Ferrari-Star Sebastian Vettel geht mit einer Portion Optimismus in den Kanada-Grand-Prix am kommenden Wochenende. Wie der Deutsche erklärt, würden er und sein Ferrari-Team nach den jüngsten Formel-1-Erfolgen von einer Welle der Euphorie getragen. "Es beflügelt", schwärmt Vettel von den begeisterten Tifosi und Aufbruchstimmung nach einigen Jahren Tristesse: "Jeder in der Fabrik ist sehr glücklich. Man spürt es wirklich rundherum. Nicht nur in Maranello, sondern in ganz Italien."

Die Lorbeeren will Vettel nach drei Siegen in sechs Rennen nicht für sich alleine, sondern für alle Mitarbeiter der Scuderia. "Ich versuche, meinen Teil beizutragen - er ist natürlich prominenter, weil man nicht sieht, wie viele Stunden in Maranello und an der Strecke aufgewendet werden, um alles zu optimieren", lobt er die Ingenieure und Mechaniker, die den SF70H für Montreal wieder bestens in Schuss bringen sollen. Er findet: "Wenn wir mit Mercedes auf Augenhöhe sind, ist es super."

Heißt: Auch Ferrari proklamiert die Favoritenrolle auf der Ile de Notre-Dame nicht für sich. Mutmaßlich, weil die Motorpower der Silberpfeile auf den langen Geraden Trumpf sein könnte. Doch Vettel weiß, dass er mit seinem vielseitigen Boliden bislang auf keinem Kurs Probleme hatte: "Das Auto war überall gut. Es sollte laufen", blickt der Ex-Weltmeister zurück und voraus, "aber es gibt keine Garantie, dass das nächste Rennen gut läuft, weil es in den jüngsten zwei oder drei so war."

Einfacher macht Ferrari das Leben, dass sich das Auto besser abstimmen zu lassen scheint als die Wagen der Konkurrenz. Es sei kein Wundermittel am Werk, weiß Vettel: "Wir stecken viel Arbeit rein. Ich kenne die anderen Autos nicht. Aber es ist nie simpel schnell zu sein und alles herauszuholen", betont er und lanciert einen Seitenhieb auf die klagenden Rivalen: "Es gibt immer etwas, das man sich anders gewünscht hätte. Es lassen sich alle möglichen Rennfahrer-Ausreden vorschützen."

Entsprechend zurückhaltend antwortet Vettel auf die Frage, ob seine Führung in der WM-Gesamtwertung (er liegt derzeit 25 Punkte vor Lewis Hamilton) Einfluss auf die Herangehensweise hätte: "Nein", winkt er ab und will sich auch nicht auf die Zeiten der Red-Bull-Dominanz besinnen, während der er häufig in einer ähnlichen Situation war. Entspannt lächelnd zuckt er mit den Schultern: "Das ist eine Weile her. Ich vergesse oft Dinge und muss mir deshalb vieles aufschreiben."

Eines hat Vettel bei seinen vier WM-Titel gelernt: Es werden die Tage kommen, in denen der Sand auch das Ferrari-Getriebe heimsucht. "Bei so vielen Rennen ist es normal, manchmal zu straucheln. Wir werden einen Ausfall haben, das ist unvermeidlich", bereitet er die Roten auf die erste Nullnummer im Jahr 2017 vor. Vielmehr müsste das Team versuchen, schwierige Wochenenden zu meistern: "Entscheidend sind die Rennen, die schiefzulaufen scheinen, aber die man umbiegt."© Motorsport-Total.com GmbH