Mit dem neuen rosa Anstrich überraschte Force India Anfang des Jahres die gesamte Formel 1. Wird nun nach zehn Jahren auch der Teamname geändert? Das es derartige Erwägungen gibt, verrät Teamboss Vijay Mallya im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Ich und die anderen Anteilseigner ziehen eine Änderung in Betracht und wir prüfen gerade, welche Schritte wir dafür in die Wege leiten sollen", sagt der Inder. "Es handelt sich um eine große Änderung, und wir werden daher nichts übereilen und alles genau bedenken."

Grund dafür sei nicht sein Exil in Großbritannien, da ihm bei der Einreise in seine Heimat das Gefängnis droht. Vielmehr wolle er das Team für internationale Geldgeber attraktiver machen. "Es gibt Leute, die der Ansicht sind, dass der aktuelle Name Force India aus psychologischer Sicht restriktiv wirkt. Wir besprechen daher gerade, warum wir den Namen nicht ändern sollten, um einen internationaleren Eindruck zu machen", erklärt er.

All das habe auch mit dem Aufstieg des kleinen Rennstalls mit Sitz in Silverstone, der sich trotz eines geringen Budgets vom Ende des Feldes in die Rolle des Favoritenschrecks auf Platz vier in der Konstrukteurs-WM nach vorne gearbeitet hat, zu tun. "Ich habe zunehmend das Gefühl, dass wir seit unserem Aufschwung mehr internationale Sponsoren anziehen - und leider weniger Sponsoren aus Indien", stellt er klar. Tatsächlich findet man abgesehen von den Firmen aus Mallyas Kingfisher-Firmenimperium seit Jahren kaum indischen Sponsoren beim Rennstall.

Sponsoren als Ursache für Umbenennungsplan

Dabei hatte man sich beim Kauf des Spyker-Rennstalls im Jahr 2007 bewusst als indisches Nationalteam in Szene gesetzt, um heimische Geldgeber anzuziehen - ein Plan, der scheiterte. Trotzdem ist Force India eines der Teams mit den meisten Sponsorenlogos, obwohl man angeblich dem neuen österreichischen Sponsor BWT, der nicht nur das Erscheinungsbild der Autos, sondern auch der Helme der Piloten bestimmte, beim Preis ziemlich entgegenkam.

Die Forderung, nun auch den Namen zu ändern, komme aber weder von BWT noch von Alkoholsponsor Diageo, meint Mallya. Stattdessen könnten Verhandlungen mit einem weiteren neuen Sponsor der Hintergrund sein.

"Ich werde aber nicht sagen, um wen es sich handelt", will er sich nicht festlegen. Aus diesem Grund ist Mallya aber zuversichtlich, dass eine Namensänderung, für die man früher eine Mehrheit in der Formel-1-Kommission benötigte, kein Hindernis sein werde.

Mallya rechnet nicht mit Widerstand

Dabei setzt Mallya auf die neuen Formel-1-Eingetümer. "Ich bin sicher, dass die von Chase Carey angeführten Liberty-Leute vernünftig sein werden und sich freuen, wenn neue Sponsoren kommen und Geld in die Formel 1 bringen", argumentiert der Inder. "Und wenn das eine Namensänderung erfordert, dann glaube ich nicht, dass irgendwer damit ein Problem hat." Und das, "obwohl ich weiß, dass einige Teams nicht meine besten Freunde sind", sagt Mallya, dessen Rennstall die ungleiche Einnahmenverteilung in der Formel 1 seit Jahren hart kritisiert.

Eine Namensänderung könnte laut Mallya auch aus einem anderen Grund in Zukunft Sinn ergeben. "Und zwar, wenn die Formel 1 dem NFL-Modell folgt und auf ein Franchise-System setzt, bei dem der Fokus wirklich auf dem Namen liegt", wirft der Geschäftsmann ein. Das würde bedeuten, dass gewerbliche Unternehmen die Teamlizenz unabhängig von ihrer Herkunft kaufen können und die indische Identität daher keine Bedeutung mehr hat. "Das werden wir alles bedenken, bevor wird irgendeine endgültige Entscheidung treffen", kündigt Mallya an.© Motorsport-Total.com GmbH