 übernommen hatte.

Erste Aufmerksamkeit erregte der Deutsche in Monaco, weil er dort die beste Trainingszeit erzielte. Am 30. September 2007 fuhr Adrian Sutil im japanischen Fuji auf den achten Platz und sicherte sich seinen ersten Weltmeisterschaftspunkt. In dieser Saison startet der Bayer für Force India neben Giancarlo Fisichella.

Willi Weber ist nicht nur Manager von Michael Schumacher, sondern auch von Nico Hülkenberg. Wie mit dem ehemaligen Weltmeister hat Weber auch mit dem 20-Jährigen vom Niederrhein ehrgeizige Ziele: In dieser Saison soll das Nachwuchstalent in der Formel 3 Euroserie den Titel ergattern.

Parallel dazu hat der Hülkenberg seit 2007 einen Testfahrer-Vertrag mit AT&T-Williams und ist damit Teamkollege von Nico Rosberg. So oft wie möglich wird der Emmericher für das britische Team seine Runde ziehen, um sich auf seine Zukunft als Formel-1-Pilot vorzubereiten.