Mercedes ist in dieser Saison das Maß der Dinge. Bei acht der neun absolvierten Rennen fuhren Nico Rosberg und Lewis Hamilton der Konkurrenz davon. Doch als eine Einheit treten die Silberpfeile vor dem Großen Preis von Deutschland nicht auf. Aus Kollegen wurden Rivalen, die sich zuletzt nicht nur auf der Strecke duellierten.

Im Vorfeld des Rennens am Hockenheimring spitzt sich der Zweikampf zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton zu. Nach einem misslungenen Saisonauftakt, zwischenzeitlicher Führung und erneutem Rückstand von 29 Punkten, kämpfte sich Hamilton mit einem Sieg im vergangenen Rennen in Silverstone wieder näher an den erstplatzierten Rosberg heran. Damit liegt er nun nur noch vier Punkte hinter ihm auf dem zweiten Platz. Erbittert führen beide den Kampf um den WM-Sieg.

Rivalen von klein auf

Dabei kennen sich die beiden Rennfahrer schon seit vielen Jahren. Bereits mit 14 Jahren duellierten sie sich auf der Kartbahn, teilten viele Jahre lang bei Wettkämpfen ein Hotelzimmer und trieben sich gegenseitig zu Höchstleistungen. "Er wurde durch Lewis' Talent nach vorne gepusht. Hamilton hat ihm eine Referenz gegeben, wo er hinkommen musste", erinnert sich Dino Chiesa in der "Bild am Sonntag" an Rosberg und die Symbiose seiner beiden früheren Schützlinge, "Lewis konnte umgekehrt aber nie ohne Nico, weil Rosberg immer härter gearbeitet hat, die ganze Drecksarbeit erledigt hat."

Doch bei aller Verbundenheit: Freundschaften geltem im Titelkampf wenig. Beide betonen immer wieder ihr kollegiales, aber neutrales Verhältnis. Im Vorfeld des Rennens auf dem Hockenheimring haben nun die Psychospielchen begonnen.

"Rosberg ist kein Deutscher"

Nachdem Hamilton bei seinem Heimrennen in Silverstone gewann, möchte Rosberg in der Heimat sein technisches Aus vergessen machen und den ersten Platz festigen. Hamilton, der oft und gerne gegen seine Kontrahenten stichelt, spielte gegenüber der britischen Zeitung "The Guardian" den Heimvorteil für Rosberg mit einem misslungenen Scherz herunter: "Um ehrlich zu sein, war Nico nie in Deutschland, also ist er kein Deutscher. Er ist deutsch-finnisch-monegassisch oder so etwas."

Ob als emotionales Spielchen gemeint oder nicht, Rosberg, der als Sohn des finnischen Ex-Weltmeisters Keke Rosberg in Wiesbaden geboren wurde und in Monte Carlo aufwuchs, zeigt sich im Vorfeld des Rennens gelassen. Intern ist das Duell hingegen deutlich spürbar: Mercedes hält sich bislang jedoch aus dem Duell heraus, stattet beide mit gleicher Technik aus und lässt seine Fahrer frei gegeneinander fahren.

Zweikampf in Hockenheim

Selbstverständlich ist diese neutrale Haltung nicht. So zwang Ferrari in der Vergangenheit einen entrüsteten Rubens Barrichello, sich von seinem Teamkollegen Michael Schumacher mehrmals in aussichtsreicher Position überholen zu lassen, um dessen WM-Sieg zu sichern.

Soweit ist geht Mercedes nicht. Zur Halbzeit der Formel-1-Saison und bei bloß vier Punkten Differenz in der Fahrerwertung werden sich Rosberg und Hamilton am Sonntag auf dem Hockenheimring keine Geschenke machen.